Schwarz-Weiß ist nur die Optik: So vielfältig wird das kommende Brechtfestival

Das Gastspiel "Der gute Mensch von Sezuan" wird vom Theater Bremen im Rahmen des Brechtfestivals am 25. Februar im Martini-Park aufgeführt. (Foto: Theater Bremen)

Ganz monochrom sind die Plakate, Flyer und Programmhefte des diesjährigen Brechtfestivals gestaltet. Kontraste bestimmen in 2018 auch das Thema der Veranstaltung, die unter dem Motto: „Egoismus versus Solidarität“ steht. Das Ziel sei, Denkanstöße Brechts zu diskutieren und mit dem Jetzt zu verbinden: „Aktueller könnte dieses Motto kaum sein“, formuliert es Thomas Weitzel, Kulturreferent der Stadt Augsburgs, zu Beginn der Pressekonferenz.

Die mit rotem Teppich ausgelegte Brechtbühne ist dramatisch beleuchtet und bietet eine passende Kulisse für Patrick Wengenroth, der als Festivalleiter des Events durch das Programm führt. „Ich dachte, das Brechtfestival 2018 würde überschaubarer werden“, beginnt er und erntet damit Gelächter. Denn ein Blick auf das Kalendarium zeigt, wenn das Programm in diesem Jahr eins ist, dann nicht „überschaubar“. An zehn Tagen können Besucher fast 40 Theaterstücke, Lyrik-Abende und Musik-Performances genießen, die garantiert nicht so zweitönig wie der diesjährige Look des Festivals sein werden.
Neben den schwarz-weißen Plakaten, die schon jetzt überall in Augsburg zu entdecken sind und welche die Worte „Ich“ und „Wir“ in groben Pinselstrichen zeigen, ist das Brechtfestival auch digital präsent. Auf www.brechtfestival.de können ab sofort Tickets zu allen Veranstaltungen erworben werden, zusätzlich ist hier auch das komplette Programm einsehbar. Zudem hat „Roy“-Preisträger Bruno Tenschert einen dreiteiligen Trailer gestaltet, der auf das Festival hinführend erscheinen wird. Eine „dermaßene Vermittlungs-Offensive“ nennt Wengenroth, der das Festival bereits zum zweiten Mal leitet, die diesjährige Marketing Strategie.

Das Programm umfasst in diesem Jahr nahezu 40 Veranstaltungen

„Bei Wengenroth die Länge droht“, warnt er kurz danach, bevor er beginnt durch die einzelnen Programmpunkte zu führen. Eröffnet wird die Veranstaltung am 23. Februar mit der Premiere von Brechts „Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer“ im Martini-Park. Intendant André Bücker bedankte sich für die gute Zusammenarbeit. „Da ist Euch wirklich etwas Tolles gelungen“, lobte er den Festivalleiter. Das Stück, das in 1918 spielt, hat nicht nur durch das Gedenkjahr in 2018 aktuellen Bezug, der Werdegang des Protagonisten Fatzer spiegelt den Gedanken des selbstsüchtigen Handelns und dessen Auswirkungen wider. „Wie können wir uns in diesen Zeiten solidarisch und menschlich verhalten“, sei eine Frage, die die Darbietung aufwerfen solle, formulierte es Weitzel zuvor.

Um die Frage „Brauchen wir mehr Egoismus“ oder ganz im Gegenteil geht es in einer Podiumsdiskussion in der Brechtbühne. „Das Abc der Solidarität – Ich glaub nicht was ich denk“ sei angewandte Literatur. Drei Autorinnen und Autoren fassen ihre Standpunkte dazu in je ein Thesenpapier und treten auch gerne in Diskussion mit dem Publikum.
Wengenroth selbst wird den Peter-Licht-Text „Die Geschichte der Einschätzung meiner Situation am Anfang des dritten Jahrtausends“, als Live-Hörspiel präsentieren. Die kurzweilige Geschichte hat zwar wenig Brecht-, aber dafür umso mehr Realitäts-Bezug, denn der Protagonist muss sich auf unterhaltsame Weise mit seinen Geldproblemen auseinandersetzen.

Kinder ab acht Jahren können nahezu täglich den Poesie-Parcous besuchen. Für Jugendliche findet am 2. März im Grand Hotel im Rahmen der Veranstaltung „Wie kann ich Gutes tun, wo alles so teuer ist“ ein Schreib-Kurs unter der Leitung von Bonn Park statt. Das Brechtfestival bietet also etwas für jede Altersgruppe, egal ob Brecht-Experte oder nicht.
Ein buntes Programm, das garantiert nicht zum Schwarz-Weiß -Denken verleitet.
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