Mord in Augsburg: IM AUFTRAG DES STADTVOGTS

Wolfgang Kemmer schreibt unter anderem historische Romane aus Augsburg. Foto: Carina Faust
 
Seinen neuesten Roman stellt Wolfgang Kemmer im Herbst bei verschiedenen Lesungen vor.

Über den Pferseer Autor Wolfgang Kemmer, seinen jüngsten historischen Roman, die Bedeutung des Syndikats und spannende Lesungen im Stadtgebiet.

Als „Syndikat“ bezeichnet man laut Duden einen als geschäftliches Unternehmen getarnten Zusammenschluss von Verbrechern. Man könnte auch „Mafia“ oder „Unterwelt“ dazu sagen. Genau dorthin führen die Geschichten der deutschsprachigen Kriminalautoren, die sich unter dem Namen „Syndikat“ bereits 1986 zusammengeschlossen haben. Ziel ist es, deutschsprachige Kriminalliteratur zu fördern, der Öffentlichkeit zu präsentieren und sich untereinander auszutauschen. Schließlich gibt es unter den bald 800 Mitgliedern große Namen und solche, die es erst noch werden wollen. Jedes Jahr wird eine mehrtägige Criminale veranstaltet – an wechselnden Tatorten, das nächste Mal im Mai 2018 in Halle. In den Kategorien „Roman“, „Debutroman“, „Kurzkrimi“ sowie für besondere Verdienste am deutschsprachigen Kriminalroman wird in diesem Rahmen der Friedrich-Glauser-Preis vergeben. Dafür muss die Jury vor der Gala etwa 300 Bücher lesen. Außerdem haben die Teilnehmer ein einschlägiges Programm: Schießtraining, Gefängnisbesuche und ähnliche, den Horizont erweiternde, Veranstaltungen werden angeboten. Am achten Dezember zelebriert der Verein jährlich den „Krimitag“ zum Todestag des Namensgebers, des Schweizer Schriftstellers Friedrich Glauser (1896–1938), der mit der Figur seines Wachtmeisters Studer eine der ersten Detektivgestalten des deutschsprachigen Raumes schuf.

Mord-Geschichten als Beruf

Ein Mitglied dieser mit allen Niederungen des menschlichen Wesens vertrauten Gemeinschaft ist der in Pfersee lebende Autor, Lektor, Dozent und Redakteur Wolfgang Kemmer.
Er wurde 1966 in Simmern/Hunsrück geboren, studierte Germanistik, Anglistik und Angloamerikanische Geschichte in Köln und veröffentlichte in dieser Zeit seine ersten Kriminalromane. Auch seine Magisterarbeit passte ins Thema: Sie hatte alte amerikanische Krimis und Detektivgeschichten zum Inhalt. Nach dem Studium arbeitete Wolfgang Kemmer als Lektor in einer Literatur-Agentur. In Pfersee hat er mit seiner Familie seine Wahlheimat gefunden. Er schreibt Kurzgeschichten für Anthologien und Zeitschriften und betreute viele Jahre als Herausgeber den Kurzkrimi-Podcast von Jokers-Weltbild. Einige seiner Geschichten kann man auch beim Hörmord-Kartell downloaden und 15 bis 30 Minuten anhören. 2011 war er nominiert für den Agatha-Christie-Preis.
Auf die Frage nach seinem Lieblingsautor nannte er aber weder die Grande Dame der Mord-Geschichten, noch einen anderen Kollegen der Zunft. Kemmer findet das Genre insgesamt aufregend – wie eine wachsende Gemeinde an Anhängern. Den Begriff „Heimatkrimi“ mag der Autor nicht, schließlich müsse eine Handlung an einem Ort stattfinden – ein Wiedererkennen sei für den Leser spannend. Bei seinen historischen Geschichten hat der Autor da ein wenig mehr Freiheit, denn die Überlieferungen über das Stadtbild oder die Bevölkerung lassen Spielraum für eigene Ideen.

Das neue Buch

„Im Auftrag des Stadtvogts“ spielt anno 1548. Während die Großen des Reiches beim „Geharnischten Reichstag in Augsburg“ um die Religionsfrage ringen, wogt in den Straßen ein buntes Völkergemisch – und ein tödliches Ränkespiel – mittendrin ein vermeintlicher Nachfahre des berüchtigten Raubritters Hermann von Pfersee.
Der erste Religionskrieg auf deutschem Boden ist beendet. Karl V. hat die Anhänger der Reformation in die Schranken verwiesen. Nur der abgesetzte sächsische Kurfürst Johann Friedrich trotzt dem Kaiser sogar noch in der Gefangenschaft. Sein ehemaliger Jagdhelfer sucht derweil in der Maske des Bärenführers Barnabas unter den kaiserlichen Landsknechten nach dem Mörder seiner Familie und muss schmerzhaft erkennen, wie wenig Wahrheit und Gerechtigkeit im Machtspiel der Großen zählen.

Lesungen

Regelmäßig liest Wolfgang Kemmer aus seinen historischen Romanen vor Publikum. Diesen Herbst ist „Im Auftrag des Stadtvogts“ an besonderen Plätzen zu genießen. Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Stefanie Montrone von der Volkshochschule Augsburg, begibt sich der Buchautor im Oktober mit seinem Publikum auf einen Spaziergang durch Augsburgs Innenstadt. Die Orte des Geschehens sind noch geheim und geheimnisvoll. Möglicherweise führt der Weg in den Fronhof, oder zur Schlossermauer, wo es früher einen Pferdestall gab. Ein ganz heißer Tipp ist auch der Elias-Holl-Platz. Denn schließlich war unter dem Rathaus zur Zeit der Reformation die Fronfeste, also das Gefängnis der Stadt untergebracht.
Eine Lesung wird als eine von drei Veranstaltungen im November in der Bücherinsel Pfersee, Augsburger Straße, stattfinden. Hier ist es ein eher heimeliges Flair, aus dem die Krimifreunde in die ungemütliche Mord- und Rachegeschichte entführt werden.
Besonders am Herzen liegt dem Autor die Benefizlesung im Dezember. Mit seinen Kollegen Angela Eßer, Bernhard Jaumann und Willibald Spatz gestaltet Kemmer zum Krimitag den Abend im Planetarium unter dem Motto „Mord unterm Sternenhimmel“. Bei Live-Musik mit Andreas Kalb lauschen die Besucher den Krimigeschichten. Die Autoren und der Musiker spenden ihre Gagen und auch das Planetarium stellt sein besonders stimmungsvolles Ambiente kostenfrei zur Verfügung. Der Erlös der Veranstaltung kommt einem guten Zweck zugute. Rechtzeitige Anmeldung ist hier empfehlenswert, denn diese Veranstaltung hat bereits Tradition und ist bei den Augsburger Krimifreunden beliebt.

Termine

Samstag, 14.10.2017, 21 Uhr: Stadtführungslesung, gemeinsam mit Stefanie Montrone (über die vhs buchbar), Treffpunkt: Fugger-Statue vor dem Maximilian-Museum

Donnerstag, 09.11.2017, 19.30 Uhr: Bücherinsel Pfersee

Sonntag, 10.12.2017, 11 Uhr: Benefizlesung im Planetarium Augsburg (über die vhs buchbar), gemeinsam mit Angela Eßer, Bernhard Jaumann und Willibald Spatz
Infos unter www.wolfgang-kemmer.de

In der Oktober-Ausgabe der Schwäbischen Nachrichten & AuLa – Erscheinungstermin 11. Oktober – verlosen wir „Im Auftrag des Stadtvogts“ an unsere Leser.
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