Problemmonat Januar für Pendler nach Augsburg: technische Probleme verantwortlich für Verspätungen und Ausfälle des Fugger-Express

Der Fuggerexpress der Deutschen Bahn hat mit technischen Problemen zu kämpfen. (Foto: Saskia Kerschbaum)

Der Fuggerexpress der Deutschen Bahn ist eine der wichtigsten Anbindungen des Augsburger Landes zur Stadt - täglich möchten Pendler das Angebot der DB Regio nutzen, um in die Arbeit zu kommen. Doch die Züge des Typs ET440 kämpfen mit technischen Problemen, sodass es häufig zu Verspätungen oder Zugausfällen kommt. Der Fahrgastverband Pro Bahn hat daher den Bayerischen Landtag eingeschaltet. Die Deutsche Bahn möchte sich in den kommenden Monaten mit Ursachenforschung und Lösungen befassen.

Zwanzig Minuten frieren am Bahnsteig, danach eine Fahrt gequetscht wie in der Sardinenbüchse und am Ende in Pasing oder Gessertshausen wegen vorzeitiger Zugwende vor dem Ziel abgesetzt - so kann momentan ein Arbeitstag für die Pendler im Fugger-Express beginnen oder enden. Die Pendler müssen auf der Schieneninfrastruktur zwischen München, Augsburg, Ulm und Donauwörth häufig Verspätungen ertragen, äußert sich Pro Bahn zur Situation des Regionalverkehrs.

Verspätungen im Berufsverkehr


Der Fahrgastverband Pro Bahn hat hierzu Fahrgastrückmeldungen ausgewertet: So gab es alleine an den zehn Werktagen zwischen 16. und 27. Januar im Berufsverkehr 18 Züge, bei denen ein Zugteil mit 240 Sitzplätzen fehlte. Außerdem habe es neun Züge mit insgesamt 234 Minuten Verspätung aufgrund technischer Störungen am Zug und einen kompletten Zugausfall gegeben - das alles im Berufsverkehr. Rund zwanzig Minuten Verspätung entsprechen für die Fahrgäste quasi einem Zugausfall. Zudem sei ein Zustieg für alle Wartenden bei Verspätung, gerade in Mering, kaum möglich, da an den Stationen vorher bereits die Pendler von zwei Zügen eingestiegen sind.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat auf Grund der unbefriedigenden Situation inzwischen den Bayerischen Landtag eingeschaltet. Die Abgeordneten Eberhard Rotter (CSU) und Annette Karl (SPD), die im Aufsichtsrat der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) den Landtag vertreten, haben die BEG bereits aufgefordert, mit der DB Regio Bayern zusammen Abhilfe zu schaffen.

"Wir erwarten, dass BEG und DB Regio konkrete und umfassende Maßnahmen zur Erhöhung der Betriebsstabilität erarbeiten und umsetzen" so Jörg Lange, der beim Fahrgastverband Pro Bahn den Fugger-Express betreut. "Es kann nicht sein, dass die Kunden regelmäßig nicht die geschuldete Leistung bekommen und von der DB Regio keine Entschuldigung und keine Erklärung dazu gegeben wird", so Errol Yazgac, Beauftragter für Pro Bahn in Schwaben.

Erklärungen der Deutschen Bahn: Kälte sorgte für Ausfälle


Die Deutsche Bahn Regio entschuldigt sich für diese Situation bei den Fahrgästen, und erklärt, dass intern versucht wurde, die technischen Probleme so gut es geht und "ohne Rücksicht auf den personellen Mehraufwand" in den Griff zu kriegen. So wurden Sonderschichten am Wochenende geschoben und in den Werkstätten nur die nötigsten Reparaturen durchgeführt, um einen längeren Ausfall von Zügen zu vermeiden. "Die Kapazitätsgrenze der Werkstätten wurde an einigen Tagen, unter anderem wegen Enteisungen, deutlich überschritten", teilt die DB Regio mit. In den kommenden Monaten werden nun aufwändigere Schäden an den Zügen behoben.

Auch Lange weiß um den Mehraufwand: "Uns ist bekannt, dass die Techniker der DB mit Wochenendschichten versuchen, möglichst viele Fahrzeuge in den Einsatz zu bringen, und Lokführer Überstunden machen, um die Triebwagen dahin zu überführen, wo sie gebraucht werden. Wir danken den Mitarbeitern für diesen Einsatz."

Technische Probleme: Türen und Toiletten


Die technischen Schwierigkeiten am Zugmodell seien auch auf die extremen Witterungsbedingungen Januar zurückzuführen, teilt Franz Lindemair von der Deutschen Bahn mit.
"Aufgrund der sehr ungünstigen Witterungsbedingungen im Januar kam es zu sehr vielen Ausfällen von Schiebetritten an den Türen: Schnee, Eis und Rollsplitt behindern beziehungsweise blockieren die Mechanik des Schiebetritts. Das führt zu einer abgesperrten Außentür."

Ein weiterer Grund für Zugausfälle waren im Januar die Toiletten: durch die Kälte im Januar sind neun Wassertanks geplatzt. "Ein geplatzter Wassertank führt zu einer nicht benutzbaren Toilette. Wenn beide Toiletten eines Fahrzeugs abgesperrt werden müssen, darf das Fahrzeug nicht mehr eingesetzt werden." Die Deutsche Bahn räumt ein, dass dieser Fall innerhalb der vergangenen Wochen aufgetreten sei.

An mehreren Übergabesteckern und Sensoren sei außerdem Feuchtigkeit eingedrungen, was zu "Störungen an Bauteilen der Antriebssteuerung und Bremse" geführt hat - die Ursache hierfür wird noch ermittelt.

Unbeliebtes Zugmodell


Bei den Fahrgästen seien die ET440 wegen enger Gänge und Einstiegsräume, schwer zugänglicher Mehrzweckräume, relativ unbequemer Sitzplatzgestaltung und fehlender Trittstufen an niedrigen Bahnsteigen nicht sonderlich beliebt, schreibt Pro Bahn. Die Tatsache, dass diese Fahrzeuge im nunmehr neunten Einsatzjahr immer noch nicht stabil zu betreiben seien, spräche auch für ihre Ablösung im Rahmen der Neuausschreibung der Augsburger Netze für 2021. "Ich möchte mir nicht vorstellen, wie diese Fahrzeuge in zehn Jahren beieinander sind", so Lange.

Die Deutsche Bahn hingegen möchte die Konsequenzen aus den Erfahrungen des Problem-Monats Januar ziehen: "Wir werden in 2017 zusammen mit Familie Alstom und DB Systemtechnik eine gründliche Ursachenforschung betreiben und anschließend Lösungen entwickeln." Insgesamt wird eine Quote von 95 Prozent bei der Pünktlichkeit des Fugger-Express angestrebt.
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I.- M. Alefelder aus Augsburg - City | 18.02.2017 | 02:49  
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