Prüfen - Rufen - Drücken: Ehrenamtliche informieren mit Aktionstag über Erste Hilfe

Die Ehrenamtlichen der Hilfsorganisationen zeigten den Besuchern, wie eine Herzdruckmassage funktioniert. Fotos: Kristin Deibl
 
Unter Anleitung einer Ehrenamtlichen konnten die Besucher auch die stabile Seitenlage üben.

Ernüchternde Bilanz: Nur etwa 40 Prozent der Deutschen starten überlebenswichtige Reanimationsmaßnahmen bis der Rettungsdienst eintrifft. Die Angst etwas falsch zu machen, sei daran schuld, erklärt der Zugführer im Sanitätsdienst und Notarzt beim Malteser Hilfsdienst, Thomas Zinsmeister. Um den Menschen diese Angst zu nehmen und ihnen die einfachen Schritte zu zeigen, die als Ersthelfer wichtig sind, haben sich fünf Augsburger Hilfsorganisationen zusammen getan. Bei einem Aktionstag für mehr Ersthelfer, haben sie am Wochenende mit den Besuchern der City Galerie trainiert.

"Es ist einfacher auf die Leute zuzugehen, als zu warten, dass sie zu uns kommen", erklärt Zinsmeister, warum der Ersthelfer-Aktionstag aus seiner Sicht so wichtig ist. "Schon einfache Maßnahmen reichen aus, um Leben zu retten. Und die können wir in einem kurzen Gespräch erklären."

Prüfen - Rufen - Drücken, so sind diese Maßnahmen auf kleinen Kärtchen zusammen gefasst, die die Ehrenamtlichen an die Besucher verteilen. Prüfen, ob der Patient reagiert und atmet. Unter 112 den Rettungsdienst rufen. Mindestens 100 Mal pro Minute in der Mitte des Brustkorbes drücken bis Hilfe eintrifft. "Die Leute merken, dass das einfach ist und werden ermutigt im Notfall etwas zu tun", so Zinsmeister weiter. Denn: "Nichtstun ist gefährlich." Wenn nach einem Herzstillstand nicht innerhalb von fünf Minuten einfache Maßnahmen, vor allem die Herzdruckmassage, durchgeführt werden, dann ist ein Überleben unwahrscheinlich. So schnell kann aber der Rettungsdienst fast nie beim Betroffenen sein. Deshalb ist der plötzliche Herztod immer noch eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland.

Damit sich das künftig ändert, veranstalten Ehrenamtliche der fünf großen Augsburger Hilfsorganisationen Arbeiter Samariter Bund, Bayerisches Rotes Kreuz, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Johanniter-Unfall-Hilfe sowie Malteser Hilfsdienst und Anästhesisten aus der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum Augsburg einmal im Jahr den Aktionstag. An Übungspuppen demonstrieren sie die Herzdruckmassage und beantworten alle Fragen der großen und kleinen Besucher. Alle Interessierten können die Reanimation auch gleich selbst ausprobieren.

"Wir freuen uns über jeden, der sich kümmert", bestätigt auch Ausbildungsreferent und Rettungsassistent Thomas Schrenk. "Manchmal kann es schon ausreichen, jemanden nach einem Unfall zu betreuen." In ihren Einsätzen erleben die beiden immer wieder, dass Menschen keine Erste Hilfe leisten. "Die meisten machen zum Führerschein einen Erste-Hilfe-Kurs und werden danach mit nichts Schlimmem mehr konfrontiert", sagt Zinsmeister. "Und das ist auch gut so. Trotzdem sollte man auf den Notfall vorbereitet sein." Deshalb rufen die Ehrenamtlichen auch dazu auf, einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen. "Viele kommen für den Führerschein in die Kurse oder auf dem Weg zum betrieblichen Ersthelfer", berichtet Schrenk. "Wir wollen aber auch die Leute erreichen, die nicht müssen, sondern freiwillig kommen." In neun Einheiten a 45 Minuten geht es in den Kursen vor allem darum, eine gewisse Routine zu erlangen und Unsicherheiten aus der Welt zu schaffen.

Gegenüber dem europäischen Ausland hat Deutschland massiven Nachholbedarf: In vielen Ländern sind es bis zu 70 Prozent, die im Notfall Reanimationsmaßnahmen durchführen. "Wir müssen uns nur trauen. Alles, was wir als Ersthelfer machen, ist das Richtige", ermutigt Zinsmeister.

Kristin Deibl
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