Offiziell: Theatersanierung soll bis zu 235 Millionen Euro kosten

Ein erstes Modell, ein erster Blick in die Zukunft: Der offensichtlichste Teil der Theatersanierung ist ein voraussichtlich dreieckiger Neubau, von der Fuggerstraße aus betrachtet links des Großen Hauses. Hier sollen etwa Orchester und Chor genug Platz zum Proben haben. Hinter dem Theater erstrecken sich dann die neuen Werkstätten, die Verwaltung, das "Neue Haus" sowie eine Kantine und Restaurant. Foto: David Libossek
 
Hier sieht man hinter dem Großen Haus deutlich den Werkstättenbereich, an den auch das "Neue Haus" angeschlossen sein wird. Auch gut im Bild: der Orchesterprobenraum. Foto: David Libossek

Über die Kosten für die Theatersanierung wurde in der vergangenen Woche viel spekuliert. Heute verkündete die Stadt Augsburg offizielle Zahlen. Die Sanierung wird mehr als doppelt so teuer wie zuerst gedacht.

Viel war spekuliert worden um die Kosten der geplanten Sanierung des Augsburger Theaters. Nun ist es offiziell: Bis zu 235 Millionen Euro werden wohl fällig, um das Große Haus und die Werkstätten zu erneuern. Das ist mehr als doppelt so viel Geld, wie ursprünglich geplant. Die Frage lautet nun: Wer bezahlt das alles? Immerhin: Die Interimsspielstätte steht fest.

Das Mikrofon wollte nicht so recht. Egal, wie Baureferent Gerd Merkle es auch drehte und wendete, es pfiff schrill durch den kleinen Sitzungssaal im Augsburger Rathaus. Eine große Pressemeute hatte sich dort versammelt, um Bestätigung zu erhalten für das, was in der vorigen Woche bereits alle erwartet hatten. Die Kosten für die Sanierung des Theaters explodieren förmlich.

Mittlerweile mit dem Mikrofon von Sitznachbar, Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel, ausgestattet, war da nichts mehr was Merkle hätte drehen und wenden können. Weder an der Lautsprecheranlage, noch an den Zahlen, die er nun verkündete. „Im Worst-Case-Szenario gehen wir von Gesamtkosten in Höhe von 235 Millionen Euro aus“, rechnete er pragmatisch vor.

Rund 120 Millionen Euro davon kostet das Große Haus. Alleine 21 Millionen hiervon fließen in die Planung. Der Bühnenturm verschlingt 36 Millionen Euro. Der Aufbau von 1956 sei zu 70 Prozent überlastet. Geplant ist, ihn mit einem riesigen Tisch auf Fachwerkträgern zu verstärken. Darüber soll dann die Bühnenbild-Technik an einem eigenen Trägersystem installiert werden. Ein Viertel der Kostenplanung für das Große Haus seien, so führte Merkle aus, für Unvorhergesehenes. „Wir werden an vielen Stellen überrascht“, erklärte der Baureferent. „Deshalb ist das realistisch und nicht übertrieben.“

Weitere 80 bis 105 Millionen Euro – ein Kostenüberschlag anhand der Skizzen, so Merkle – werden die Werkstätten, Proberäume und die Verwaltung in Anspruch nehmen. Sie werden räumlich anders aufgeteilt. Das alte Gebäude wird daher abgebrochen und komplett neu errichtet. Im alten Trakt waren Brandschutzauflagen nur noch mit Sondergenehmigungen zu erfüllen, die Arbeitssicherheit und auch die technischen Abläufe in den veralteteten und engen Werkstätten allenfalls grenzwertig. Zudem solle ein theaterpädagogischer Teil ermöglicht werden. Ausgelagert wird der Orchester- und Chorproberaum. Der soll künftig in einem wohl dreieckigen Neubau unterkommen, der zwischen Volkhartstraße und Großem Haus entstehen soll. Das Gebäude wird der wohl offensichtlichste Part des Umbaus.

Allerdings: „Die Brechtbühne wird geopfert“, sagte Kulturreferent Weitzel. Bis mindestens 2018 solle sie aber noch bespielt werden. Weitzel kündigte ein „Neues Haus“ als zweite Spielstätte an. Multifunktional soll es sein, ein Saal mit 300 bis 400 Plätzen, der „die Stadt entlastet“. Hier sollen nämlich künftig auch kleine Konzerte oder Poetry Slams über die Bühne gehen. Eines betonten sowohl Merkle als auch Weitzel. „Das ist keine Luxuslösung.“

Die käme auch gar nicht in Frage. Denn die Finanzierung ist für die Stadt ohnehin kaum zu stemmen. „Es herrscht ein gehöriges Maß an Hilflosigkeit“, sagte Merkle. Wer zahlt das, lautet die alles umschließende Frage. Von einem finanziellen Umfang von rund 100 Millionen Euro war man bisher ausgegangen – schon mit diesem Betrag „sind wir am Limit“, sagte OB Kurt Gribl in einem Gespräch mit unserer Zeitung am Montag vergangener Woche.
In den kommenden Wochen steht daher der Stadtrat im Rampenlicht. Er muss sich damit befassen, ob und wie das Projekt zu stemmen ist. Ende März soll eine Entscheidung fallen, erwartet – oder besser – hofft Merkle, der so früh wie möglich mit der endgültigen Planung beginnen möchte.

Doch es könnte auch länger dauern, denn „Lösungsansätze gibt es noch keine“, sagte er und warf etwa eine Spendenaktion in den Raum. Von der Möglichkeit eines Staatstheaters war nicht die Rede. Der Freistaat bezuschusst die Renovierung wohl mit bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten, hofft Merkle. Diese Zahl sei nämlich noch „nicht seriös“.

Kritikern, die fragten, ob ein Neubau nicht günstiger gewesen wäre, entgegnete der Baureferent das ein vergleichbares Theater etwa 180 Millionen Euro gekostet hätte – wenn in zentraler Lage überhaupt ein Platz dafür frei gewesen wäre. Schließlich könne man das denkmalgeschützte Große Haus ja nicht so eben mal abreißen. Also hätte man das Gebäude ohnehin sanieren müssen. Die Kosten wären letztlich die selben, „aus meiner Sicht ist ein neues Theater keine Alternative, diese Diskussion macht keinen Sinn“.

Die Überlegungen wegen einer Ersatzspielstätte sind hingegen beendet. Ab Ende 2016 wird der Kongress am Park das Große Haus ersetzen. Vier Jahre lang soll das der Fall sein. Aber, bremste Merkle ein, „die Finanzierung bestimmt den Zeitplan“. Es könnte also auch hier länger dauern.

Schneller gebaut werden soll bei den Werkstätten – trotz bis zu 18 Meter tiefer Baugrube. Zuvor ist erst einmal ein Umzug angesagt. Es geht in eine noch nicht bekanntgegebene Industriebrache in Augsburg.

Die zehn Millionen Euro für den Interimsbetrieb und den Umzug runden das Worst-Case-Szenario von 235 Millionen Euro Gesamtkosten ab. Man darf allerdings davon ausgehen, dass die Mikrofone im erneuerten Theater besser funktionieren als die im Rathaus.
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