Sanierung ist auf den Weg gebracht

Die Luxusvariante ist zu teuer: Gestern stellte Architekt Walter Achatz seine abgespeckte Version der Theatersanierung im Stadtrat vor. Der eigene Bau für die Orchesterproben (rechts neben dem Großen Haus) fällt weg. Auch das Penthouse auf dem Dach des Neubaus wurde gestrichen. Foto: David Libossek Foto:

Ein wichtiger Schritt zur Generalsanierung des Theaters Augsburg ist getan. Gestern hat der Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause die Ertüchtigung des Großen Hauses in den nächsten Planungsabschnitt geschickt. Die gute Nachricht: Das Projekt wird billiger.

Mit Gesamtkosten von 235 Millionen Euro hatte Architekt Walter Achatz zu Beginn der Sanierungdebatte die Augsburger geschockt. Mittlerweile wurde gerechnet, gestrichen und gespart. 189 Millionen Euro Baukosten sind der aktuelle Stand - zuzüglich zehn Millionen Euro für den Interimsbetrieb und noch einige weitere Posten, deren Dimension noch gar nicht abschätzbar ist.

Achatz war gestern in den Stadtrat gekommen, um den aktuellen Planungs- und Kostenstand vorzustellen. Wie sich rasch zeigte, sind nicht allein die Baukosten im Fluss. Auch über das Raumkonzept wird noch ausführlich diskutiert werden müssen. Lediglich für den Bauteil I, der das Große Haus umfasst, ist es gestern deutlich konkreter geworden.

Die Fachplaner haben nun den Auftrag erhalten, eine Entwurfsplanung für das Große Haus zu machen. Wie Architekt Achatz darstellte, konnte er hier die Gesamtkosten etwas drücken. Statt der ursprünglich veranschlagten 119,4 Millionen Euro rechnet er nur noch mit 113,5 Millionen Euro - wohlgemerkt inklusive eines Puffers von 22,7 Millionen Euro. So sollen böse Überraschungen in Form von Baukostensteigerungen ausgeschlossen werden. Gespart hat Achatz unter anderem bei der Bühnentechnik, 2,5 Millionen Euro macht das aus. "Es wird kein Tonstudio geben und keine zusätzliche Beleuchtung", erläuterte der Architekt. Geplanter Starttermin für den Umbau des Großen Hauses bleibt der Januar 2017.

Den größeren Brocken an Einsparungen will Achatz in Bauteil II legen, dem Neubau auf dem Theaterareal hinter dem Großen Haus. Durch massive Umplanungen der Raumnutzung - so soll etwa die Deckenhöhe der Werkstätten verringert werden, um ein weiteres Zwischengeschoss einziehen zu können - hat Achatz auch hier die Gesamtkosten gesenkt, und zwar deutlich von 102,5 Millionen Euro auf 75,3 Millionen Euro. Unter anderem fällt auch das "Penthouse" weg, in das die Verwaltung ziehen sollte. Noch nicht berücksichtigt in den geringeren Kosten ist, dass für die Orchesterprobe kein Neubau entstehen soll. "Der Pfeil zeigt nach unten, was die Kosten anbelangt", lobte OB Kurt Gribl.

Noch bleiben einige Unsicherheiten, etwa die Archäologie. Laut Baureferent Gerd Merkle hätten erste Gespräche mit der Stadtarchäologie und dem Landesamt für Denkmalpflege bereits stattgefunden. Aber er gab im Stadtrat zu, dass Dauer und Kosten für die Archäologie "nur grob einschätzbar" seien. Zur Erinnerung: Die Brecht-Bühne war seinerzeit bewusst auf Mikrobohrpfähle gegründet worden, um eine archäologische Untersuchung zu vermeiden. Die Experten erwarten eine sehr hohe Funddichte in dem Areal.

Über die Brecht-Bühne selbst wird ebenfalls noch heftig diskutiert werden. Das als Interimsbau konzipierte Schauspielhaus verhindert laut Achatz die Nutzung von 4000 Quadratmetern Fläche - allein schon, weil die Brecht-Bühne nicht unterkellert ist. Doch nicht alle im Stadtrat wollen sich vom "Container" trennen.

Spannend - und kostspielig - wird auch die Interimszeit selbst. Während das Musiktheater in der Kongresshalle unterkommt, schwebt Kulturreferent Thomas Weitzel für das Schauspiel und die Werkstätten das Gaswerk als vorübergehende Bleibe vor - auch im Hinblick auf einen Umzug des Kulturparks West dorthin. "Das Theater könnte ein Außenbordmotor für das Gaswerk werden", erhofft sich Weitzel Impulse für die Etablierung des Gaswerks als kulturellen Schwerpunkt. Als Kostenrahmen für die Interimszeit sind derzeit zehn Millionen Euro veranschlagt.

Auch wenn viele Details noch zu klären sind, ist die Generalsanierung auf einem guten Weg, nicht zuletzt dank der Förderzusage aus München über 107 Millionen Euro. Mit sechs Gegenstimmen stimmte der Stadtrat gestern dafür, dass der eingeschlagene Kurs beibehalten wird.

von Markus Höck
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