Neue Heimat für den Kupa

Der Kulturpark West soll umziehen: Vielleicht schon 2014 könnten die rund 1500 Künstler, Kunstschaffende und Kreative auf dem Gelände des Gaswerks ein neues Zuhause finden. „Ich will, dass das Projekt noch 2013 in trockenen Tüchern ist“, betont Baureferent Gerd Merkle.


Fünf Jahre, nachdem der Kulturpark West, kurz Kupa, seinen Betrieb aufgenommen hat, haben sich die Kreativen dort „eingelebt“. Erst im Oktober haben sie Peter Bommas und Thomas Lindner von der Kulturpark West GmbH gebeten, das Kreativquartier auf Dauer zu sichern. Denn der Mietvertrag läuft nur bis 2017, und günstige Ateliers und Übungsräume sind in Augsburg rar.

Doch dann ging alles rasend schnell: Bommas und Lindner nahmen Kontakt mit der Stadt auf und rannten offene Türen ein – Baurefererent Merkle präsentierte ihnen Pläne für die kulturelle Nutzung des Geländes am Gaskessel in Oberhausen. Trotz jahrelanger Suche hatten die Stadtwerke keine Interessenten gefunden; nun wollen sie eine Stiftung gründen und als solche den Grund und das unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble an die Kulturpark West GmbH vermieten – unbefristet.

Natürlich steht einiges an Arbeit an: Zwei Bauten müssen abgerissen werden, als Ersatz schwebt Merkle ein Containerdorf vor, in dem rund 8000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen. „Das schaut witzig aus“, schwärmt er, die Schiffscontainer gebe es auch gebraucht zu kaufen, sie sind stapel- und frei gestaltbar und würden gut mit dem denkmalgeschützten Industriedenkmal zusammenpassen. Im Ofenhaus mit seinen meterhohen Räumen will Merkle ein „House in House“-System errichten: Mit Stahlträgern könne man Ateliers und Übungsräume schaffen, ohne in die Bausubstanz einzugreifen.

Vermietet wird nur der Teil des Geländes, der zurzeit ungenutzt ist. Architekt Thomas Glogger entwirft nun erste Pläne, außerdem braucht Merkle ein solides Finanzierungskonzept. Sollte der Kulturpark West schon vor 2017 umziehen, könnte die Stadt, die die ehemalige Reese-Kaserne für rund neun Millionen Euro verkaufen will, dem Kupa die Zinsen aus dem Erlös als Startkapital mitgeben. Offen ist allerdings, was mit der Kantine geschehen soll – auch dieser Vertrag läuft bis 2017. Noch fehlt auch die Zustimmung des Stadtrats. Doch für Merkle wäre das Gaswerk die optimale Lösung, denn „dann müsste der Kulturpark nicht wie ein Landstreicher ständig umziehen“.

Auch Peter Bommas und Thomas Lindner stehen hinter der Idee. In einem ersten Schritt haben sie bereits einen Plan entwickelt, wie die Gebäude genutzt werden könnten. „Wenn wir den Kulturpark auf diesem Weg als Ganzes erhalten können, sind wir dafür“, bekräftigt Bommas.

Veranstaltungsräume sollen entstehen, in denen die Bands Konzerte geben und die bildenden Künstler ausstellen können, ein Café, und vielleicht könnten auch einige der Künstler von der Warteliste endlich ein Atelier oder einen Übungsraum finden. Denn das Gute an der Sache: Der Kupa kann nicht nur erhalten werden, sondern wegen der Containerlösung sogar weiter wachsen.

Jetzt gehe es darum, so Bommas, ein tragfähiges und finanzierbares Konzept zu entwickeln und einen Zeitplan zu erstellen, der auch umsetzbar ist. Denn er bezweifelt, dass die Künstler schon 2014 umziehen können.

Und wollen: Der Kupa ist vielen ans Herz gewachsen – schon allein wegen der Lage: „Für mich befindet sich das Gaswerk gefühlt kurz vor München. Mal eben schnell mit dem Rad ins Atelier geht dann nicht mehr“, gibt die Malerin Kerstin Skringer zu bedenken. Ähnlich sieht das die Fotografin Frauke Wichmann: „Ich glaube, das Ganze würde viel teurer werden und es müssten einige Dinge passieren, dass man dort gut arbeiten kann, siehe Verkehrsanbindung, Parkplätze, Möglichkeiten zum Einkaufen und Gastronomie.“ Auch Susanne Salzmann, freiberufliche Grafikdesignerin, tut sich schwer mit den Umzugsplänen: „Ich bin von Anfang an dabei und habe hier mein Herzblut gefunden. Ich bleibe, weil es hier gut ist. Hier muss man mich nach 2017 hinaustragen.“
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