Preis für Partnerklasse

„Soviel Förderung als möglich. Soviel Rückzug als möglich“ – nach dieser Devise läuft seit nunmehr zehn Jahren die Kooperation zwischen der Elisabethschule in Aichach und der Theresia-Gerhardinger-Grundschule in Friedberg. Im „Friedberger Modell“ werden Kinder mit Behinderung in einer Partnerklasse zusammen mit gesunden Kindern gemeinsam unterrichtet. Derzeit sind acht Kinder der Elisabethschule mit in Friedberg im Unterricht.

Zusammen mit den 17 Schülern aus der Regelklasse wird versucht, soviel als möglich gemeinsam Unterricht abzuhalten. „In der ersten und zweiten Klasse finden rund 2/3 des Unterrichts gemeinsam statt, in den späteren Jahrgangsstufen wird es dann ein bisschen weniger“, berichtet Elisabeth Kern, Schulleiterin der Theresia-Gerhardinger-Grundschule. Sie lobte die sehr gute Zusammenarbeit mit der Aichacher Elisabethschule. Die Elisabethschule ist ein privates Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung mit schulvorbereitender Einrichtung. Träger ist die Lebenshilfe Aichach-Friedberg e.V. An die Schule kommen Kinder und Jugendliche, die zu ihrer individuellen Lebensbewältigung einer speziellen, intensiven und umfassenden Förderung im Bereich der geistigen Entwicklung bedürfen.

„Unsere Schüler und Schülerinnen bekommen die Möglichkeit, sich individuell zu entfalten, sich in ihrer Umwelt besser zurechtzufinden, größtmögliche Selbstständigkeit in möglichst vielen Teilbereichen des täglichen Lebens zu erreichen und letztlich zu einem sinnerfüllten Leben in der Gemeinschaft zu gelangen“, sagt Christiane Nerb-Straub, Rektorin an der Elisabethschule. Die Elisabethschule arbeitet nunmehr seit zehn Jahren mit der Friedberger Grundschule zusammen. Die Modellklasse zur Integration der Schüler ist die Außenklasse an der Theresia-Gerhardinger-Grundschule in Friedberg.

In diesem „Friedberger Modell“ gelang es trotz anfänglicher Zweifel und viel Mühen, auf hervorragende Weise Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten. Räumlich stehen der Außenklasse der Elisabethschule und der Regelklasse im Schulgebäude zwei Klassenzimmer zur Verfügung. Zudem sorgen zwei Lehrkräfte dafür, dass individuelle Förderung möglich und Lerninhalte bedarfsgerecht vermittelt werden können. Für die gute Zusammenarbeit würdigte die Lebenshilfe Aichach die Kooperation nunmehr mit dem 1. Inklusionspreis, einer Auszeichnung die Einrichtungen würdigen soll, die sich um die Inklusion verdient gemacht haben. Gemeinsam mit Schulrätin Gisela Klaus erinnerten sich alle Beteiligten im Rahmen der Preisübergabe an die Anfänge der ersten Außenklasse in Friedberg vor zehn Jahren. Viel Widerstand und große Zweifel – vorallem bei den Eltern der behinderten Kinder – waren im ersten Schuljahr an der Tagesordnung. Mit großem Einsatz und viel Herzblut gelang es, diese Zweifel in kürzester Zeit zu beseitigen. Friedberg wurde zum Vorbild für Inklusion. Auch bei den Eltern der gesunden Kinder sei das Interesse, ihr Kind in die Partnerklasse zu geben, stets hoch gewesen, berichtet Kern. Für viele Eltern war dies eine gute Möglichkeit, ihrem Kind Berührungsängste mit behinderten Menschen zu nehmen.

Trotz allem Lob und der Auszeichnung wird mit diesem Schuljahr die Inklusion an der Theresia-Gerhardinger-Grundschule vorerst enden. „Obwohl wir das nicht möchten“, will die Schulleiterin klar betonen, sondern weil einfach zu wenige Kinder der Elisabethschule für die Außenklasse in Friedberg vorhanden sind. Schon jetzt kommt in der derzeitigen Partnerklasse keines der behinderten Kinder aus Friedberg. Dennoch wird die Kooperation und die Geschichte der letzten zehn Jahre Ansporn sein, dieses Modell an vielen anderen Schulen fortzuführen. Und auch für die Theresia-Gerhardinger-Grundschule hofft man, dass sich in den nächsten Jahren wieder einmal eine Partnerklasse ergibt.

Für die vorbildliche Kooperation der beiden Schulen und die geglückte Inklusion über so viele Jahre hinweg, war der jetzt erhaltene Inklusionspreis eine würdige Ehrung für alle Beteiligten.
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