Python, Boa & Co in Bobingen

Reptilienfreunde zeigen an Samstagen in Bobingen ihre Tiere. Die Interessengemeinschaft will demnächst ein Gehege für einheimische Reptilien und Amphibien aufbauen.

Die Monokel-Cobra lugt aus ihrem Versteck hervor, züngelt und kriecht etwas nach vorne, um zu sehen, was sich vor ihrer Glasscheibe tut. Dagegen regen sich die beiden Grünen Baumpythons keinen Millimeter auf ihrem Ast. Sie sind in ihrer Ruheposition, werden aber bei Dämmerung aktiv und lauern dann ihrer Beute auf - in einem Privathaushalt in Bobingen.

Sie sind zu neunt und pflegen ein gemeinsames Hobby, sie halten Reptilien und treffen sich in Bobingen jeden Mittwoch bei ihren Tieren zum Arbeitseinsatz. Zur Finanzierung ihres Hobbys legen sie alle zusammen. Bis vor einigen Jahren hatten sie ihre Tiere in Batzenhofen, bis sie nun günstigerweise ihre Tiere am Arbeits- und Wohnort von Andreas Bandorf und dessen Familie in Bobingen unterbringen konnten. Am Haus weist ein Schild darauf hin, dass dort "Gefährliche Tiere" gehalten werden. In der 300 Quadratmeter großen Wohnung ist etwa die Hälfte für die Tiere reserviert. In 30 Terrarien halten sie ihre Lieblinge, dazu kommt ein großes Becken für zwei Kaimane und ein Becken für eine Geierschildkröte. In den selbstgebauten Terrarien leben Schlangen und Echsen. Verschiedene Würgeschlangen wie Boas und Pythons, auch Giftschlangen wie Diamantklapperschlange und Monokel-Cobra sind dort wohl verschlossen untergebracht - alles unter den Voraussetzungen, wie es Stadt, Landratsamt und die Untere Naturschutzbehörde für die Haltung solcher Tiere vorsieht und an Auflagen verlangt. "Die Auflagen sind streng", meint Bandorf zu Haltung und Sicherheit, denn das besondere ist nicht, dass solche Tiere in Privathaushalten gehalten werden, sondern dass die Interessengemeinschaft ihre Tiere der Bevölkerung zeigt. Samstags zwischen 12 und 16 Uhr ist die Sammlung der Öffentlichkeit bei freiem Eintritt zugänglich und jeder kann dort sicher die Tiere betrachten.

"Von uns sind immer welche da und geben Auskünfte zu den Tieren, zu Haltung und Pflege. Oft kommen auch Personen und wollen spezielle Fragen geklärt haben, da helfen wir natürlich gerne", erklärt Bandorf. Doch, betont er, manchmal kämen auch Menschen, die Tiere los werden wollen. "Wir sind keine Auffangstation oder ein Tierheim für ungewollte Reptilien und Amphibien, man soll uns auch keine Schachteln mit Tieren vor die Türe stellen. Aber falls jemand ein Tier abgeben will, sind wir gerne bei der Vermittlung behilflich. Hin und wieder kennen wir jemanden, der Tiere aufnimmt. Das Problem ist, wenn die Haltung einiger Tiere wie Boa, Python, Agamen und Leguanen gerade 'in' sind, denn da wollen auch leider manche schnell wieder ihre Tiere los werden", bemerkt er mit Nachdruck.

Star der Sammlung sei die Spornschildkröte Morla. Mit 25 Kilogramm Körpergewicht und etwa 60 Zentimetern Panzerlänge ist sie noch ein Jungtier, das die Geschlechtsreife noch nicht erreicht hat. Im großen Becken schwimmen zwei junge etwa fünfjährige Kaimane und warten auf Futter. Öffentliche Fütterungen werden aber nicht gezeigt, denn das hätte für die Interessengemeinschaft rechtliche Folgen, deshalb verlangen sie auch keinen Eintritt für ihre Schau und finanzieren sich selbst. Sie betonen immer wieder, dass die Sammlung nicht gewerblich ist. Will jemand etwas fürs Futter beisteuern, ist das natürlich möglich. Und auf dieses Futter warten gerade die Grüne Anakonda auf einem Ast, daneben ein Teppichpython und eine große weiß-gelbe Albino-Boa constrictor. Die Warane klettern teils auf ihren Ästen umher oder liegen unter den Wärmelampen.

Auf der Dach-Terasse will die Interessengemeischaft nun das Schildkröten-Gehege für die Griechischen Landschildkröten weiter ausbauen. Zusätzlich soll dort ein Areal entstehen für einheimische Reptilien und Amphibien, für Kreuzotter, Ringelnatter, Schlingnatter, Äskulapnatter, Eidechsen & Co, damit auch Kinder wieder diese schönen Tiere kennen lernen können, "und damit weg vom Computer kommen, um die Natur wieder zu entdecken", führt Bandorf die Gründe für den Bau der neuen Gehege an. "Wir wollen dann auch Schulklassen die Möglichkeit geben, uns zu besuchen und die Tiere kennenzulernen, etwas über ihr Leben und ihre Schönheit zu erfahren."

Der 45-Jährige kann sich noch gut daran erinnern, wie er als Kind mit seinem Vater bereits Eidechsen gefangen hat. "Ich bin immer mit Reptilien aufgewachsen", erklärt er seine Leidenschaft. "Wir haben auch immer Eidechsen, Schlangen, Frösche am Lech gesehen. Das war schön. Und die Reptilien und Amphibien gibt es dort immer noch, nur sehen und kennen sie die Kinder kaum mehr."

An Samstagnachmittagen kommen zwischen 20 und 70 Besucher zur Reptiliensammlung. Dann kommen Fragen auf: Was fressen sie, wie alt werden sie, sind sie gefährlich? Auf all diese Fragen haben die Eigentümer natürlich Antworten, sind immer gerne bereit sie zu beantworten und manchmal entwickeln sich rege Fachsimpeleien mit fachkundigen Besuchern.

Hin und wieder sind diese Hobby-Reptilienhalter auch der Polizei und Feuerwehr behilflich, wenn wieder mal ein Anruf kommt: "Da ist eine Klapperschlange im Garten!", was dann meist nur eine harmlose Ringelnatter oder höchstenfalls eine Kreuzotter ist, bei deren Beseitigung sie dann behilflich sind. Vor vier Monaten aber seien sie von der Polizei kontaktiert worden, denn in einem Supermarkt habe man eine Bananenspinne in einer Kiste entdeckt. "Da schleppten dann die Polizisten 50 Kilogramm Bananen an und tatsächlich fand sich in einer Kiste solch eine giftige Spinne. In den folgenden Wochen gab es bei uns viel Bananen zu essen - aber solche Fälle sind sehr selten."

Private Reptilienfarm Bobingen, Hans-Sachs-Straße 15, 86399 Bobingen, geöffnet samstags von 14 bis 16 Uhr, Eintritt frei.
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