Neues Museum: Krieg und Frieden unter einem Dach

Auf dem Gelände der Sheridan-Kaserne soll in einem ehemaligen KZ-Außenlager ein Museum entstehen. Der Stadtrat gab nun grünes Licht für die neue Nutzung der Halle 116. Doch erst muss ein Konzept entwickelt werden – und das dauert.


Die Halle 116 auf dem Gelände der ehemaligen Sheridan-Kaserne steht als stummer Zeuge für eines der dunkelsten Kapitel in der Augsburger Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Gebäude als KZ-Außenlager für Zwangsarbeiter. Erst die Befreiung Augsburgs durch amerikanische Truppen gab der Halle 116 eine neue Bestimmung: Sie wurde Werkstatt und Garage in der Sheridan-Kaserne bis zum Abzug der Amerikaner.
Aufbauend auf diesen Ereignissen soll in der Halle 116 künftig dieses Stück Augsburger und deutscher Geschichte nacherzählt werden – ein deutschlandweit einmaliger Ansatz, wie Nicole Christ vom städtischen Baureferat versichert.
Einen ersten Grundsatzbeschluss zur Zukunft der Halle 116 gab es schon im Juli 2009. Damals noch schwebte eine dreigeteilte Nutzung vor: als Kulturpark, Jugendfreizeithalle und „Denk-ort“. Die Verwaltung erhielt damals den Auftrag, ein Nutzungskonzept zu entwickeln, und den Flächenbedarf für die einzelnen Teilbereiche zu ermitteln.
In der Folge wurde viel diskutiert, ob nun der Fokus auf dem Schicksal der Zwangsarbeiter liegen sollte oder doch eher auf der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Als Glücksfall erwies sich das Engagement des Professors Phillip Grassert, Lehrstuhlinhaber für die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums an der Universität Augsburg. Seit dem Sommersemester 2010 behandelte Professor Grassert das Thema in Seminaren, Übungen und Workshops. Parallel dazu fanden Gespräche mit den in diesem Zusammenhang wichtigsten Institutionen statt, so wurde die KZ-Gedenkstätte Dachau ebenso kontaktiert wie das Generalkonsulat der USA in München. Zusätzlich lieferten Zeitzeugeninterviews eine Fülle an Material für ein späteres Museum.
Gassert hatte also eine gute Basis zu einem ersten Grundkonzept für die Gestaltung einer Augsburger Erinnerungsstätte in der Halle 116. Die Quintessenz: Es soll kein reines Militärmuseum und keine reine Gedenkstätte werden.
„Es soll vielmehr die Befreiung von Krieg und Gewaltherrschaft in den Mittelpunkt gestellt werden, erzählt anhand der ehemaligen Nutzungen des Gebäudes 116“, heißt es in der zugehörigen Beschlussvorlage des Stadtrats. Grundidee sei, die Halle 116 als „Lernort Frieden“ zu entwickeln und zum „Erinnerungsort zu Krieg und Frieden, der Befreiung von der NS-Gewaltherrschaft und zur US-Präsenz in Deutschland“ zu machen.
Der weitere Zeitplan sieht vor, dass noch im Juli der Auftrag an die Uni Augsburg ergehen soll, ein Konzept zu erarbeiten und vor allem auch ein Trägermodell vorzuschlagen – die Finanzierung ist bislang vollkommen ungeklärt.
Für das Frühjahr 2013 ist ein Ideenworkshop und Wettbewerb zur musealen und innenarchitektonischen Gestaltung des Gebäudes 116 geplant. Im Juli 2013 soll dann ein erster Entwurf vorliegen.
Viel mehr Zeit dürfen sich die Planer und Denker allerdings nicht mehr lassen. Wie Baureferatsmitarbeiterin Christ berichtet, arbeite auch Berlin an einer Gedenkstätte zum gleichen Thema.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.