Nächstenliebe mit Plan

Zirka 1000 Asylbewerber leben derzeit im Landkreis Augsburg, in dezentralen und in Gemeinschaftsunterkünften, einige sind privat untergebracht. Bis Ende des Jahres sollen neuen Prognosen zufolge nochmals 1000 bis 1600 Menschen dazukommen.

Die Deutschkurse, die Patenschaften, die Freizeit- und Ferienangebote für die Flüchtlingskinder organisieren die freiwilligen Helfer vor Ort. Sie begleiten die Asylbewerber zum Arzt oder in den Supermarkt, zeigen ihnen, wie der Ticketautomat am Bahnhof funktioniert oder helfen bei der Wohnungssuche.

Astrid Zimmermann vom Diakonischen Werk Augsburg (DWA) kümmert sich um die zirka 250 Menschen im Landkreis Augsburg, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. Sie versteht sich als Bindeglied zwischen Diakonie, Caritas und der Ausländerbehörde des Landratsamtes, koordiniert die Helfer-Teams, berät und klärt sie zum Beispiel über versicherungsrechtliche Fragen auf oder besorgt Unterrichtsmaterial für die Deutschkurse.

Seit Oktober 2014 ist Zimmermann die Freiwilligenkoordinatorin in der Asyl- und Flüchtlingsarbeit im Landkreis Augsburg. Der Landkreis finanziert ihre Stelle zu 100 Prozent. Neben der Büroarbeit nimmt sie dreimal pro Woche Termine wahr, besucht überregionale Austauschtreffen, knüpft Kontakte mit Bürgermeistern oder packt bei Deutsch-Einstufungstests mit an.

Wie in Dinkelscherben. Zirka 150 Asylbewerber leben in der Marktgemeinde, davon seit November 2014 100 im Dr.-Wiesenthal-Haus. Mitte März sollten die Flüchtlinge nach Langweid umziehen. Das ist jetzt nicht mehr möglich. "Der Zuweisungsdruck hat dermaßen zugenommen, dass uns nichts anderes übrig blieb, als den Vertrag zu verlängern", erklärt Maximilian Rauscher, Sachgebietsleiter Ausländerwesen beim Landratsamt Augsburg. Allein vergangene Woche habe der Landkreis 35 Flüchtlinge zugewiesen bekommen.

Bis 31. Juli sollen die Asylsuchenden im Schullandheim in Dinkelscherben bleiben. Werner Schmidt aus Dinkelscherben, ehrenamtlicher Helfer und zuständig für die Deutschkurse, fragt sich nun, wie es weiter gehen soll. Denn viele Ehrenamtliche haben sich darauf eingestellt, dass die Flüchtlinge im März ausziehen.

Acht Helfer sind im Dr.-Wiesenthal-Haus tätig, insgesamt 25 Menschen kümmern sich in Dinkelscherben darum, dass sich die Flüchtlinge in der Gemeinde zurechtfinden, organisieren Gelder für Schulbücher, rekrutieren Lehrer, suchen mit ihren Schützlinge nach Jobs - oder nach Informationen. "Ein Mathelehrer aus Syrien fragte, ob er seinen Master auch auf Englisch machen kann", berichtet Schmidt. In diesem Fall musste ein Pate nachfragen.

Dass dieses Freiwilligensystem halten wird, davon ist Zimmermann überzeugt - selbst wenn gegen Ende des Jahres 2600 Flüchtlinge im Landkreis leben werden.

"Überall finden sich Menschen, die sich engagieren möchten", sagt Zimmermann. Nach Helfern zu suchen, sei nicht nötig. "Engagierte sind Multiplikatoren. Sie zeigen, dass man helfen kann."
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