Neues Carsharing-Modell für Augsburgs Rollstuhlfahrer

Viktoria Huhn freut sich über das neue Carsharing Angebot in Augsburg. Ermöglicht haben das Projekt (v.l.n.r.) Matthias Reinsch (Bei Anruf Auto e.V.), Gregor Beck (Vorstand FFH), Arndt Hansen (Geschäftsführer Kartei der Not), Jürgen Müller (Königsbrunner Autoteiler), Ruppert Möhler (Stadtsparkasse Augsburg).
Menschen mit Behinderung steht ab sofort ein kostengünstiges und flexibles Carsharing-Angebot zur Verfügung. Über den Verein „Bei Anruf Auto e.V.“ kann ein VW Caddy samt ehrenamtlichem Fahrer gebucht werden. Das Fahrzeug ist für den Transport von Rollstuhlfahrern ausgestattet und an der St. Thomas-Kirche im Augsburger Stadtteil Kriegshaber stationiert.

Bis zu acht Mal günstiger fährt Viktoria Huhn zukünftig mit diesem Angebot. Die 22-jährige Rollstuhlfahrerin, die demnächst in eine eigene Wohnung zieht, ist auf Unterstützung angewiesen und benötigt persönliche Assistenz bei der Bewältigung ihres Alltags. Sie freut sich, dass sie nun wesentlich öfter und flexibler unterwegs sein kann.

Mehr Fahrten für Mobilitätspauschale

Menschen mit Behinderung erhalten eine monatliche Mobilitätspauschale, die allerdings nur für wenige Fahrten mit den speziell für Rollstuhlfahrer ausgelegten Fahrdiensten reicht. Das neue Carsharing-Angebot kostet Viktoria Huhn 1,40 € pro Stunde und 0,23 € pro Kilometer. Hinzu kommt der monatliche Mitgliedsbeitrag in Höhe von 8 €. Als Fahrer können Familienmitglieder, persönliche Assistenten oder vom Verein vermittelte Ehrenamtliche einspringen. „Dieses Angebot bedeutet für mich ein ganz großes Stück Lebensqualität“, so Viktoria Huhn.

Vorbild für mehr Mobilität

Das Fahrzeug gehört der gemeinnützigen PAsst! GmbH, die es dem Carsharing-Verein zur Nutzung überlässt. PAsst! ist ein Tochterunternehmen des Fritz-Felsenstein-Hauses (FFH), das Dienstleistungen im Bereich persönliche Assistenz und Pflege für Menschen mit Behinderung anbietet. Das FFH hat bereits vor zwei Jahren ein ähnliches, von der Aktion Mensch unterstütztes Modell ins Leben gerufen. Bei den „Königsbrunner Autoteilern“, einem lokalen Carsharing-Verein, kann ein für Rollstuhlfahrer geeignetes Auto gebucht werden. Mittlerweile wurde das Fahrzeug 40.000 km gefahren. Das Modell rechnet sich auch deshalb, weil das Fahrzeug mit wenigen Handgriffen zu einem normalen Fünfsitzer umgebaut werden kann.

Der Standort in Königsbrunn hatte sich bewährt, da dort wegen des nahe gelegenen Fritz-Felsenstein-Hauses viele Menschen mit Behinderung wohnen. Nun profitieren auch die Augsburger Rollstuhlfahrer von diesem Erfolg. Beide Carsharing-Vereine, zu deren Fahrzeugpool rund 25 weitere Fahrzeuge gehören, unterhalten eine enge Kooperation und sind zudem an das Carsharing-Angebot der Deutschen Bahn angeschlossen.

„Die extrem gute Vernetzung unseres neuen Mobilitätsangebots, das vor der Haustüre zur Verfügung steht und mit einem Bahnticket sogar Carsharing-Modelle in anderen Städten greifbar macht, ist bisher einmalig in Deutschland und wird Schule machen“, davon ist Gregor Beck überzeugt.

Gemeinsam für mehr Inklusion

Finanziert wurde das Fahrzeug im Wert von rund 30.000 € zu 70 Prozent von der Aktion Mensch, mit je 3.000 € haben sich die Kartei der Not, die Stadtsparkasse Augsburg sowie das Kompetenzzentrum für Menschen mit Behinderung beteiligt. Das Carsharing-Modell ist zudem das Ergebnis besonders engagierter Menschen wie Matthias Reinsch. Als Vorsitzender des „Bei Anruf Auto e.V.“ war er maßgeblich am Gelingen des Projekts beteiligt. Gleichzeitig leisteten die finanzierenden Organisationen die Basis für das neue Mobilitätsangebot. „Wenn alle mithelfen, gelingen tolle Service-Angebote für Menschen mit Behinderung“, so Gregor Beck.
Tel. Bei Anruf Auto e.V. 0821/4506898
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