Not-Unterbringung in der Schillstraße

In diesem ehemaligen Gebäude der Pädagogischen Hochschule in der Schillstraße richten die Stadt Augsburg und der Landkreis Aichach-Friedberg gemeinsam eine Not-Erstaufnahmeeinrichtung ein.
 
Im Inneren des Hauses werden die Flüchtlinge in Stockbetten untergebracht.

Die Stadt Augsburg und der Landkreis Aichach-Friedberg richten in einem altem Hochschulgebäude gemeinsam eine Not-Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ein.

Lechhausen oder Firnhaberau – wo die neue Not-Erstaufnahmeeinrichtung in Augsburg genau liegt, darüber herrschte bei einem Pressetermin, zu dem die Stadt Augsburg und der Landkreis Aichach-Friedberg eingeladen hatten, keine Einigkeit. Einig sind sich die Stadt und der Landkreis aber, dass der Standort in der Schillstraße 100 – auf der Grenze zwischen den beiden Stadtteilen – für eine solche Einrichtung ideal ist. Denn das Gebäude wird bis Ende April anderweitig nicht genutzt.

„Es wäre ein Vergehen, Objekte leerstehen zu lassen“, sagte Stefan Kiefer (SPD), Bürgermeister und Sozialreferent der Stadt Augsburg, im Hinblick auf die nicht abnehmende Anzahl an Flüchtlingen. 1600 Menschen sind im Wittelsbacher Land derzeit untergebracht, 125 davon in der Gemeinschaftsunterkunft in Unterwittelsbach, der Rest in mehr als 100 dezentralen Einrichtungen. In der Fuggerstadt gibt es rund 3300 Plätze für Asylbewerber, davon 900 in Gemeinschaftsunterkünften.

In der jüngsten Vergangenheit waren in der Stadt und im Landkreis immer wieder Turnhallen zur Unterbringung von Asylbewerbern genutzt worden. In Friedberg musste schon viermal die Halle des Gymnasiums herhalten, in Augsburg dreimal die Turnhalle der Reischleschen Wirtschaftsschule. Künftig wolle man das aber vermeiden, sind sich Kiefer und Klaus Metzger (CSU), Landrat des Landkreises Aichach-Friedberg, einig, denn die Hallen sollten den Schülern nicht vorenthalten werden.

Deshalb ist nun geplant, dass Augsburg und der angrenzende Landkreis das ehemalige Gebäude der Pädagogischen Hochschule, das dem Freistaat Bayern gehört, künftig im Notfall abwechselnd für acht Tage mit bis zu 250 Leuten belegen können. Das grenzüberschreitende Projekt ist bislang schwabenweit einzigartig. Durch die gemeinsame Nutzung sollen sich Aufwand und Kosten verringern, denn es muss nur ein Gebäude hergerichtet werden. Schon im Januar soll auch in Derching eine Erstaufnahmeeinrichtung entstehen. „Doch wollen wir auch für den Fall gewappnet sein, dass diese einmal nicht ausreichen sollte“, informierte Metzger.

Das Gebäude in der Schillstraße könnte bereits im Dezember erstmals belegt werden. Zur Zeit wird die Einrichtung möbliert. Die Flüchtlinge werden in Schlafräumen mit Stockbetten untergebracht. Wartebereiche und Bereiche für die Gesundheits-Screenings wurden geschaffen. Im Außenbereich wurden Container mit Sanitäranlagen aufgestellt. Teile des Gebäudes stehen unter Denkmalschutz. Deshalb wurden wertvolle Bereiche abgedeckt.

Die Stadt und der Landkreis klären derzeit noch letzte organisatorische Angelegenheiten. So kümmert sich beispielsweise der Landkreis Aichach-Friedberg um das Catering, während die Stadt Augsburg für die Suche nach geeignetem Sicherheitspersonal verantwortlich ist.

Denn die Unterkunft soll ein geschlossener Bereich werden. Obwohl Kiefer betonte, man freue sich immer über Helfer, stellte er dennoch klar, dass diese eher in der weiteren Integration gefragt seien, wenn die Asylbewerber in regulären Unterkünften untergebracht sind. In der Erstaufnahmeeinrichtung sollen die Flüchtlinge vor allem erstmal zur Ruhe kommen können. Eine eigene Informationsveranstaltung für die Anwohner planen Stadt und Landkreis nicht. Die Nachbarn würden durch die Medien über die Einrichtung in Kenntnis gesetzt.

Kiefer hofft, dass für die Unterbringung nicht erst Geld ausgegeben werden müsse, „das man dem Freistaat am Ende sowieso wieder in Rechnung stellt“. Kosten für eigenes Personal, das Stadt und Landkreis für die allgemeine Organisation der Unterbringung von Flüchtlingen aufgestockt haben, müssen jedoch aus eigener Tasche bezahlt werden. Auch wenn Metzger bewusst sei, dass die Kostenerstattung in Bayern sehr gut sei, könne das doch auf Dauer nicht so bleiben.

Die Einrichtung in der Schillstraße steht dem Landkreis und der Stadt bis Ende April zur Verfügung, dann soll das Gebäude für 30 Millionen Euro umgebaut werden, damit das Bayernkolleg dort einziehen kann.

Kristin Deibl
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