Modellprojekt FISnet nimmt Herausforderungen des Altersübergangs unter Lupe

manroland web Systems ist einer der Partner im Projekt FISnet. Die Belegschaft dort ist zum überwiegenden Teil älter als 50 Jahre. Foto: Symbolbild/manroland web systems

Morgens aufstehen, in die Arbeit fahren. Abends geht es wieder nach Hause. Jahr für Jahr geht das so, bis zum Ruhestand - und dann folgt der Sturz ins schwarze Loch: kein Rhythmus, keine Aufgabe, kein Sinn mehr. Mit Problemen wie diesen beschäftigt sich das Verbundprojekt FISnet in den kommenden vier Jahren. Die Ergebnisse sollen Modell werden für die gesamte Bundesrepublik.

FISnet steht kurz für "Flexible and Individualized Service Networks". Übersetzt: Flexible und individualisierte Dienstleistungsnetzwerke. Vorstellen kann sich unter dem Begriff niemand etwas. Das Projekt stellt einen Versuch dar, Antworten zu finden auf die Schwierigkeiten, die auf jeden lauern können, wenn der Eintritt ins "dritte Lebensalter" ansteht, der Wechsel also aus der aktiven Erwerbstätigkeit in den Ruhestand.

"Mit dem dritten Lebensabschnitt sind viele Hoffnungen verbunden: Endlich Zeit fürs Hobby, lange Urlaub machen. Vorbereitet sind trotzdem nicht alle", ist Sozialreferent Stefan Kiefer überzeugt. Umso mehr begrüßt er, dass Augsburg als Modellregion ausgewählt wurde im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs des Forschungsministeriums "Gesundheits- und Dienstleistungsregionen von morgen". Insgesamt fünf Entwicklungsprojekte wurden aus 78 Bewerbern ausgewählt, Augsburg stellt das einzige bayerische Modell.

Die Federführung vor Ort hat die Universität Augsburg übernommen. In den kommenden vier Jahren werden nun "die vorhandenen Bedarfe, Bedürfnisse sowie bestehende Angebote für präventive Gesundheitsdienstleistungen im Altersübergang zunächst wissenschaftlich untersucht, um dann gemeinsam mit der Praxis modellhaft kooperative Dienstleistungsnetzwerke aufzubauen und zu verstetigen" - soweit der theoretische Anspruch der Universität. Um ihn umzusetzen haben sich die Wissenschaftler regionale Partner aus den unterschiedlichsten Bereichen gesucht. Geeint werden sie durch die Problematik des Altersübergangs. Zielgruppe sind die 55- bis 75-Jährigen. Perfekt für die Erhebung der Universität geeignet scheint die Belegschaft bei manroland web systems. "55 Prozent der 1150 Mitarbeiter sind über 50 Jahre alt. 90 Prozent sind männlich", berichtet Daniel Raffler, der in der manroland-Geschäftsleitung für die Mitarbeiter zuständig ist. Als Besonderheit kommt noch hinzu, dass 700 der Mitarbeiter im Außendienst beschäftigt sind oder regelmäßig auf Montage im Ausland. Innerbetrieblich gebe es schon einige Angebote, die auch angenommen werden. Zufrieden ist Raffler nicht. Er hofft auf Impulse aus dem FISnet, ebenso wie Ruth Reisinger von der Volkshochschule (vhs) Aichach-Friedberg. "Der Anteil an Kursleitern und -teilnehmern jenseits der 55 Jahre steigt stetig an", erzählt sie. Es sei eine Herausforderung, die Angebote der vhs entsprechend anzupassen und neue Formate zu entwickeln. Denn: Rückenschule allein reicht nicht mehr.

Professor Werner Schneider, der das Projekt als Verbundkoordinator leitet, weiß, dass es mehr die psychischen Belastungen sind, die den Menschen in der Übergangsphase zu schaffen machen. Die Eltern pflegebedürftig, die eigene Gesundheit angekratzt, aufgrund von Altersteilzeit weniger Geld zur Verfügung - oft kommen mehrere Faktoren zusammen, die in letzter Konsequenz einen Menschen aus der Bahn werfen können, kurz vor dem Ziel "Ruhestand". So vielfältig diese Faktoren sein können, so breit gestreut müssen dann auch die Antworten sein, die das FISnet zu finden hofft. "Unser Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Partnern Lösungen zu entwickeln, die zukünftig besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Ansprüche der Menschen in dieser Lebensphase abgestimmt sind," so Schneider.

Mit 4,8 Millionen Euro wird das Projekt auf die nächsten vier Jahre vom Bund gefördert, insgesamt steht ein Budget von sechs Millionen Euro zur Verfügung. Bis erste Ergebnisse zu erwarten sind, dauert es noch eine Weile. Im Oktober soll es einen ersten Zwischenbericht geben. Man darf gespannt sein, wie FISnet den Übergang in den Ruhestand einfacher gestalten will.
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