Mit Vogelhäuschen auf den Ernst des Lebens vorbereitet

Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, korrektes Arbeiten, die Folgen schlechter eigener Leistungen erleben und auch den Erfolg gelungener Arbeit hautnah erfahren zu können, all das sind Elemente, die die Schüler der Arbeitsgemeinschaft „Vogelhäuschen“ heuer wieder erleben werden.

Georg Kerschensteiner war der Wegbereiter für das Berufsschulwesen, das heute als duale Ausbildung bekannt ist. Das ist die Kombination aus betrieblichem Lernen und ergänzendem Unterricht. Rektor Albert Kaps kann in seinem Lebenslauf auf drei Jahre Arbeit am Bau verweisen und Volker Picht hat sein Berufsleben als Ingenieur gerade hinter sich gelassen. Diese Mischung macht es wohl aus.

Picht begann vor zwei Jahren, sich in seiner Freizeit für die Arbeit mit den Schülern anzubieten. Mit Schülern wollte er Vogelhäuschen bauen. Die Idee schien kurios, doch sie ist offenbar sehr wirkungsvoll. Zunächst musste Picht in Vorleistung gehen. Holzplatten wurden gebraucht, eine elektrische Säge, Farbe und jede Menge Ideen.

Den Schülern scheint die Arbeit zu gefallen. Die Zuschnitte galt es für die einzelnen Vogelarten anzupassen. Kein Vogel möchte den Nistkasten einer anderen Art benutzen. War die Arbeit nicht sorgfältig ausgeführt, stand das Ergebnis auf dem Spiel. So merkten die Schüler durch ihre eigene Arbeit Sorgfalt und Konzentration, Interesse an der Fertigstellung und Engagement zu entwickeln und einzubringen.

Rektor Kaps gab zu, anfangs etwas skeptisch gewesen zu sein, ob die Schüler diesen Weg so mitgehen würden. Schnell überzeugten ihn seine Schüler anhand ihrer Leistungen. „Es ist für unsere Schüler ungemein wertvoll zu erleben, wie draußen gearbeitet wird, worauf es ankommt und zu erkennen, dass sie etwas leisten können, wenn sie Spaß an einer Sache haben“, meinte Kaps.

Demgegenüber steht Picht an der Front: „Die wenigsten Schüler haben zuvor mit Holz gearbeitet. In Vogelhaus hat keiner von ihnen gebaut. Hier erleben sie, was sie schaffen können.“ Die zusammengefügten Vogelhäuschen werden künstlerisch verziert. Die Farbe habe Picht auch organisiert, schmunzelte Kaps anerkennend.

Und dann kommt an den vier Samstagen vor Weihnachten der große Abverkauf. Auf dem Stadtmarkt bieten sie ihre Vogelhäuschen feil. „Das hat den Kindern richtig Spaß gemacht, da konnten sie durch die Verkäufe sehen, was ihre Arbeit wert ist. Das hat die unheimlich motiviert“, freute sich Picht. Seine Planungen für heuer stehen auch schon. Erstmals will er einen zweiten Stand in der Fußgängerzone am Martin-Luther-Platz, direkt bei Karstadt, aufmachen. „Wir haben so viele Vogelhäuschen, meinte Laura mit Blick auf rund 70 Vogelhäuschen, die an zwei Drähten im Werkraum hängen. Noch sind viele erst grundiert, müssen noch das entsprechende Dekor mit Hand aufgemalt bekommen. Die Termine für die Adventssamstage stehen unumstößlich fest. Die Schüler der siebten und achten Jahrgangsstufe sind mit sehr viel Eifer dabei.

„Das Programm, das die Schüler in der Arbeitsgemeinschaft machen, fördert auch deren Sozialisation“, ist sich Kaps sicher. Für den Pädagogen zeigt sich in diesem Eifer, dass die Schüler einen Ausgleich zum Unterricht mit den Lehrern brauchen. Dazu bringe die gebundene Ganztagesklasse gute Rahmenbedingungen mit, die aber auch gefüllt werden müssen. Picht arbeitet ehrenamtlich. Geld für ein entsprechendes Honorar gebe sein Budget nicht her, bedauerte Kaps die Kassenlage der Schule.
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