Rätselraten um den Käufer der 70 Weltbild-Läden

Weltbild verkauft 70 seiner Filialen. Die Mitarbeiter würden vom neuen Eigentümer übernommen, heißt es. Foto: Tabitha Assner

Weltbild verkauft circa 70 seiner Filialen. Der Abnehmer stehe bereits fest, es soll sich um eine mittelständische Buchhandelskette aus Ahaus handeln. Doch in der 38.000-Einwohnerstadt westlich von Münster weiß man nichts von einem Unternehmen dieser Größenordnung.

Der Weltbild-Verlag will sein stationäres Geschäft auf derzeit rund 75 Filialen in Deutschland begrenzen. Das teilte der Verlag am Freitag in einer Presseerklärung mit. Das heißt, dass "circa 70 Filialen aufgrund zu hoher Struktur- und Mietkosten verkauft werden".

Käufer der Filialen sei eine mittelständische Buchhandelskette aus Ahaus, schreibt Weltbild kryptisch. Laut Google gibt es eine Stadt namens Ahaus in Deutschland nur einmal. Aarhus in Dänemark kann es ja auch kaum sein - schreibt sich ja anders. Also Ahaus in Nordrhein-Westfalen. Eine große Kette, die Bücher vertickt, spuckt die Suchmaschine dort allerdings nicht aus. Also ran ans Telefon.

"Ich weiß jetzt nicht, um welche Kette es sich da handeln sollte", sagt Christoph Almering, Pressesprecher der Stadt westlich von Münster. "Wir sind eine Stadt mit 38.000 Einwohnern, eine Buchhandelskette, die 70 Filialen von Weltblid kauft, würde hier auffallen", meint er. "Der größte Buchhändler ist die Weltbild-Handlung in der Fußgängerzone", erklärt Alming. Auch bei der Münsterländer Zeitung herrscht Rätselraten. Nein, hier gebe es nur Weltbild, heißt es.

Doch es handelt sich um dieses Ahaus, bestätigt die Pressestelle von Weltbild. "Dass das Unternehmen dort sitzt, ist damit nicht zwingend verbunden", relativiert Sprecherin Eva Großkinsky jedoch. Um welches Unternehmen es sich genau handelt, will sie noch nicht verraten. Der Käufer habe darum gebeten. Bis Freitagnachmittag solle aber bekanntgegeben werden, wer die Filialen übernommen hat.

Mit dem Schritt, sich von den Läden zu trennen, wolle Weltbild seine bestehen bleibenden Standorte stärken. "Zusätzlich sollen im kommenden Geschäftsjahr etwa zehn neue Filialen an interessanten Standorten eröffnet werden und in den Folgejahren jährlich etwa zehn weitere Filialen hinzukommen", heißt es in dem Schreiben weiter.

Die Mitarbeiter, die von dem Verkauf betroffen sind, würden von dem neuen Eigentümer im Rahmen eines Betriebsübergangs unter Fortführung ihrer bestehenden Arbeitsverträge übernommen, verspricht Weltbild.

Der Verkauf stehe jedoch unter Vorbehalt, da die Gremien und der Gesamtbetriebsrat von Weltbild Plus noch zustimmen müssen.

"Alle Schritte wurden frühzeitig zusammen mit dem Gesamtbetriebsrat von Weltbild Plus sehr konstruktiv beraten und mündeten in einem für alle Parteien tragfähigen Interessenausgleich", erklärt der Verlag. Die Mitarbeiter seien bereits über den Verkauf informiert worden.

"Mit diesem Schritt stellen wir eine Säule unseres Geschäfts - das Filialnetz - für die Zukunft neu auf. Weltbild legt damit eine solide Grundlage für eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung und macht den Weg frei für eine gesicherte Zukunft ", lässt sich Weltbild Geschäftsführer Patrick Hofmann in der Pressemitteilung zitieren. "Der Verkauf eines Teils der Filialen war unumgänglich, da sich unsere Erwartungen an die Entwicklung des Geschäfts an einigen Standorten aufgrund zu hoher Struktur- und Mietkosten nicht erfüllt haben."

Die Veränderungen im Bereich des Weltbild-Filialgeschäfts in Deutschland haben keine Auswirkung auf die Auslandsbeteiligungen sowie alle weiteren Gesellschaften der Weltbild-Gruppe.

Zurück nach Ahaus: Umgehend nach der ersten Pressemeldung trudelte eine zweite ein. "Gute Nachrichten für die Bücherfreunde in Ahaus: Die Weltbild-Filiale ist nicht vom Verkauf betroffen und weiter für die Kunden da." Das wird auch Pressesprecher Alming gerne hören.
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