Paartalbahn: Blau-Weißer Erfolgszug

Auf der Erfolgsspur: Die Paartalbahn hat seit 2008 einen Passagierzuwachs von 72 Prozent. Foto: Archiv

Die Paartalbahn verzeichnet 72 Prozent mehr Passagiere seit 2008. Der Fahrgastverband drängt darauf, die Strecke instandzuhalten.

Die Paartalbahn zählt zu den erfolgreichsten Regionalbahnen in Deutschland. Die Fahrgastzahlen auf der Zugstrecke, die von Ingolstadt über Schrobenhausen, Aichach und Friedberg nach Augsburg führt, sind vom Jahr 2008 bis 2012 um 72 Prozent gestiegen. Das stellt die Allianz pro Schiene fest, die in einer Broschüre 13 Erfolgsbahnen aus ganz Deutschland vorstellt.

Ältere Fahrgäste können sich vielleicht noch erinnern: Vor dem 1996 eingeführten Bayerntakt war die Paartalbahn für die Fahrgäste schlecht nutzbar. Hatte man einen Zug versäumt, musste man oft zwei oder drei Stunden warten. Zwischen Aichach und Ingolstadt war es besonders schlimm, denn auf diesem Abschnitt fuhren am Wochenende nur zwei Züge. Der Eisenbahnlinie wurde deshalb wenig Zukunft vorhergesagt.

Seitdem hat sich viel geändert. Ein durchgehender Stundentakt an sieben Tagen die Woche von früh bis spät ist zur Normalität geworden, unter der Woche wird er zum Halbstundentakt zwischen Augsburg und Aichach verdichtet, und zwischen Augsburg und Friedberg fährt sogar alle Viertelstunde ein Zug. Waren Anfang der neunziger Jahre kaum noch Fahrgäste unterwegs, sind heute die Kapazitäten besonders in der Hauptverkehrszeit oft schon nicht mehr ausreichend. "Wir sind sehr froh, dass sich die Paartalbahn so entwickelt hat", sagt Manfred Binzer vom Fahrgastverband Pro Bahn. Mit einigen Mitstreitern kümmert er sich seit Jahren um die Strecke, gibt Anregungen und geht Verbesserungsvorschlägen nach. "Die Entwicklung hat uns Recht gegeben. Alle Prognosen wurden bei weitem übertroffen, die Züge sind voll." Möglich wurde diese Entwicklung, weil 1994 die Verantwortung für den Regionalverkehr von der Bundesregierung an die Bundesländer übergeben wurde. Der Freistaat Bayern hat mit dem zur Verfügung stehenden Geld den jetzigen Taktverkehr bestellt und bezahlt dafür auch Zuschüsse an die Bayerische Regiobahn, die die Züge fährt.

Doch wie es tatsächlich weitergeht mit der Paartalbahn, ist derzeit nicht absehbar. Die Länder fordern mehr Geld für diese Aufgabe, und der Bund weigert sich, mehr auszugeben. Seit Jahren erhöht jedoch die Deutsche Bahn mit ihrer Netzgesellschaft die Trassengebühren, weit über der allgemeinen Teuerungsrate. Diese Trassengebühr muss für jeden Zug, der die Strecke befährt, bezahlt werden. "Wir befürchten, dass es in den nächsten Jahren eng wird in so manchem Pendlerzug", so Binzer. "An zusätzliche Züge oder Kapazitätsausweitungen ist dann nicht mehr zu denken."

Ärgerlich sei auch, dass die DB Netz trotz der stark steigenden Trassengebühren die Streckeninfrastruktur nicht ordentlich in Schuss halte. Manche Brücke sei altersschwach, und der Freischnitt der Strecke von Bäumen und Gebüsch mangelhaft. Bei starkem Wind dürfen die Züge statt 120 nur noch mit 80 Stundenkilometern fahren. Das haben Pro-Bahn-Vertreter gegenüber DB Netz und örtlichen Politikern bemängelt und auf Abhilfe gedrängt. Manfred Binzer sagt, jetzt müssten die Weichen dafür gestellt werden, dass die Erfolgsgeschichte der Paartalbahn weitergeht. Nachdem der nördliche Teil von Schrobenhausen nach Ingolstadt in das Ingolstädter Tarifsystem aufgenommen worden ist, sei ein neuer Haltepunkt in Brunnen geplant. Sollte dann auch noch ein Audi-Haltepunkt entstehen, wäre das für Mitarbeiter von Audi ein ideales Verkehrsmittel an jedem Stau vorbei. (pm)
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