Schotter bei die Fische

Ein Radlader kämpft im Lech gegen die Verflinzung: 1000 Tonnen Granit und 1500 Kies sollen helfen. Foto: David Libossek
An der Lechbrücke im Augsburger Stadtteil Hochzoll stoppen Passanten und Radler gleichermaßen gebannt am Geländer und blicken hinab auf den Lech. Dort wuchtet sich wieder und wieder ein Radlader in die Fluten und kämpft sich durch den Fluss. Es ist ein durchaus spektakulärer Hilfseinsatz: Denn der Lech und seine Bewohner sind von Verflinzung bedroht.

Äsche, Nase, Barbe, Huchen. Diesem Quartett gehören entgegen der Namen nicht vier bisher unbekannte Verwandte der Sieben Zwerge an. Die Vier sind Fischarten. Letzterer ist hat gerade einen Preis gewonnen: Er wurde als Fisch des Jahres 2105 gekürt. Doch diese Auszeichnung bringt dem bis zu 1,50 lang wachsenden Flussbewohner wenig im Kampf ums Überleben. Denn der Unterwasserriese ist vom Aussterben bedroht. Er teilt sich seinen Platz auf der Roten Liste gefährdeter Arten mit dem Tiger und dem Pandabär.

Ein Problem des Huchen: Er ist Kieslaicher. In vom Menschen beeinflussten Flüssen allerdings mangelt es oft an Steinen auf der Sohle. Sie werden stellenweise fortgespült, etwa während eines Hochwassers. Aus dem Gebirge kommt zu wenig nach - was vor allem durch Staustufen bedingt ist. Dann passiert das, was der Experte Verflinzung nennt.

Ein Fachmann ist der Flussmeister des Stadtgebiets Augsburg, des dazugehörigen Landkreises sowie Aichach-Friedberg, Andreas Wittkopf. Seine Dienststelle des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth geht gerade gegen einen akuten Fall von Verflinzung vor. Gleich unterhalb des Eisenbahnwehrs im Augsburger Stadtteil Hochzoll kämpft sich daher mal schwermütig, mal erstaunlich grazil ein gelber Schaufellader durch das grünblaue Wasser. Wenn er heute seine letzte Ladung in den Lech schüttet, "werden wir mit 1000 Tonnen Granitsteinen und 1500 Tonnen Flusskies das Deckwerk stabilisiert haben", erklärt Wittkopf die gewaltigen Dimensionen.

Denn nicht nur die Fauna, auch die Flusssohle leidet darunter, wenn auf dem porösen Flinz die Schutzschicht fehlt. Der Lech wird auch deshalb renaturiert. Dafür ist das Projekt "Licca liber", also "freier Lech" angerollt. Die Vergabeverfahren laufen bereits. Dann wird an Flussabschnitten entweder verbreitert oder eben wie nun in Augsburg eine weitere Deckschicht aufgetragen, um dem Gewässer seine natürliche Struktur zurückzugeben.

Gar nicht so leicht, erläutert Steve Gallasch, Leiter der Abteilung Augsburg des Wasserwirtschaftsamtes: "Beide Module interagieren miteinander", sagt er. Darum muss nun noch eine Studie klären, wie sich eine Maßnahme anderswo auf den Fluss auswirkt. "Ein gutes Jahr, vielleicht eineinhalb", schätzt Gallasch die Zeit bis zum konkreten Start. Je früher, desto besser, würde wohl der Huchen hinzufügen.
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