Noch immer kann Grippe töten

Eine Erkältung ist keine Grippe. Im Landkreis Augsburg ist die Infektionsrate angestiegen, in der Stadt Augsburg ist die Tendenz eher gegenläufig. Ärzte raten den Risikogruppen zur Impfung.

Augsburg-Land.

Die Kernzeit der Grippe-Saison hat bereits begonnen. Für den Landkreis Augsburg wurden laut Statistik des Robert-Koch-Instituts insgesamt 91 Influenza-Erkrankungen für das vergangene Kalenderjahr 2013 gemeldet. "Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Fälle um mehr als 60 Prozent gestiegen", so Stephan Rauch, Regionalgeschäftsführer der IKK classic in Augsburg. Im Kalenderjahr 2012 hatte es nur 56 Fälle gegeben.
Für den Bereich der Stadt Augsburg gibt Dr. Ulrich Storr jedoch eine andere Tendenz an: Er konnte keine Erhöhung der Infektionsrate feststellen. Laut seiner Statistik erkranken zur Zeit eher weniger Menschen an Influenza als in den Vorjahren. Die Statistik ist leicht zu führen, da Influenza-Erkrankungen meldepflichtig sind.

„Die meisten Ansteckungen waren im Februar und März vergangenen Jahres zu beobachten. In diesem Zeitraum wurden 66 Neuerkrankungen registriert“, so Rauch weiter. Wenn die nächste Grippewelle kommt, gilt es, eine weitere Ausbreitung der Infektion zu vermeiden. Daher raten Ärzte zur Impfung. Die ersten Grippeviren können bereits im Oktober auftauchen. Die Kernzeit der Grippewelle beschränkt sich meist auf die Wochen zwischen Mitte Januar und Ende April mit dem Höhepunkt in der 8. bis 12. Kalenderwoche.

Viele Menschen klagen in den Wintermonaten über Halsschmerzen, eine verstopfte Nase oder Husten. Das ist zwar durchaus unangenehm, allerdings haben die meisten nur eine einfache Erkältung. Die Symptome vergehen meist schnell wieder, ohne Spuren zu hinterlassen. Eine „echte Grippe“, Influenza genannt, kommt dagegen oft plötzlich und erfasst nicht nur die Atemwege, sondern häufig den gesamten Körper und verursacht dabei Muskel- und Gliederschmerzen. Dabei steigt häufig das Fieber sehr schnell an, außerdem leiden Patienten noch Wochen nach einer Infektion an Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Dass die Influenza auch heute noch eine gefährliche und oft unterschätzte Krankheit darstellt, zeigt die Anzahl der Todesfälle. Sie wird auf 5000 bis 10 000 Personen pro Grippesaison in Deutschland geschätzt, andere Angaben führen 1400 bis 1500 Todesfälle an.

Influenza-Viren sind extrem ansteckend. Die Viren werden ganz leicht von Mensch zu Mensch per Tröpfcheninfektion übertragen, zum Beispiel beim Sprechen, Husten oder Niesen – sich den Viren nicht aussetzen, um eine Ansteckung zu verhindern, ist somit kaum möglich. „Der beste Schutz gegen eine Infektion ist die Impfung“, weiß Rauch. Zwar ist der richtige Zeitpunkt einer Impfung bereits in den Herbstmonaten, allerdings kann auch eine spätere Impfung sinnvoll sein, insbesondere dann, wenn die Grippewelle noch nicht eingesetzt oder gerade erst begonnen hat. „Vor allem Risikogruppen, wie Menschen im Alter von über 60 Jahren, Kinder und Jugendliche, Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung wie Diabetes, andere Stoffwechselerkrankungen und Herz-Kreislauferkrankungen sowie medizinisches Personal sollten sich von ihrem Arzt dazu beraten lassen“, meint Rauch.

Laut Storr scheint es sich diese Grippesaison überwiegend um einen bekannten Grippevirus-Typ zu handeln, für den bereits ein Impfstoff vorrätig ist.

In Deutschland lassen sich laut dem Versorgungsatlas des Instituts der kassenärztlichen Versorgung zu wenig ältere Menschen gegen Grippe impfen. Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Durchimpfungsrate von 75 Prozent bei den besonders gefährdeten Senioren werde hierzulande weit unterschritten: Sie betrage nur 44 Prozent.

Etwas beruhigend, wenn auch nicht entwarnend, ist, dass Storr in seinen Unterlagen in den vergangenen Jahren keine Influenza-Todesfälle für die Stadt Augsburg verzeichnet hat. Was auch daran liegen kann, dass „Influenza“ in mehrere der ärztlichen Kategorien für Todesursachen fallen kann und somit – obwohl meldepflichtig – gar nicht explizit auftaucht. Für den Landkreis Augsburg findet der Pressesprecher der IKK classic, Peter Neumaier, den letzten Grippe-Toten im Jahre 2004.

Ob der Anstieg der Grippefälle im Landkreis und die eher sinkende Anzahl in der Stadt auf unterschiedliches Impfverhalten zurückzuführen ist oder auf eine Rossnatur der Augsburger Städter, müssten weitere Untersuchungen zeigen. Doch trotzdem rät Storr zur Impfung.
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