Phoenix Print: Obskure Pleite einer Druckerei

Phoenix Print: Obskure Pleite einer Druckerei Die Belegschaft hat zunächst verhindert, dass die Firma ausgeräumt wird. Vorne, Dritter von rechts: Betriebsratsvorsitzender Rainer Fichtner. Foto: Blöchl

Von heute auf morgen war Schluss bei Phoenix Print in Augsburg an der Steinernen Furt. Vergangene Woche stoppte die Produktion. Die Hintergründe sind unklar.

Mitten in der Arbeit wurde den Mitarbeitern von der Geschäftsführung angekündigt: "Die Produktion wird sofort gestoppt, wir melden Insolvenz an und Sie sind ab sofort von der Arbeit freigestellt", so erinnert sich eine Mitarbeiterin an die Szene. "Wir haben von nichts gewusst", betont der Betriebsratsvorsitzende Rainer Fichtner, "auch wir als Betriebsrat wurden vorher nicht informiert." Vonseiten der Gewerkschaft Verdi betont der zuständige Sekretär Rudi Kleiber: "Ein solches Vorgehen haben wir bisher noch nie erlebt."

In der Firma wurde normal gearbeitet, es wurde Schichtbetrieb gefahren, auch Aufträge waren aus Sicht der Belegschaft ausreichend vorhanden. Warum dann das plötzliche Aus?

Das Verfahren insgesamt ist schon ungewöhnlich, weil normalerweise in einer Insolvenz die Produktion weitergeführt wird bis der vom Gericht eingesetzte Insolvenzverwalter über das weitere Vorgehen entscheidet. Hier ging es Knall auf Fall. Von einer spontanen Entscheidung der Geschäftsführung kann sicher keine Rede sein, wie die Abläufe verdeutlichen. Kurz nach der Ankündigung der Betriebsstilllegung fuhren schon die Lastwagen vor, um sofort Waren, Lagerbestände und wahrscheinlich auch anderes abzuholen und zur Schwesterfirma nach Würzburg zu bringen. Die Firma war urplötzlich nicht mehr im Internet auffindbar, beim Anklicken wurde man auf die Seite von Phoenix Print Würzburg weitergeleitet. Alle Datenleitungen, mit denen beide Firmen verbunden waren, wurden gekappt, die Augsburger Firma hatte keinen Zugriff auf Daten mehr. An eine weitere Arbeit war nicht mehr zu denken.

Blockade durch Mitarbeiter

Der Versuch, die Firma sofort "auszuräumen" brachte die Belegschaft endgültig auf die Barrikaden. Mit einer bis vergangenen Freitag aufrechterhaltenen Blockade des Betriebs wurde verhindert, dass der Abtransport vonstattengehen konnte, der Bestand blieb erhalten. Mittlerweile ist das Insolvenzverfahren eröffnet, die Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner wurde als Insolvenzverwalter eingesetzt.

Bei der Suche nach den Ursachen findet sich auf der Internetseite der Schwesterfirma Phoenix Würzburg die Aussage: "Die Gesellschaft sah sich zu diesem drastischen Schritt gezwungen, nachdem das verbundene Unternehmen Himmer AG Augsburg der Phoenix Print die Summe von 1,65 Mio Euro rechtswidrig entzogen hat. Diese Mittel sind nachweislich an die Himmer AG geflossen. Über die weitere Verwendung dieser Mittel liegen der Phoenix Print keine Erkenntnisse vor." Phoenix Print ging aus dem Zusammenschluss der Himmer AG (Augsburg) und der Stürtz GmbH (Würzburg) hervor.

Beim Zusammenschluss der beiden Unternehmen vor drei Monaten, die nach Aussagen des Betriebsrates ebenfalls überfallartig und mit viel Druck erfolgte, wurde dieser mit der wirtschaftlichen Notwendigkeit begründetet, da beide Unternehmen in Schwierigkeiten gewesen seien. Die Belegschaft verzichtete schon länger auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, wöchentlich wurden zweieinhalb Stunden unbezahlte Mehrarbeit geleistet.

Zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es: Der Insolvenzverwalter will den Betrieb zumindest vorübergehend weiterführen. Laut Phoenix Print läuft seit Montag die Produktion wieder. Auch die ausstehenden Löhne seien gezahlt worden.

Über den Streit der Schwesterfirmen dagegen wird aller Voraussicht nach ein Gericht befinden müssen.
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