Platzangst an der Ebert-Straße

Noch ist es eine Wiese: Bald sollen auf diesem Grundstück Asylbewerber in eine Unterkunft ziehen können. Die Entscheidung fällt wohl erst im September. Foto: Jessica Kuska

Geteilter Meinung sind die Gögginger bezüglich der Flüchtlingsunterkunft, die an der Friedrich-Ebert-Straße entstehen soll. Viele finden das Konzept toll - doch der Ort löst Kontra aus.

Das Thema Asyl und Flüchtlingsunterkünfte war nie präsenter als zu dieser Zeit. Massenunterkünfte in leeren Garagen oder Turnhallen stehen immer wieder in der Kritik. Walter Semsch, Geschäftsführer des Caritas-Verbands für die Stadt und den Landkreis Augsburg, hat nun ein scheinbar überzeugendes Konzept für eine Flüchtlingsunterkunft in der Gögginger Friedrich-Ebert-Straße vorgelegt. Durch gute Betreuung und Begleitung der Flüchtlinge will Semsch den Kritikern die Angst nehmen. Doch die Pläne treffen bei den Bürgern nicht nur auf Zustimmung.

Geplant ist ein Haus für sozialen Wohnungsbau an der Friedrich-Ebert-Straße in Göggingen, das in den ersten zehn Jahren als Flüchtlings-Unterkunft dienen soll. Das Grundstück liegt seit 40 Jahren brach, wie Anton Freihalter, Mitglied der Kirchenverwaltung, berichtet. Insgesamt 60 Personen sollen in Doppelzimmern zu 14 Quadratmetern ihren Platz finden. Die jungen Männer würden laut Semsch im ersten Stock untergebracht. Im Erdgeschoss könnten bei Bedarf Flüchtlings-Familien wohnen. Den Bau einer Flüchtlings-Unterkunft an der Friedrich-Ebert-Straße hält der Caritas-Leiter schon allein deshalb für sinnvoll, da es im südlichen Stadtgebiet kaum solche Unterkünfte gibt. Während die Kapazitäten in Lechhausen, Pfersee, Oberhausen und im Bärenkeller nahezu ausgeschöpft sind, leben im südlichen Teil von Augsburg so gut wie keine Flüchtlinge.

Ein weiterer Vorteil sei die Finanzierung, wie Semsch erklärt. Das Grundstück ist Eigentum der Kirche. Caritas würde das Grundstück von der Kirchenverwaltung der Pfarreiengemeinschaft Göggingen-Inningen als Erbpacht für 50 Jahre zur Verfügung gestellt bekommen. So bliebe es in Besitz der Kirche, was eine enorme finanzielle Entlastung für den Verband bieten würde.

Doch auch die kritischen Stimmen will Semsch nicht leugnen. Direkt neben dem Grundstück stehen ein Kindergarten, eine Einrichtung der St. Gregor-Jugendhilfe sowie die Friedrich-Ebert Mittel- und Grundschule. Viele Eltern waren über den Plan nicht gerade erfreut. Semsch setzt auf Erfahrung und will durch Integration der Flüchtlinge den Eltern die Angst nehmen. Aus 30 Jahren Erfahrung in der Asylbetreuung wisse er, dass das nur über "Integration und Begleitung der Flüchtlinge . Und das wäre über den Caritas-Verband gewährleistet."

Denn neben einem Hausmeister, einem Arzt und einem Kümmerer wäre auch ein Sozialpädagoge stundenweise anwesend. Durch ausreichende Integration will die Caritas den Flüchtlingen einen guten Start in ein neues Leben gewährleisten. "Wir wollen auch versuchen, die Leute in Deutschkurse und natürlich auch in Arbeit zu bringen. Die Integration steht im Vordergrund", sagt Semsch.

Eine Zusammenarbeit mit den benachbarten Schulen biete dafür eine gute Möglichkeit. Peter Reithmeir, der Schulleiter der Friedrich-Ebert-Mittelschule, findet das Konzept der Flüchtlingsunterkunft überzeugend. Auch vonseiten der Eltern kamen bisher keine negativen Rückmeldungen, erklärte der Rektor. Der Wunsch des Schulleiters sei, dass das Heim vorwiegend Flüchtlingsfamilien mit Kindern zur Verfügung steht. Das befürwortete auch Susanne Erdmann, Elternbeiratsvorsitzende der Friedrich-Ebert-Grundschule, doch die Realität sähe anders aus: "In der Regel kommen wenig Familien." Das Verhältnis liege bei höchstens 70 Prozent junger Männer zu 30 Prozent Familien, erklärt Erdmann.

Auch die Grundschule bräuchte mehr Platz

Für eine Zusammenarbeit mit den Flüchtlingskindern wären jedoch beide Schulen offen. Ab nächstem Schuljahr wird es in der Friedrich-Ebert-Mittelschule zwei Klassen für Flüchtlingskinder geben, die noch kein Deutsch sprechen, erklärt Reithmeir. Grundsätzlich gebe es für Reithmeir keinen Grund, warum die Caritas nicht auf dem Gelände bauen sollte. Zwar befindet sich dort ein Container, der von der Ganztagsklasse der Schule genutzt wird, dieser dürfe nach ersten Rückmeldungen jedoch bleiben.

Anders sieht es bei der Friedrich-Ebert-Grundschule aus. "Die wenigsten sind begeistert", so Erdmann. "Das Grundstück wurde überraschend verplant, ohne das wir überhaupt erfahren haben, dass es die Möglichkeit gibt, dort etwas zu bauen." Auch die Grundschule hätte Platzbedarf und könnte das Grundstück beispielsweise für den Ausbau des Horts nutzen.

Kritik: Infoveranstaltung zu kurzfristig angesetzt

Die erste Infoveranstaltung der Caritas wurde so kurzfristig bekanntgegeben, dass viele Bürger nicht teilnehmen konnten. Das wurde auch von der Politik bemängelt. Die Ausschussgemeinschaft (Freie Wähler/Die Linke/ÖDP/Polit-WG) stellte nun einen Dringlichkeitsantrag an Sozialbürgermeister Stefan Kiefer: Das Sozialreferat der Stadt müsse eine neutrale Bürgerinformation veranstalten. Wie auch schon in Oberhausen müsse die Meinung eines Stadtsoziologen gehört werden, so Stadtrat Volker Schafitel (Freie Wähler) in dem Antrag. "Bevor solch eine stadtteilprägende Entscheidung getroffen wird, müssten die Bürger ausreichend informiert werden." Auch eine Unterschriftenliste von Bürgern gegen das derzeitige Konzept legten die Freien Wähler dem Antrag bei.

Letztendlich liegt es jedoch an der Kirchenverwaltung, die aber alle Gremien der beiden Pfarreien St. Georg und Michael und St. Johannes Babtist einbinden möchte. Bis Ende September soll entschieden werden, was mit dem freien Grundstück passiert. Bis dahin solle es jedoch noch einige Gespräche mit Betroffenen geben, garantiert Anton Freihalter. "Alle wird man nie in ein Boot bekommen", stellt er jedoch klar. Sollte für die Caritas alles wie geplant laufen, könnten im Frühjahr nächsten Jahres die ersten Flüchtlinge an der Gögginger Friedrich-Ebert-Straße einziehen.

von Jessica Kuska
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