Raum für Emotionen

Am 9. November startet die Bürgerbeteiligung zur Theatersanierung (Foto: Archiv)

Die Bürger dürfen mitreden. Ob sie auch abstimmen dürfen, ist noch nicht klar. Am Montagabend stellte die Stadtspitze den geplanten Beteiligungsprozess zur Theatersanierung vor. Bis März soll ein Konzept zur „Zukunft der Theaterlandschaft“ stehen.

Einen ersten Eindruck hat Tina Gadow schon bekommen von den Augsburgern. Sie gehört mit Bastian Lange und Patrick Föhl zum dreiköpfigen Moderatorenteam, das den Beteiligungsprozess begleiten wird und sich am Wochenende gegen Anfeindungen von Sanierungskritikern zur Wehr setzen musste (wir berichteten). Doch Gadow ist ganz Diplomatin und klammert das unerfreuliche Ereignis aus. „Für mich beginnt der Beteiligungsprozess am 9. November, nicht früher und nicht später“, hält sie fest. Sie wolle mit allen beginnen. Zur Auftaktveranstaltung am Montag, 9. November, 19.30 Uhr, sind alle Interessierten in die Brechtbühne eingeladen. Neben Vorträgen der drei Moderatoren zum Prozess an sich, spricht auch Peter Spuhler Generalintendant am Staatstheater Karlsruhe. Ihm war in seiner Zeit in Heidelberg das Theater aufgrund von Baumängeln zugesperrt worden, worüber er in seinem Vortrag berichten wird.

Weiter geht der Prozess am 10. und 11. November mit zwei Workshops. Hier soll in Gruppen der Frage nach der Zukunft der Theaterlandschaft nachgespürt werden. Ganz bewusst sei hier nicht nur Platz für Argumente, sondern auch für Emotionen, für Ängste und Sorgen, betont Gadow. „In der Gruppenarbeit relativieren sich viele Kritikpunkte“, so die Moderatorin. Die Kritik stehe nicht als Wahrheit im Raum und es könne auf sie direkt reagiert werden. Sie hofft aber, über die Beteiligung eine breitere Akzeptanz für die Sanierung an sich zu erzeugen. Viel Misstrauen entstehe, weil man es nicht besser weiß.

Die ersten beiden Workshops münden in einer Präsentation der Ergebnisse. Gadow ist es wichtig, dass der gesamte Vorgang mit dem Ergebnis dokumentiert werde. Gleichwohl weiß sie, dass sie damit nicht alle Kritiker zum Einlenken bewegen kann. „Es wird vielstimmig bleiben.“

Weitere Workshops sind für Januar und Februar 2016 geplant. Parallel dazu führen die Moderatoren Gespräche zur Theaterlandschaft mit verschiedenen Experten aus Augsburg und der Region. Gadow erklärt, dass sie dafür Multiplikatoren aus unterschiedlichen Bereichen auswählen, etwa auch Kirchen und Vereine. Aber auch externe Experten kommen zu Wort. In einer Großveranstaltung sollen Theaterspezialisten von nationalem und internationalem Rang ihre Einschätzung zur Augsburger Situation kund tun. Im März 2016 schließlich soll ein Abschlussbericht im Stadtrat folgen.

Unter der Aufsicht des Baureferenten Gerd Merkle läuft nebenher der weitere Planungsprozess für die bauliche Ausführung. Auch hier muss Merkle mit Missverständnissen kämpfen. „Vor dem Beschluss zur Genehmigungsplanung ist der Bürgerbeteiligungsprozess abgeschlossen“, stellt er klar, dass jederzeit Ideen etwa aus den Workshops in die baulichen Planungen mit einfließen können.

Als Störfaktor könnte sich dagegen ein angestrebter Bürgerentscheid zur Theatersanierung entpuppen. Die Ausschussgemeinschaft aus Freien Wählern, Linken, ÖDP und Polit-WG hatten angekündigt, einen Antrag auf ein Ratsbegehren am Donnerstag im Stadtrat zu stellen. Die Bürger sollen über die 189 Millionen Euro teure Theatersanierung abstimmen. OB Kurt Gribl bestätigt, dass ihm ein Antrag vorliege, den man entsprechend verstehen könne. Weil er aber keine Dringlichkeit in der Sache sehe, sei er dafür, dass sich erst die Fraktionen und Ausschussgemeinschaften mit dem Antrag intern auseinandersetzen dürfen. Eine Abstimmung über ein Ratsbegehren wird es am Donnerstag vermutlich nicht geben.

von Markus Höck
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