Patrizierschloss Hainhofen: Sanierung in höchster Not

Für die beispielhafte Restaurierung des Augsburger Patrizierschlosses in Hainhofen hat der Bezirk Schwaben den mit 10.000 Euro dotierten Denkmalpreis vergeben. Die Sanierung kostete insgesamt über 2,5 Millionen Euro.

Historische Altstadtfestivitäten oder das Aufleben von Bräuchen erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch die Denkmalpflege gewinnt durch dieses neu erwachte Interesse an Heimat, Tradition und Geschichte an Bedeutung. Umso unpassender erscheinen Fälle von lieblosem Umgang mit historischen Bauten in Dörfern oder Innenstädten.„Stehen Altstadthäuser über fünfzig Jahre leer, sind sie durch diese Vernachlässigung ruinös. Wenn auf den Fußböden eines Patrizierschlosses offene Lagerfeuer gehalten werden und gleichzeitig auch noch der Hausgiebel abgesägt wird, so ist dieser Vandalismus kaum zu ertragen“, beschreibt Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl die vorgefundene Situation in Neusäß-Hainhofen.

Aber „die schier unglaubliche denkmalpflegerische Rettung aus allerhöchster Not erreichte Dank des außerordentlichen Engagements tatkräftiger Bürger auch in diesem Jahr wieder drei besondere Objekte in Schwaben“, freute sich Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert nach dem Bezirksbeschluss.
Am 20. Mai wird der Bezirkstagspräsident die Preise für die denkmalpflegerischen Rettungen in Augsburg verleihen. Die Festrede dazu hält der neue Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Mathias Pfeil.

Für die Maßstäbe setzende, vorbildliche Sanierung wurden in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege neben dem Patrizierschlosses in Hainhofen auch das Winter’sches Haus und die Beck’schen Häuser in Nördlingen vom Bezirk Schwaben mit dem Denkmalpreis 2013 und zwei Sonderpreisen ausgezeichnet.

Zur Auswahl standen zahlreiche Vorschläge, eingereicht von den Kreis- und Stadtbauverwaltungen, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und den Heimatpflegern.

Bedeutsame Landmarke in der Region Augsburg


Der Denkmalpreis 2013 des Bezirks Schwaben, dotiert mit 10.000 Euro, geht an Hainhofen. Das ursprünglich als Wasserschloss im 13. Jahrhundert errichtete Gebäude befand sich über Jahrhunderte im Besitz Augsburger Patrizier. Das heutige Schloss in der Ottmarshauser Straße, ein viergeschossiger würfelförmiger Walmdachbau, wurde unter Anton Fugger seit 1582 erbaut und um 1730 sowie 1840/50 neu ausgestattet. Es bildet im Nahbereich Augsburgs eine bedeutsame Landmarke.

„Das Schloss wurde in den vergangenen zwanzig Jahren durch unsachgemäße Behandlung im Bereich des Dachstuhls, der Böden, der Türen, sowie der übrigen Ausstattung nahezu vandalenhaft beschädigt“, gab Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl zu Protokoll. Seit 2006 führt das Ehepaar Renner die denkmalpflegerische Sanierung des Schlosses durch. Der abkippende Dachstuhl musste dabei gerettet und die Böden, auf denen zum Teil offene Feuer gehalten wurden, erneuert werden. Die abgelaugten Türen wurden wieder gefasst und die beschädigten Wandfassungen und Stuckaturen restauriert und erneuert, sowie ein Balkon neu geschaffen. „Diese Auflistung zeigt bereits, dass praktisch kein Ausstattungsteil mehr heil war“, stellte Dr. Fassl fest.

Grundanliegen der Bauherren war es, das Schloss des 18. Jahrhunderts wieder erlebbar zu machen. Einbauten der jüngsten Zeit wurden entfernt. Um eine der Bauzeit gemäße Ausstattung zu erhalten, wurde weithin nach historischen Baumaterialien und Ausstattungsstücken gesucht, um so Stockwerk für Stockwerk ein stimmiges Ambiente zu schaffen. „Die Perfektion der hier durchgeführten Maßnahme setzt selbst wieder Standards und wird neue Impulse geben“ so der Bezirksheimatpfleger.

Die Aufwendungen für die Sanierung und Ausstattung betrugen bis Oktober 2013 genau 2.537.174 Euro. Der Zuschuss des Bezirks Schwaben betrug 19.000 Euro. (pm)
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