Osterfeier im Dom mit Bischof Konrad Zdarsa

Bischof Konrad Zdarsa während der Osterpredigt im Augsburger Dom. (Foto: Annette Zoepf/pba)

Bischof Konrad Zdarsa hat am Sonntag im Augsburger Dom das Osterereignis als Grund zur Freude für die ganze Gemeinschaft der Kirche bezeichnet. „Heute ist dieser Tag, an dem durch das Holz des Kreuzes Freude in alle Welt gekommen ist.“

Der christliche Glaube bewahre uns davor, leichtfertig über das Kreuz, über das Leid der Menschen, über Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit, über allen Hass und alle Gewalt hinwegzugehen, so Bischof Konrad. Dies gelte ganz und gar unabhängig von unserer persönlichen Situation oder vom Zustand, in dem sich die Kirche und die Gesellschaft gerade befinden mögen. Das Geschehen in Belgien sei grauenhaft gewesen, blickte der Bischof auf die Attentate in Brüssel zurück. Aber man dürfe auch Zweifel daran haben, ob es im Sinne unseres Auferstehungsglaubens war, die Weihe der Heiligen Öle in der Brüsseler Kathedrale abzusagen. Da gebe es doch nur eine Reaktion für Christen: „Auf die Knie und die Hände erhoben zum Gebet!“

Die Feier von Kreuz und Auferstehung Jesu sei nicht nur ein Akt des Widerstands gegen den Tod und alles Böse, sondern das machtvoll wirksame Zeugnis von ihrer Überwindung, so Bischof Konrad weiter. Der tiefste Grund für die Freude über die Auferstehung sei, dass der Herr die Menschen geliebt habe. Der lebendige Glaube daran sei ein durchgängiges Kontinuum – von denen, denen sich der Auferstandene gezeigt habe, bis zu denen, die ihn so nicht mehr sehen können. „Der lebendige Glaube der Zeugen von heute ist von keiner geringeren Bedeutung als der Glaube, zu dem die ersten Zeugen Maria Magdalena, die Apostel und Jünger bis hin zum Apostel Paulus nach und nach gekommen sind“, so Bischof Konrad. Dieser Glaube sei das Geschenk Gottes durch den auferstandenen Herrn. „Ein Geschenk seiner wunderbaren, unendlichen Liebe zu einem jeden, einer jeden von uns.“ Mit Christus auferweckt zu sein heiße, dass wir herausgeholt seien aus dem scheinbar unvermeidbaren Zug der Schwerkraft der Sünde. „Ja, nun ist es möglich, ein Leben nach den Geboten Gottes zu führen.“

Schuld und Sünde


Auch Weihbischof Wörner ging am Samstagabend in der Predigt während der Feier der Osternacht auf den Umgang mit dem Thema Schuld und Sünde ein. „Wer ist schuld?“, werde fast schon reflexartig gefragt, wenn etwas passiert ist – ein Unglück, ein Anschlag, eine prekäre Situation. Wenn dann ein oder mehrere Schuldige gefunden seien, scheine man zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung wieder einigermaßen beruhigt zu sein. „Schuld zu verdrängen oder auf andere schieben – das zeigt schon, wie schwer wir uns mit diesem Thema tun“, so Weihbischof Wörner.

Dem setzte er das Exsultet, das feierliche Osterlob, entgegen. Dort heiße es: „O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!“ Dahinter stecke die Begeisterung für die Person Jesu Christi, die Begeisterung für den Auferstandenen – „eine Begeisterung, die sagt: eine Welt mit Sünde und mit Christus ist einer Welt ohne Sünde und ohne Christus eindeutig vorzuziehen.“ Denn wir haben es mit einem Gott zu tun, betonte der Weihbischof, dem es nicht egal ist, wie es uns geht, sondern der eingreift und hilft. „Seine Strategie, mit Schuld und Sünde der Menschen umzugehen, ist nicht Gewalt. Nein, seine Strategie ist noch viel gewaltiger: Sie heißt Liebe und Barmherzigkeit.“

Am Tiefpunkt seiner Erniedrigung, am Kreuz habe Jesus den Tod, die Strukturen des Bösen, Sünde und Schuld ausgehebelt. „Täglich erleben wir doch etwas anderes“, richtete sich der Weihbischof an die Gläubigen im Augsburger Dom. „Das grausame Spiel von Gewalt und Gegengewalt, von Leid und Tod geht weiter, auch nach Ostern. Die handfesten Realitäten sprechen doch eine andere Sprache.“ Deshalb habe Papst Franziskus mit dem Jahr der Barmherzigkeit angesichts dessen, was alles auf der Welt los sei, „den Nagel auf den Kopf getroffen“. Ein österlicher Umgang mit dem Thema Schuld bedeute, dass nicht Schuld und Sünde das letzte Wort haben, sondern Gott und sein Erbarmen. „Wer darum weiß, fängt bei sich an und kehrt zuerst vor der eigenen Haustüre“, so Weihbischof Wörner. (pba)
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