Rockend in den Sonnenuntergang

Das Baseballschlägermikrofon verlieh dem Auftritt von Alexander Wohnhaas in Mühldorf den nötigen Schwung. Foto: Florian Handl

Der Augsburger Sänger Alexander Wohnhaas begleitet mit seiner Münchner Band Megaherz Unheilig auf ihrer Sommer-Abschiedstournee.

Es war ein schwülwarmer Sommerabend auf der Mühldorfer Rennbahn. 8.500 Menschen campierten gut gelaunt auf ihren Decken, saßen auf den Tribünen oder standen an einer der zahlreichen Essens- und Getränkebuden an. Die Besucher waren bunt gemischt durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Dort die Familie mit ihren kleinen Kindern, ein paar Meter weiter mehrere Gruppen Jugendlicher und daneben ein Rentner-Ehepaar – es herrschte Volksfeststimmung. Alle warteten gespannt auf den Star des Abends – der Graf und seine Band Unheilig. Mühldorf war Teil der Unheilig-Abschiedstournee und steht im Sommer-Open Air Kalender.

Plötzlich wurden die Besucher von lauter Musik mit aggressiven Klängen aus ihrer Idylle gerissen. Der Frontmann der Band Megaherz, Alexander Wohnhaas alias Lex , stürmte zu den Klängen von „Jagdzeit“ mit einem Baseballschläger bewaffnet auf die Bühne. Das Publikum wirkte wie elektrisiert und begann im Rhythmus des Songs mit zuwippen – sogar die Familien mit ihren Kindern.

Hatten die denn alle nicht den Artikel in der Regionalzeitung gelesen? Der Autor hatte alle Eltern aufgefordert während des 30 minütigen Auftritts von Megaherz ihren Kindern Augen und Ohren zuzuhalten – damit die nicht von der Horrorshow verängstigt werden. Im Vorfeld des Konzerts gab es nach dem Artikel in der Lokalzeitung eine kontroverse Diskussion im Netz, die sich nach der Presse-Ente „Der Graf prüft Megaherz Texte auf Jugendfreiheit“ zu einem viralen Shitstorm in den sozialen Netzwerken entlud. So dass sichMegaherz und Unheilig gezwungen sahen ein Dementi zu veröffentlichen.

Unbeeindruckt von der Diskussion im Vorfeld spielte die Band im Zwielicht des Sonnenuntergangs die Titel ihres aktuellen Albums „Zombieland“. Die Songs wie „Himmelsstürmer“ und „Für Immer“ zogen das Publikum in den Bann und bereiteten die Stimmung für den Auftritt von Unheilig. Apropos, das Mordinstrument – der Baseballschläger – entpuppte sich als Mikrofonständer.

Kurz bevor die Sonne endgültig untergegangen war betrat der Graf die Bühne. Seinem Auftritt ging eine Video-Show aus seinem aktuellen Album Gipfelstürmer voraus. Der Graf war braun gebrannt und wirkte während seiner zweistündigen Show völlig entspannt – so kann wohl nur einer auftreten der mit sich und seinem angekündigten Karriereende im reinen ist. Ohne den Druck ein neues Albumkreieren zu müssen, hatte er auf der Bühne einfach Spass. Seine Lockerheit riss das Publikum mit und machte das Konzert zu einem tollen Abend für alle Besucher.
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