Neues Gefängnis im Zeitplan

Der Bau der neuen Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen schreitet zügig voran. Er liegt derzeit auch im vorgegebenen Kostenrahmen von 101 Millionen Euro.

Allein die Mauer lässt die Dimensionen des Neubaus erahnen. Vertreter von Justiz, Politik und Staatlichem Bauamt Augsburg, die die Medien zu einer Baustellenbesichtigung eingeladen hatten, warteten dann auch mit eindrucksvollen Zahlen auf. Der umbaute Raum sei größer als der von über 200 Einfamilienhäusern, die Fläche so groß wie zehn Fußballfelder, heißt es.

Beim Besichtigungstag sind rund 50 Baufirmen mit über 120 Arbeitern und Handwerkern im Einsatz. 35 000 Kubikmeter Beton und 5 500 Tonnen Stahl werden bis zur Fertigstellung verarbeitet sein.

Die Baustelle wird rund um die Uhr von Justizbeamten bewacht. Der Zugang ist streng kontrolliert. Ein Handscanner erfasst jede zugangsberechtigte Person. Doch eins überrascht: Nirgends sind Wachtürme zu sehen. Werden die noch gebaut? „Nein“, meint die Leiterin der JVA Augsburg, Zoralda Maldonado de Landauer. „Darauf kann aufgrund der Geometrie des Mauerverlaufs und der modernen Sicherheitstechnik verzichtet werden.“

Trotz des letzten langen und strengen Winters befinden sich die Bauarbeiten für das Gefängnis im Einklang mit den Vorgaben. „Wir sind voll im Zeitplan“, freut sich Projektleiter Markus Wilmer, der für die Hochbauarbeiten zuständig ist.

„Bis jetzt sind circa 85 Prozent der Rohbauten erstellt worden“, verdeutlicht Ministerialrat Peter Holzner vom bayerischen Justizministerium. Rund 90 Prozent aller Aufträge seien vergeben worden. Auch Häftlinge aus anderen Justizvollzugsanstalten im Freistaat bauen unter Aufsicht und Anweisung am Bau mit. „Sie liefern die Fenster, die Gitter und auch die Möbel wie Spinde, Schreibtisch und Pinwände“, informiert die JVA-Chefin.

Das Thema Finanzen greift Landtagsabgeordneter Georg Winter auf. Das Großprojekt liege derzeit im vorgegebenen Kostenrahmen von 101 Millionen Euro, betont er.

Grundsteinlegung war im November 2011. Jetzt sind die Bauten bereits deutlich identifizierbar. Dort die Umwehrungsmauer und der Erschließungs- und Eingangssektor, hier die Funktionsbereiche, die ypsilonförmig angeordneten Zellentrakte und die rund 250 Meter lange Magistrale.

Der Neubau ist für 609 Häftlinge ausgerichtet. Rund 85 Prozent von ihnen würden Einzelzellen belegen, so Ministerialrat Peter Wilmer. Ein derartiges Domizil ist neun Quadratmeter groß und von anderen Zellenfens tern nicht einsehbar. Gemeinschaftszellen gebe es für Insassen, die keine Einzelhaft wollen oder suizidgefährdet sind, ergänzt JVA-Leiterin Maldonado de Landauer. Und: Ein Sanatoriumsaufenthalt sei es dennoch nicht.

Ulrich Blickle, Leiter des Staatlichen Bauamts Augsburg, spricht die Fertigstellung an. Sie sei für Mitte 2015, die Inbetriebnahme für Herbst 2015 geplant.

Dazwischen ist ein Probebetrieb vorgesehen. „Da schauen wir, dass alles rund läuft und die alltäglichen Abläufe reibungslos funktionieren“, erklärt Peter Holzner. Dieser Probelauf findet dann bereits mit Häftlingen statt. Allerdings mit einem Personenkreis, der nur noch kurze Zeit inhaftiert sei, ergänzt die JVA-Leiterin.

Aus einer anderen Sicht betrachtet Gablingens Bürgermeister Karl Hörmann das Großprojekt. Er sieht das Gefängnis als Sogwirkung für das angrenzende Gewerbegebiet seiner Gemeinde. Wenn alles gut läuft, könnte sich die neue JVA dann sogar als Juwel für die Gemeindekasse entpuppen.
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