Projekt Bahnhofstunnel: Ein Einhalten der Kostenobergrenze ist nach Baupreissteigerungen ungewiss

Der Tunnel unter dem Augsburger Bahnhof wird voraussichtlich 2023 fertiggestellt werden. Ob die Kostenobergrenze bis dahin eingehalten werden kann ist noch ungewiss. (Foto: Florian Kemp da Silva)

Der Bau des Bahnhofstunnels in Augsburg soll im Jahr 2023 fertiggestellt werden. Ab dann soll er die Straßenbahnlinie 3 und die neue Linie 5 unter dem Bahnhof hindurchführen. Geplant sind außerdem Rolltreppen und Aufzüge, die die unterirdische Haltestelle mit dem künftig barrierefreien Bahnhof verbinden sollen. Nach Verzögerungen der Baudauer und stetig steigenden Kosten in der Vergangenheit, nannten die Stadtwerke kürzlich eine neue Kostensumme.

Die Kosten für den Bahnhofstunnel, mit dessen Bau schon Mitte 2012 begonnen wurde, bezifferten die Stadtwerke zuletzt auf 181,4 Millionen Euro. War man zu Planungsbeginn in 2006 noch von 75 Millionen Euro ausgegangen, erhöhte sich diese Summer später auf 117 Millionen. Damals war eine Inbetriebnahme des Tunnels noch für 2019 geplant.
Kritiker hielten die Pläne des Projektes von Beginn an für unrealistisch. Eingestehen musste dies auch die Stadt im Jahr 2014, als ein Gutachten im Auftrag des Stadtwerke-Chefs Walter Casazza die Zeitplanung als „zu optimistisch“ einstufte. Planungsmängel erwirkten im selben Jahr eine Verzögerung der Durchführung, die Fertigstellung wurde für 2022 angesetzt. Dazu kamen die Trennung der Stadtwerke von dem bisherigen Planungsbüro und eine erneute Korrektur der Kosten. Wie die Stadtwerke allerdings betonten, enthielt die damals veranschlagte Summe von mittlerweile 143,5 Millionen Euro keine Baupreissteigerungen.

Einhalten von Kostenobergrenze ist stark von Baupreisentwicklung abhängig

Letztere waren nun kürzlich für die Aktualisierung der Kosten verantwortlich. Bei Ausschreibungen für Arbeiten am Bahnhof hatten Baufirmen zuletzt wesentlich höhere Preise angesetzt, als in der jährlichen, dreiprozentigen Steigerungsrate der Stadtwerke prognostiziert. Aus dieser errechneten sie in 2014 auch den Gesamtkostenrahmen von 193,75 Millionen Euro, der zusätzlich einen fünf-Millionen- Euro-Puffer für „Unvorhergesehenes“, wie Casazza es formulierte, enthält. Wie swa-Pressesprecher Jürgen Fergg erklärt, ist diese Obergrenze weiterhin realistisch, sollte es bei einer jährlichen Baupreissteigerung von drei Prozent bleiben. Allerdings sei die weitere Entwicklung der Preise und die damit verbundene Einhaltung des Kostenrahmens zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersehbar, fasst er zusammen.
Noch sei abzuwarten, ob es sich bei dem plötzlichen Anstieg der Baupreise um einen Einzelfall handle. Sollten die Baufirmen bei der kommenden Ausschreibung erneut hohe Preise veranschlagen, müsse man die Kosten re-evaluieren. Oberbürgermeister Kurt Gribl sicherte dabei ein transparentes Vorgehen zu.
Neben den Verzögerungen und Verteuerungen des Projektes mussten sich die Stadtwerke von Anfang an mit Gegnern des Tunnels auseinandersetzen. Beispielsweise reichte 2013 eine Initiative 10 249 gültige Unterschriften bei der Stadt ein, um eine Verlegung des Bahnhofstunnels auf die Victoriastraße zu erwirken. Dadurch entstünden geringe Kosten und auch die Unterhaltung dieses Tunnels sei niedriger. Besonders die Grünen sprachen sich damals gegen den Vorschlag aus. Das Bürgerbegehren ließe keinen „für neue Planungsverfahren aber erforderlichen Abwägungsvorgang mehr zu“ und sei daher rechtlich unzulässig, hieß es.

Bund der Steuerzahler fürchtet ein "Ausarten" des Projekts

Auch der Bund der Steuerzahler kritisierte das Projekt heftig. Schon zu Baubeginn hätte man prophezeit, es würden weit über 100 Millionen Euro statt der damals angesetzten 70 Millionen „im Tunnel verschwinden“. Der Bund verglich das Angehen mit dem umstrittenen Bahnprojekt „Stuttgart 21“ und warnte vor einem „Ausarten“ der Pläne.
So könne es passieren, dass Steuerzahler letztendlich mit einer Summe von rund 300 Millionen Euro belastet werden, schreibt der Verein auf seiner Internetseite.
Unterstützt wird das Projekt von Bund und Freistaat mit einer Fördersumme von 75,4 Millionen Euro. Damit waren die Investitionskosten ursprünglich zur Hälfte gedeckt. Aber auch nach dem erneuten Kostenanstieg in 2014 hieß es von Walter Casazza: „Wir sehen keine Gefahr, dass die Förderung wegfällt“. Er versicherte damals jedoch, sollten die Gelder trotz allem wegfallen, sei das vonseiten der Stadtwerke zu verkraften.
Auf Nachfrage bestätigte Fergg, dass die gestiegenen Baupreise ebenfalls keinen Einfluss auf die Fördermaßnahmen hätten, eine derartige Entwicklung sei nicht vorhersehbar gewesen.
Nach seiner Fertigstellung soll der Tunnel an die deutsche Bahn übergeben werden, die künftig für die Instandhaltung zuständig sein wird. Stadtwerke und Stadt zahlen daher eine Summe von 12 Millionen Euro als Ablöse.
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.