Offener Brief an Amazon

Erwin Helmer, Diözesanpräses der Katholische Arbeitnehmer-Bewegung und Leiter der Betriebsseelsorge, wendet sich mit einem Offenen Brief an Amazon-Konzernchef Jeff Bezos und Deutschlandchef Ralf Kleber. Foto: Sarah Trüdinger

Erwin Helmer ist wütend auf Amazon. Der Diözesanpräses der Katholische Arbeitnehmer-Bewegung und Leiter der Betriebsseelsorge wendet sich daher nun mit einem Offenen Brief an Konzernchef Jeff Bezos und Deutschlandchef Ralf Kleber.

Der Grund für den Brief: Der Weltkonzern ignoriere weiter Tarifverträge und akzeptiere keine Verhandlungen mit der zuständigen Gewerkschaft.

Das Bild, das Amazon von unternehmerischer Freiheit verkörpere, werfe einigen Schatten auf das ganze Unternehmen, schreibt er. Davon habe er sich in den vergangenen Jahren aus erster Hand überzeugen können, "unter anderem durch Kontakte zu Beschäftigten und mit Solidaritätsgruppen in Augsburg, Koblenz, Bad Hersfeld, Pforzheim und anderswo. In Koblenz und in Augsburg konnte ich auf Einladung des Betriebsrats auch an Betriebsversammlungen teilnehmen und zu den Beschäftigten sprechen."

Was am meisten auffalle sei die Tatsache, dass Amazon offensichtlich um jeden Preis Tarifverhandlungen umgehen, tarifliche Regelungen vermeiden und die zuständige Gewerkschaft ignorieren wolle. "Ich frage Sie warum?", schreibt Helmer. "Warum akzeptiert ein Weltkonzern, der hier gute Geschäfte macht, keine Tarifverträge, die nach deutschem Recht Friedens- und Ordnungsverträge sind? Warum will Amazon hier offensichtlich seine Beschäftigten zum kollektiven Betteln verdammen? Warum nutzt Amazon hier alle steuerlichen und öffentlich finanzierten Vorteile und steht nicht zu unseren sozialen Standards wie Mitbestimmung, Tarife, Fürsorgepflicht des Arbeitgebers und Soziale Marktwirtschaft?"

An Bezos direkt schreibt er: "Sie haben immer wieder neue Ideen und Innovationen, die Sie geschickt und kreativ in die Öffentlichkeit bringen. Ich fände es als die beste Idee, die Würde, die Freiheit und Mitsprache Ihrer Beschäftigten innovativ zu ermöglichen und kreativ voran zu bringen." Ansonsten drohten Amazon weiterhin ein extrem hoher Krankenstand, umstrittene Arbeitsbedingungen, unzufriedene Mitarbeiter und hohe soziale Kosten.
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