Musikalische Botschafter: Die Augsburger Domsingknaben

Die Augsburger Domsingknaben gaben für Bundespräsident Joa-

Mit ihrer Musik sorgen sie weltweit für Aufsehen und Begeisterung und beglücken sogar Staatsoberhäupter mit ihren Stimmen: Die Augsburger Domsingknaben.

Die Geschichte der Augsburger Knabensolisten geht bereits auf das Jahr 1439 zurück, als man die Vorfahren der Domsingknaben noch "Marianer" nannte und sie jahrhundertelang am Mariendom die Gregorianischen Choräle sangen. Erst im 19. Jahrhundert wurde im Zuge der Säkularisierung diese Tradition - wenn auch nicht vollständig - unterbrochen. Auf Wunsch des damaligen Augsburger Bischofs Josef Stimpfle bekam der junge aufstrebende Musikstudent Rainhard Kammler 1976 den Auftrag, den Knabenchor für den Dom zu "reaktivieren" - und damit begann die beispiellose Erfolgsgeschichte der "Augsburger Domsingknaben".

Bereits zehn Jahre später, am 9. November 1986, konnten Reinhard Kammler und Domkapellmeister Rudolf Brauckmann das renovierte Haus St. Ambrosius an der Domkurve als musikalische Bleibe beziehen.

Das Gebäude war 40 Jahre lang als Ruine ein Schandfleck der Stadt gewesen, nun vom Architekten Hans Schrammel wieder in seine barocke Pracht versetzt und zu einem der heute schönsten Häuser Augsburgs gemacht worden. Im Inneren gibt es mit Chorsaal, Proben- und Unterrichtsräumen, Speisesaal und Küche alles, was Chorknaben brauchen. Schlafsäle fehlen, denn die Augsburger Domsingknaben sind nicht im Internat, sondern leben bei ihren Familien.

Zusammen mit seinem Team entwickelte Reinhard Kammler das Modell einer Chorschule nach englischem Vorbild. Er hatte bei einem Studienaufenthalt in England am King's College die reiche Chortradition Englands vor Ort erlebt. Für Hunderte von Knaben wurde der Chor zur zweiten Heimat. Die Gemeinschaft, die bis zu 20 Jahren andauern kann, vermittelt prägende Erfahrungen und begleitet die jungen Männer ein Leben lang. Bereits im Alter von fünf Jahren können die kleinen Sänger an der hauseigenen und spielerischen musikalischen Frühförderung teilnehmen, mit sieben Jahren folgt nach einer Eignungsprüfung die eigentliche Chorschulung, danach bekommen besonders begabte Sänger die Chance, in den sogenannten "B-Chor" aufgenommen zu werden - eine Art "Vorbereitungsklasse" für die Chorknaben-Karriere und die beiden öffentlich auftretenden Chöre: zum einen den "A- Chor", der im Wechsel mit dem Kammerchor die sonntägliche Liturgie am Dom bestreitet und Konzerte in ganz Deutschland gibt. Zum anderen für die Begabtesten der Übertritt in den international gefragten Kammer- beziehungsweise Konzertchor.

Auch während des Stimmbruchs werden die Jugendlichen gut betreut, ehe sie mit ihren Männerstimmen dann die Ausbildung fortsetzen können. Und das Sängerleben ist wahrlich nicht nur ein Zuckerschlecken: Neben der Chorprobe gibt es zweimal pro Woche intensive Stimmbildung, Instrumentalunterricht und liturgische Unterweisung. Die Pflege der "musica sacra" am Hohen Dom steht seit ihrer Gründung im Mittelpunkt des musikalischen Chorlebens.

Insgesamt 350 Kinder werden im Haus St. Ambrosius ausgebildet und gefördert. Ziel: Der helle, homogene Chorklang und die Fähigkeit, acht beziehungsweise zwölfstimmig und/oder doppelchörig zu singen. Eine Fähigkeit, die heutzutage nur noch wenige Knabenchöre beherrschen.

Die Augsburger sind mittlerweile auf der ganzen Welt berühmt und längst in die Riege der besten deutschen Knabenchöre aufgestiegen.

Selbstverständlich gehören da internationale Engagements zum Programm: 1979 gab es das erste Konzert in Ausland - damals eine Einladung nach Polen - seitdem sind Reinhard Kammler und sein Chor weltweit gern gesehene Gäste.

Im vergangenen Sommer absolvierte der Chor ein triumphales Gastspiel in China mit 20 ausverkauften Konzerten und 40 000 Besuchern in vier Wochen. In San Francisco verursachten die Buben sogar einmal ein Verkehrschaos aufgrund des großen Besucherandrangs und auf den Stationen ihrer jüngsten Tourneen, die 2016 nach Belgien und die Niederlande führten, war die Begeisterung des Publikums einhellig. Der Chor präsentiert sich auf vielen bekannten Festivals und steht auf den Besetzungslisten der großen europäischen Opernhäuser. In jeder Spielzeit sind die "Augsburger" darüber hinaus seit Jahren auch am heimischen Theater in Produktionen eingebunden.

Junge Sänger haben als Mitglieder der Augsburger Domsingknaben die Chance, unvergessliche Momente zu erleben. Ob im Schloss Bellevue vor dem Bundespräsidenten oder 2009 das Bach'sche Weihnachtsoratorium vor Papst Benedikt XVI in Rom: Der Kammerchor kommt viel rum in der Welt und nicht selten steht dann auch mal ein weltbekannter Dirigent am Pult - Sir Colin Davis, Kent Nagano, Mariss Jansons oder Bernhard Haitink, um nur einige zu nennen.

Es ist daher auch kein Wunder, dass der Chor an vielen Rundfunk- und TV- Aufnahmen mitwirkt und auf zahlreichen Tonträgern zu hören ist.

In Augsburg haben sie ihr nächstes Konzert am Sonntag, 26. März, in der Evangelisch Heilig Kreuz Kirche. Zu hören gibt es die Matthäuspassion (Bach). Am 15. und 16. Mai wirken die Domsingknaben beim 7. Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker im Kongress am Park mit.

Von Stephanie Knauer und Ines Bennhausen
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