Moderne Architektur für Römer

Wohin mit den Römern? Diese Frage stellt sich die Stadt Augsburg seit 2012, als das römische Museum in der Dominikanerkirche wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste.Nun soll das 6500 Quadratmeter große Areal neben dem Museum bebaut werden und so Platz für einen Erweiterungsbau des römischen Museums sowie für Geschäfte, Büroräume und für ein Hotel bieten. Doch wie sollte das Gelände gestaltet werden? Auf diese Frage geben zehn Architekturstudenten in ihren Masterarbeiten eine Antwort.

Für die Planung ihrer Masterarbeiten hatten die Studenten viele Vorgaben zu beachten. Zum Einen ist ein moderner Erweiterungsbau des römischen Museums mit 4000 Quadratmetern gefordert. Zum Anderen soll auf der Fläche auch ein Stadthotel mit rund 100 Betten, mehreren Büro- und Praxiräumen und eine Tiefgarage entstehen. Und auch die attraktive Gestaltung des Areals, das ein wichtiger Teil der Wegebeziehung zwischen City-Galerie und Innenstadt darstellt, darf nicht zu kurz kommen. Unter diesen Vorgaben machten sich die jungen Architekten ans Werk. Dies sind drei der zehn entstandenen Modelle:

Adel Shaheen erschafft in seinem Modell einen neuen Platz, der aus der Vergrößerung der Kreuzung Am Schwall, Predigerberg, Bäckergasse und Vorderer Lech hervorgehen soll. Auf diesem neuen „Museumsplatz“ – so der geplante Name – soll eine römische Statue stehen. Ausgehend von diesem Punkt führt ein Weg zum Erweiterungsbau des Römermuseums. Dieser, im Erdgeschoss komplett verglaste Neubau, hat einen rechteckigen Grundriss, der an römische Tempel erinnern soll. Vor einem Glasbau, der Neubau und Dominikanerkirche verbindet, entsteht eine große Eingangsfläche die sich als Sammelpunkt anbietet. Die Außenanlage, die zwischen dem Alt- und Neubau gelegen ist, soll als Skulpturengarten gestaltet werden. In der Form eines Pentagons soll das Randgebäude ausgearbeitet werden. Besonderheiten bei diesem Modell sind die Flachdächer, die als Terrassen genutzt werden können, und die vielen Fenster an der Museumswand, die nachts als Projektionsfläche für Bilder von Exponaten dienen.

Ein extravagantes Modell mit einem zickzackförmigem Grundriss hat sich die Studentin Anna Zaller einfallen lassen. Das zusammenhängende Gebäude, dessen Zickzack-Form sich aus der Verbindung der verschieden Straßenachsen ableitet, ist im Erdgeschoss durch Passagen unterteilt. Der Bau gliedert sich in drei Teile: im ersten Teil, neben der Kirche, wird das Museum Platz finden. Im zweiten Teil entstehen Geschäfte und Büros. Im dritten Teil wird das Stadthotel angesiedelt sein. Vier Höfe und viele Sitzstufen, die die acht Meter Höhenunterschied bis zum Neubau überwinden, laden zum Verweilen ein. Die Fassade, die sich am Motiv der Zirbelnuss orientiert, und das Dach, das aus einer zusammenhängenden Faltung besteht, stellen einen historischen und städtebaulichen Bezug zu Augsburg her.

Die unterschiedliche Höhenlage des Geländes nützt Priscilla Uhrmann mit ihrem Projekt geschickt aus. Sie plant eine Aneinanderreihung mehrerer würfelförmiger Gebäude auf unterschiedlichen Ebenen. Vor dem Eingangsbereich – ein großangelegter, verglaster Riegel – kann durch ein Café attraktiv eingerichtet werden. Hinter dem neuen Eingangsbereich erwarten die Besucher viele Möglichkeiten sich niederzulassen. Zum Beispiel auf den Sitzstufen, am Wasserrad im Lech oder in einem weiteren Restaurant am Vorderen Lech. Für den Norden des Grundstücks ist im Modell etwas ganz besonderes vorgesehen: ein kleines Amphitheater. In das Erdgeschoss der „Würfel-Gebäude“ der Randbebauung sollen hochwertige Läden einziehen. Im ersten und zweiten Stock können Büros und Praxen eingerichtet werden. Und in den weiteren Geschossen finden die Betten des Stadthotels Platz.

Ob eine dieser Ideen tatsächlich realisiert werden kann, steht noch in den Sternen. Im Stadtrat herrscht große Uneinigkeit was die Zukunft des römischen Museums angeht. Denn auf dem Gelände neben der Dominikanerkirche steht derzeit noch die Berufsschule III. Deren Zukunft ist noch längst nicht geklärt. Und so stellt sich weiter die Frage, ob ein Römermuseums nicht besser auf dem Gelände „Am Pfannenstiel“ entstehen sollte.
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