Reservierungen im Fugger-Express: Droht nun der Kampf um die Sitzplätze?

Reservierungen im Fuggerexpress sollen bald möglich sein. Foto: Markus Höck

Aufmerksame Bahnreisende nach oder aus Augsburg haben es schon bemerkt: Seit kurzem gibt es in den Zügen des Fugger-Express eigene Reservierungsbereiche. Noch steht dieser neue Service allerdings nicht zur Verfügung.

Auf Nachfrage bestätigt ein Sprecher der Deutschen Bahn: "Seit 2011 gibt es auf ausgewählten Teilnetzen bereits Reservierungen für Abokunden. Ab 2017 bieten wir dies auch für Einzelsitzplätze auf ausgewählten Teilnetzen für Individualreisende am Automaten an. Das Netz des Fugger-Express wird in der zweiten Jahreshälfte 2017 aufgenommen." Bis dahin würden die Aufkleber in den Zügen angebracht, um die Sitzplätze entsprechend zu kennzeichnen.

Wünschen sich Pendler tatsächlich Reservierungsmöglichkeiten?

"Die Deutsche Bahn sieht die Sitzplatzreservierung im Regionalverkehr als zusätzlichen, auch von zahlreichen Fahrgästen gewünschten Service an", so der Bahnsprecher. Doch Jörg Lange vom Fahrgastverband Pro Bahn sieht das etwas anders. Grundsätzlich sei nichts dagegen einzuwenden, wenn sich die Eisenbahnverkehrsunternehmen Gedanken darüber machen, wie sie insbesondere den Stammkunden mit Abo-Fahrkarte oder Jobticket die Fahrt angenehmer gestalten können. Aber: "In unseren Fahrgastworkshops Ende 2015 bis April 2016, in denen wir mit Kunden über die Ausstattung zukünftiger Züge diskutiert haben, hat es ein Reservierungssystem nicht auf die Anforderungsliste geschafft. Da waren Pünktlichkeit und ein ausreichendes Angebot bequemer Sitzplätze für alle Reisenden viel, viel wichtiger", erklärt Lange. Und er warnt: Aus dem Fernverkehr wisse man, dass ein Reservierungssystem auch schnell zu Frust führe, etwa wenn wegen Verspätungen oder Fahrzeugmangel der reservierte Platz nicht vorhanden sei.

"Gerade bei einem fehlenden Zugteil wird es sehr problematisch: Welche Reservierungen fehlen dann? Die aus dem ersten, zweiten, dritten oder vierten Wagen? Wie soll der Kunde das ohne Reservierungsanzeige und Wagennummer feststellen? Die Züge sind dann ohnehin überfüllt und Streit ist programmiert", ist Lange überzeugt.

Fixe Reservierungen passen nicht zu flexiblen Arbeitszeiten

Genauso problematisch sei dieses System für Fahrgäste ohne Reservierung. "Wenn der Platz nach der Abfahrt in München frei bleibt und ich mich dort hinsetze, wird das zum Roulette. Eventuell werde ich in Pasing wieder vom Platz verwiesen", schildert Lange. Hinzu komme folgendes Problem: "Können viele Berufstätige morgens noch planen, wann sie in die Arbeit fahren, ist es in der heutigen Arbeitswelt immer schwerer zu wissen, wann man wirklich aus der Firma rauskommt. Das Reservierungssystem verlangt aber, dass sich der Kunde auf einen Platz zu einer Uhrzeit, mit Ausnahme des Freitags, festlegt.

Eine dauerhafte Sitzplatzreservierung soll 40 Euro im Jahr, Einzelplatzreservierung pro Fahrt und Person 1 Euro kosten.
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3 Kommentare
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Toni Turnwald aus Muhr am See | 21.06.2017 | 11:42  
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I.- M. Alefelder aus Augsburg - City | 21.06.2017 | 13:09  
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Sebastian Summer aus Aystetten | 23.06.2017 | 20:03  
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