Nach Tbc-Fall in Augsburg: Tuberkulose schon immer "Tagesgeschäft"

Symboldbild: David Libossek

In einem Augsburger Asylheim ist ein Mann an offener Tuberkulose erkrankt. Nichts Besonderes, sagt das Gesundheitsamt, die Krankheit komme in Augsburg regelmäßig vor. Und zwar schon vor dem Flüchtlingsstrom.

Vermehrt riefen vergangene Woche Augsburger im Gesundheitsamt an. Ihre Sorge beruhte auf einem Fall von offener Tuberkulose in einer Flüchtlingsunterkunft im Spickel. Ein 30-jähriger Bewohner war am Donnerstag mit Tbc ins Klinikum gebracht und isoliert worden. Vor allem in der Nachbarschaft löste das freilich schlimmste Befürchtungen aus, nachdem der Fall in den Medien auftauchte.

Dabei sind Fälle von Tbc in Augsburg keine Seltenheit. Das Gesundheitsamt Augsburg-Stadt hat seit Langem eine eigene Abteilung für die Tuberkulose-Fürsorge. Ihr Leiter ist Dr. Thomas Wibmer, der den Fall aus dem Spickel relativiert. „Wir haben ständig Fälle“, sagt er. Im vergangenen Jahr seien sogar deutlich mehr aufgetreten als 2015. Regelmäßig erkranken in Augsburg Menschen an der Krankheit - und zwar auch außerhalb der Mauern von Flüchtlings- und Asylbewerberunterkünften und lange vor dem Flüchtlingsstrom. Umgebungsuntersuchungen, in denen das Umfeld der Betroffenen auf Tbc getestet wird, bezeichnet Wibmer als „Tagesgeschäft“.

Die Quelle lasse sich aber selten feststellen. „Die meisten haben sich in der Kindheit angesteckt“, erklärt Wibmer. Ist später das Immunsystem zum Beispiel durch eine andere Krankheit oder mangelhafte Ernährung geschwächt, kann sich der Erreger durchsetzen – der Patient erkrankt.

Im Fall des erkrankten Asylbewerbers aus dem Spickel sei es laut Wibmer „unwahrscheinlich“ und „fast ausgeschlossen“, dass sich Nachbarn angesteckt haben. Auch weil der Erkrankte laut dem Tuberkulose-Abteilungsleiter zurückgezogen lebte. Die „magische Grenze“ für die Ansteckung eines gesunden Erwachsenen liege bei acht Stunden Kontakt mit dem Kranken.

Somit stehen nun die Freiwilligen aus dem Helferkreis und die Mitbewohner des Mannes im Fokus. Die Untersuchungen werden in acht Wochen abgeschlossen sein, kündigt Wibmer an. So lange braucht in der Regel das Immunsystem, um auf den Erreger zu reagieren. „Erst dann können wir sicher sein“, sagt er.

Der Satz klingt dabei ernster als er gemeint ist. „Der Fall ist nur deshalb so dramatisch“, bilanziert Wibmer, „weil in den Medien so groß darüber berichtet wurde“.

David Libossek
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