Muslime in Augsburg: Ringen um den Ruf der Religion

Saeed Ahmad Gessler, Abteilungsleiter der Bauabteilung und damit verantwortlich für den Bau der Moschee, Dawood Majoka, Abteilungsleiter Externe Angelegenheiten, und Naseer Ahmad, Präsident der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Augsburg, (von links) hoffen, mit ihren Plakaten und Flyern Vorurteile in der Bevölkerung gegenüber dem Islam abzubauen.

Nur von Terror höre man, wenn es um das Thema Islam gehe, konstatiert Dawood Majoka, Sprecher der Organisation „Ahmadiyya Muslim Jamaat“. Deshalb sollen Muslime, die einen friedlichen Islam leben, nicht länger stumm bleiben. Sie sollen sich „outen und an die deutsche Bevölkerung heran treten“. Mit der Aktion „Liebe für Alle, Hass für Keinen“ will die Reformgemeinde nun genau das tun und der Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft begegnen sowei diffuse Ängste und Vorurteile abbauen.

Mit orientalischem Hut und westlichem Anzug bekleidet sitzt Majoka vor den Plakaten, die die Aktion illustrieren. In nahezu akzentfreiem Deutsch beschreibt er die Beweggründe, die hinter „Liebe für Alle, Hass für Keinen“ stecken.
Die Ahmadiyya wolle nach den Lehren ihres Gründers, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, „die ursprünglichen, friedlichen und fortschrittlichen Lehren des Islam von den Verkrustungen und Irrungen der heutigen Zeit befreien“, erklärt Majoka. „Wir glauben an die im Grundgesetz verankerten Menschenrechte, treten für die Meinungs- und Religionsfreiheit, einschließlich des Wechsels der Religion oder der Ablehnung aller Religionen, ein. Wir lehnen jegliche Gewalt im Namen der Religion ab.“
Viele Menschen, so Majoka, verbänden den Islam aber hauptsächlich mit Schreckensnachrichten und Extremismus und wüssten über die ursprünglichen Lehren dieser Religion nur wenig. Doch die Angst vor dem Islam, die in der Bevölkerung weit verbreitet sei, sei nur auf einige gewaltbereite Muslime zurückzuführen.
Die Aktion „Liebe für Alle, Hass für Keinen“ solle deshalb zeigen, dass vieles, was die Leute glauben, einem friedlich gelebten Islam völlig entgegengesetzt sei. „Wir wollen Vorurteile abbauen“, sagt Majoka. „Wir sehen es als unsere Pflicht, auf die Menschen zuzugehen und sie über die Lehren des Islam zu informieren, wie wir sie verstehen.
Die Aktion der Gemeinde, die noch bis zum 11. April in Augsburg stattfindet, umfasst drei Teile: So sind an 50 Stellen in Augsburg nun Plakate ausgestellt, die den Glauben der Ahmadiyya näher erklären. „Es soll kein Zwang sein im Glauben“, verkünden die Plakate etwa. Oder: „Der Beste unter euch ist derjenige, der seine Frau am besten behandelt“ – was sich zwar offenbar nur an Männer richtet, aber zumindest Gewaltfreiheit proklamiert. Außerdem werden Mitglieder der Organisation täglich von 15 bis 18 Uhr in der Stadt unterwegs sein, um Flyer zu verteilen. Am 29. April schließlich sollen in der Kongresshalle das Leben und die Lehren Mohammeds vorgestellt werden. In diesem Rahmen ist auch eine Ausstellung geplant, bei der Theologen die Fragen der Besucher beantworten sollen.
Aktionen wie diese macht die Organisation in Deutschland bereits seit einigen Jahren. Auf rund 220 Gemeinden ist Ahmadiyya im Laufe der Zeit angewachsen. „Nun konzentrieren wir uns auf Gemeinden, in denen es noch nicht so viele Mitglieder gibt“, so Majoka. Augsburg sei auch deshalb in den Fokus gerückt, weil in der Stadt gerade eine Moschee gebaut werde. „Vielen macht das Angst, weil sie nicht wissen, wer da kommt und ob da nicht vielleicht Extremismus verbreitet wird.“
Doch die Reformgemeinde deute den Koran völlig anders als Extremisten, betont Majoka noch einmal. Vieles im Koran sei je nach Kontext oder Allgemeingültigkeit und je nach Deutung einzelner Worte vollkommen unterschiedlich zu verstehen.
In anderen Städten, in denen solche Aktionen bereits stattgefunden haben, seien die Menschen sehr offen gewesen. „Natürlich gibt es überall auch Kritiker“, räumt Majoka ein. „Aber eine große Zahl zeigt sich interessiert, stellt viele Fragen und sieht am Ende Vorurteile als nicht bestätigt an.“ Auch in Augsburg hoffen die Mitglieder der Gemeinde nun auf Akzeptanz und Toleranz.

Kristin Deibl
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