Qualität fürs Quartier: Augsburger Studenten entwickeln Wohnungskonzepte

Die Absolventen Daniel Gottschall, Alexandra Off und Kevin Schwarzenberger haben das Gebiet hinterm Plärrer neu gestaltet. Gemeinsam haben sie ein Gesamtkonzept entworfen, und dann jeweils einzelne Gebäudekomplexe gestaltet.
Die Masterarbeiten sind fertig, die Präsentationen hinter sich gebracht – die Anspannung fällt von den Schultern der Studenten. Im abgedunkelten Raum sitzen sie anschließend mit ihren Professoren und diskutieren über ihre Entwürfe.

Augsburg wächst stetig, Wohnraum wird immer knapper. Vor diesem Hintergrund stellten die Studenten „die bisherigen Wohnungsbaustandards, das Wohnungsumfeld und die Wohnungsmischung auf den Prüfstand“. Durch andersartige Organisation des Wohnviertels und flexible Wohnungsstrukturen sollten sie – so die Aufgabenstellung – „das Habitat als Idee des städtischen Lebensraumes zukunftsfähig machen.“

Sieht man sich die Modelle an, so erkennt man, was damit gemeint ist: In den Wohnkomplexen gibt es viele Bäume, die Strukturen sind nach innen offen und bieten dort einen geschützten Raum zum Erholen für die Anwohner. Die Dächer können als Terrasse genutzt werden, viele Balkons sollen für ausreichend Licht sorgen. Ebenso steht vielseitige Nutzbarkeit im Fokus: Gewerbeflächen können Wohnkosten mittragen, auch Sozialbau ist in der Planung präsent.

„Es geht um Erreichbarkeit, um Vernetzung, man muss Kulturen und soziale Gruppen im Wohnen zusammenbringen, in besser gestalteten Spielplätzen, Cafés, Aufenthaltsorten für Senioren“, erklärt Peter Wossnig, Professor an der Fakultät für Architektur und Bauwesen der Hochschule Augsburg. Die Innenstadt habe zudem enorm an Attraktivität eingebüßt, außerhalb, am Stadtrand, seien Einkaufsgelegenheiten und Grünflächen, „die das Leben ja erst ausmachen“, leichter zu erreichen. Um die reiche Bevölkerung aus der Peripherie wieder in die Stadt zu holen, soll das Wohnen attraktiver und flexibler gestaltet werden: „Sport, Spiele und Freizeit ins Wohnen integrieren, und die Arbeit wieder näher ans Wohnen rücken“, beschreibt Wossnig einige Kernpunkte.

„Nur 30 Prozent sind klassische Familien“


Eine Anpassung des Wohnungsbaus an die tatsächliche Situation, das findet Wossnig längst überfällig. „Nur noch 30 Prozent sind klassische Familien. Die anderen Gruppen sind immer in Bewegung.“
Es herrsche ständige Fluktuation und Wechsel der Wohnungen. „Wir brauchen Viertel-Management“, fordert er. „Sonst weiß ja niemand, dass eine Wohnung, die gerade frei wird, seit langem von einer Studentin gesucht wird“, veranschaulicht Wossnig.

Ein Umdenken fordert auch die EU: Es werde zu viel Fläche versiegelt, auf dem Land rund 70 Quadratmeter pro Person. In den Städten, die durch die Industrialisierung gewachsen sind, könne man von sieben bis zehn Quadratmetern Versiegelung pro Person ausgehen.

Letztlich entscheide auch die Kultur und die Denkweise der Menschen darüber, ob man sich an seinem Wohnort wohlfühle oder nicht. „Die Industrie ist nicht mehr laut, es gibt eine humane Arbeitskultur – man muss Städte neu vernetzen, man kann auf Verkehr verzichten“, entwirft Wossnig eine Vision für die Zukunft. Der Aspekt Mobilität spielte ebenfalls eine Rolle in der Aufgabenstellung für die Masterarbeiten.
Aber, so erklärt Wossnig: „Die Arbeiten sind isolierte Statements, die zur Debatte beitragen sollen.“

In ihren Projekten hatten die Studenten die Gelegenheit, frei von Maßgaben ein neues Wohnen in Augsburger Vierteln zu entwerfen. Für die Jakober Vorstadt und das Gelände hinter dem Plärrer, zwischen Wertach und Langemantelstraße, wurden Konzepte entwickelt und in Miniatur aufgebaut. Die Gebiete verknüpfen, eine Symbiose schaffen – so beschreiben die drei Studenten eines gemeinsamen Projekts ihre Ziele.

Das Plärrergelände umgestalten


Konkret bedeutet das für das Dreieck hinter dem Plärrer: Eine Brücke von West nach Ost, um die Langenmantelstraße leichter überqueren zu können, erklärt Kevin Schwarzenberger. Sie soll eine Symbiose der umliegenden Gebiete schaffen, ergänzt Alexandra Off. Die Brücke würde das Viertel anbinden an Märkte, die hinter der Wertach stattfinden, und gleichzeitig die Innenstadt näher heranholen. Beides wichtige Faktoren für die Wohn-Qualität. Gegen die große leere Fläche des Plärrers wollen sie sich mit Bäumen abgrenzen, es soll ein Wohnen im Grünen werden.

Wossnig schwärmt indes von Wien, Salzburg, Paris und Amsterdam. Diese nennt er als Beispiele für innovative Städte, wo Fahrräder und Fußgänger bereits viel mehr berücksichtigt würden. Sein Fazit: „Andere Städte sind uns bei städtebaulichen Maßnahmen weit voraus."
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