Schüler: "Wir wollten nicht wegsehen"

Die Klasse 9a des Gymnasiums Friedberg war in der Augsburger Wärmestube zu Gast. Foto: oh
Ob die Würde des Menschen wirklich unantastbar ist, fragen sich Schüler des Gymnasiums Friedberg nach ihrem Exkursionstag und einem Besuch in der Augsburger Wärmestube.

Die Menschen sehen sie. Und doch laufen sie vorüber, würdigen sie oftmals nicht. Leugnen aber kann niemand von ihnen, sie gesehen zu haben: Es geht um die Menschen, die am Straßenrand sitzen, nichts besitzen. Sie werden gesehen und doch nicht gesehen. Aber eine Organisation in Augsburg will dagegen etwas unternehmen: Der Sozialverbund katholischer Männer (SKM) in Augsburg, insbesondere der Förderverein Wärmestube. "Jeder hier hat einen Grund, wieso er hier ist", erfuhren wir, die Klasse 9a des Gymnasiums Friedberg, als wir unseren Exkursionstag dort verbrachten.

Wir wollten nicht wegsehen, wo viele wegsehen. Wir wollten der Wahrheit ins Gesicht sehen und haben deswegen dem SKM einen Besuch abgestattet. Um 10 Uhr öffnete die Wärmestube. Hier können die Menschen täglich herkommen, essen und sich einfach unterhalten. Was für uns alle selbstverständlich scheint, ist für viele dieser Menschen ein Lichtblick am Horizont: jemanden zum Reden haben, sich gewürdigt und akzeptiert fühlen. Um der Wärmestube etwas zu helfen, hat unsere Klasse gesammelt: Mehrere Pakete und Tüten voller Lebensmittel und Kleidung, vor allem für Kinder. Gemeinsam haben wir sie Elisabeth, der Leiterin der Küche und Kleiderkammer, übergeben, der man die Freude über die Mitbringsel deutlich ansah.

Obwohl jeder von uns nicht viel dazugetan hat, konnten wir als Gemeinschaft doch helfen. Und das nicht nur Erwachsenen, sondern auch Kindern, deren Familien nicht genug Geld für Essen haben. Rentner, die wegen Stromkosten, Miete und sonstigem nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um Essen zu kaufen, sind ebenso willkommen in der Wärmestube. Im Keller sind zudem eine Waschmaschine und Duschen installiert, damit die Menschen sich auch frisch machen können, wenn warmes Wasser zu teuer ist. Und wenn das Geld nicht einmal für neue Kleidung reicht, wenn die alte zerschlissen und ausgebleicht ist, dann hilft der SKM auch mit einer Kleiderkammer.

Dort bekommen Menschen, die es wirklich brauchen, eine neue Hose, neue Schuhe, ein neues Oberteil. Auch für Kinder liegt Kleidung bereit, sogar für die ganz Kleinen. Doch, dass es genug ist, dass es ausreicht, kann man nicht sagen. Es gibt zu viele Menschen, die Hilfe benötigen. Und es sind viel zu viele, als dass eine Organisation für alle sorgen könnte. Aber der Förderverein leistet großartige Arbeit. Erst seit Kurzem gibt es das Streetwork-Sani-Mobil des SKM, vom Förderverein gesponsert. Ein Kleinbus, der durch die Stadt fährt, mobiles Streetwork leistet und an den Brennpunkten in Augsburg hilfsbedürftige Menschen aufliest. Ein Computer, Schlafsäcke und medizinische Versorgung sind im auf den ersten Blick unscheinbaren Bus untergebracht. An kalten, harten Wintertagen ist das SKM Mobil vermehrt unterwegs, wenn es für die Menschen noch schwerer ist als in den anderen Jahreszeiten.

Ein Teil unserer Klasse durfte eine Runde mitfahren - und sehen, wie sehr sich die Menschen über die Hilfe freuen. Der Rest unserer Klasse half in der Küche.

In der Kleiderkammer gab es auch viel zu tun: Einige Mädchen halfen, Kleidung zusammenzulegen und Unbrauchbares auszusortieren. Hilfe konnte überall gebraucht werden.

In der Wärmestube arbeiten alle Menschen ehrenamtlich. Der Förderverein ist auf Spenden angewiesen, um die Wünsche der Bedürftigen in der Einrichtung erfüllen zu können. Und wenn man einmal gesehen hat, wie sehr sich die Mitarbeiter der Wärmestube für Hilfsbedürftige einsetzen, spendet man gerne. Aus diesem Grund plant unsere Klasse ein Projekt: Da in der Küche keine Kühlung für beispielsweise belegte Semmeln vorhanden ist - was im Sommer durchaus problematisch wird - wollen wir an unserer Schule dafür eine Geldspende organisieren. Wenn jeder Schüler, jeder Lehrer nur einen Euro gibt, sind schnell über tausend Euro beisammen. Das ist ein Paradebeispiel dafür, dass eine kleine Geste viel bewirken kann.

Jessica Asam, Klasse 9a am Staatlichen Gymnasium Friedberg
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