Qualität statt Quantität: Sprecher des BUND Naturschutz im Gespräch mit Landwirten

(Foto: Dr. E. Pfeuffer)

Auf Einladung des BUND Naturschutz, Kreisgruppe Augsburg, referierte Stephan Kreppold, Sprecher des BUND Arbeitskreises Landwirtschaft in Bayern und Bio-Bauer aus Wilpersberg im Landkreis Aichach-Friedberg zum Thema „Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Masse und Qualität.

Kreppold kritisierte einige Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft. So sind viele Böden durch die Achslasten immer schwererer Maschinen verdichtet und können nur durch entsprechende Düngergaben ihre Ertragsfähigkeit erhalten. Insbesondere die intensive Stickstoffdüngung führt zu einer Nitratanreicherung im Grundwasser. Deshalb hat die Europäische Union ein Verfahren gegen Deutschland wegen Nichteinhaltung der Nitratschutzrichtlinie angestrengt. Defizite in der Tierhaltung sieht Kreppold vor allem bei Schweinen und Geflügel. So sehen Schweine in den meisten Ställen nie den freien Himmel. Die harten Vollspaltenböden, auf denen die Schweine liegen müssen, führen zu schmerzhaften Schleimbeutelentzündungen. Bei rund 70 Prozent aller Mastschweine haben Wissenschaftler bei der Schlachtung Gelenkentzündungen festgestellt. Die immer noch steigenden Tierzahlen in den Betrieben sind nur mit Hilfe von Sojabohnenimporten zu ernähren. Auch in der Rinderfütterung wird immer mehr Kraftfutter eingesetzt. Entgegen der Werbebilder, die grasende Kühe auf der Weide zeigen, leben Kühe heute ganzjährig im Stall und erhalten kein frisches Grünfutter mehr.
Kreppold sieht im ökologischen Landbau die bestmögliche Annäherung an eine nachhaltige Landwirtschaft. In der Tierhaltung gehen „Neuland-Betriebe“ noch über die Anforderungen des ökologischen Landbaus hinaus. Um das Sterben der Bauernhöfe aufzuhalten müsste sich auch eine Änderung der Förderung von landwirtschaftlichen Betrieben ergeben. Dass Großbetriebe deutlich mehr Fördermittel bekommen als kleine Bauernhöfe fördert den Strukturwandel und doch führt ein Wachstum der noch verbleibenden Betriebe nicht dazu, dass ein wirtschaftliches Überleben gewährleistet ist.
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