„Nicht nochmal auf einer Eisscholle schlafen“: Augsburger Student zieht mit dem Kajak durch Alaska

Der Augsburger Student Janosch Hagen bereiste gemeinsam mit seinem Schulfreund Jan-Friedrich Krüger auf einer 4500 km langen Expedition die westkanadische Arktis und Alaska auf eigene Faust. (Foto: Janosch Hagen)

Auf seiner 4500 Kilometer langen Expedition begegnen dem Augsburger Janosch Hagen nur wenige Menschen – dafür aber riesige Grizzlys, Schwarzbären und Wölfe. Mit einem Schulfreund reist der BWL-Student im Kajak durch die westkanadische Arktis und Alaska. Im Interview erzählt der 26-Jährige von seinen Abenteuern.

StadtZeitung: Was haben Sie während Ihrer Reisen am meisten vermisst?

Janosch Hagen: Bevor ich die Reise antrat erwartete ich, ein warmes Bett und die Dusche zu vermissen. Aber wie sich herausstellte, habe ich eigentlich nichts vermisst. In der Wildnis fühlte ich mich pudelwohl. Mein Begleiter Jan-Friedrich Krüger hat einmal gesagt, ich hätte einen prima Höhlenmenschen abgegeben. Ich weiß nicht, ob er das als Kompliment meinte, aber ich hab’ das mal so aufgefasst. Jan hat allerdings das Musikhören sehr vermisst.

StaZ: Was haben Sie über sich selbst und über Ihren Schulfreund Jan-Friedrich Krüger während Ihrer Reise gelernt?

Hagen: Dass wir beide ein „perfektes Team“ sind, obwohl ich anfangs Bedenken hatte. Mit ihm würde ich sofort wieder in die Wildnis gehen. Und über mich selbst und das Leben, wie wenig es bedarf, um glücklich zu sein.

StaZ: Was bedeutet Glück für Sie?

Hagen: Auf der Reise gab es genau drei Glücklichkeitsfaktoren: Trocken, warm und satt. Erst dann hab ich mich zum Beispiel um Bildaufnahmen kümmern können. Natürlich war dies auf diese Extremsituation beschränkt. Aber es ist dennoch interessant zu sehen, dass wir den ganzen Luxus und Konsum nicht unbedingt für unser Glück brauchen.

StaZ: Welche Gründe hätte es geben können, aufzugeben und nach Hause zu fahren?

Hagen: Von Anfang an war klar, das Ziel zu erreichen. Nur Krankheit, Verletzung oder Tod in der Familie wären ein Grund gewesen, umzukehren. Es gibt wenig, was uns aufhalten kann.

StaZ: Was war Ihre größte Angst?

Hagen: Mich mit JFK (so nennt er seinen Freund und Mitreisenden Jan-Friedrich Krüger, Anm. der Redaktion) zu überwerfen.

StaZ: Was würden Sie ändern, wenn Sie dieselbe Reise nochmal antreten würden?

Hagen: Ich würde alles genauso machen, nur vielleicht nicht nochmal auf einer Eisscholle schlafen. Und vielleicht keinen Wasserfilter mehr kaufen, der war eh nach zwei Tagen verstopft. Das Wasser haben wir dann nur noch abgekocht. Zwar sah es dann aus wie Kakao, aber man gewöhnt sich dran.

StaZ: Was sind Ihre drei besten Survival-Tipps gegen Kälte?

Hagen: Kuscheln, warmer Tee, gute Schlafsäcke.

StaZ: Glauben Sie, dass auch eine Frau diese Reisen unternehmen könnte?

Hagen: Ja! Absolut! Ich kenne einige Frauen, die so was machen.

StaZ: Welche Orte würden Sie nicht besuchen?

Hagen: Ich bin überhaupt kein Städte-Reiser und hasse Sight Seeing regelrecht – Ich bin schon so ein Sonderling (lacht).

StaZ: Am Freitag halten Sie einen Vortrag im Barbarasaal. Was kann man dort erwarten?

Hagen: Fantastische Bilder von Regionen, die die meisten Menschen ja gar nicht zu Gesicht bekommen. Viele Geschichten von hautnahen Begegnungen mit Grizzlys, Schwarzbären, Wölfen. Wie es ist, auf einer schmelzenden Eisscholle zu schlafen und welche Unwägbarkeiten das Leben in der Wildnis bereithält. Aber auch, wie wenig es bedarf, um glücklich zu sein.


Den Vortrag Conquest of the North hält Janosch Hagen am Freitag, 3. Februar, um 20 Uhr im Barbarasaal. Tickets gibt es unter www.janosch-hagen.de.
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