Selbermachen statt Wegwerfen

Im Augsburger Antonsviertel gibt es seit ein paar Tagen eine Werkstatt für Technikbegeisterte und Bastler. Eröffnet wurde sie vom Verein „OpenLab“, der sich im März gegründet hat. Dort wollen die Mitglieder Interessierten helfen, alte Elektrogeräte zu reparieren, die sonst im Schrott landen würden.

Das Projekt orientiert sich an sogenannten Fablabs, eine auf Technik spezialisierte Bewegung der Do-It-Yourself-Kultur. „Do it yourself“ heißt „Mach es selbst“, und der Verein will dazu beitragen, dass die Menschen technische Geräte wieder wertschätzen, statt sie bei kleinen Defekten einfach wegzuwerfen.

Computerhersteller beispielsweise würden den Verbraucher stark dazu antreiben, sich neue Produkte in immer kürzer werdenden Zeitabständen anzuschaffen und ihm die Notwendigkeit der neuesten Hardware suggerieren, glaubt Johannes Fürmann, Vorstandsmitglied des Vereins. „Wenn man seinen alten Rechner vernünftig benutzt, kann man ihn locker bis zu fünf Jahren behalten“, betont er.

Die Werkstatt ist der Ort, an dem sich die Interessierten austauschen können, wertvolle Tipps und Anleitungen zur Reparatur erhalten und sogar gemeinsame Projekte in Angriff nehmen. Statt auf die Wegwerfgesellschaft setzen die Gründer des Vereins aufs Selbermachen.

Die Vereinsmitglieder sind zwischen 18 und 70 Jahre alt und kommen aus unterschiedlichen Bereichen der IT-Branche und der Ingenieurswissenschaften. Sie stellen der Werkstatt auf freiwilliger Basis Werkzeuge und Materialien zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung. Unter den Mitgliedern befinden sich auch einige Studenten. Eine technische Ausbildung ist jedoch keine Vorbedingung zur Mitgliedschaft, vielmehr heißt der Verein auch Leute aus gänzlich anderen Berufszweigen willkommen. Zum Beispiel gehört auch ein Jurist zu den Tüftlern und Bastlern.

Der Verein unterhält derzeit eine etwa 20 Quadratmeter große Werkstatt im Antonsviertel mit provisorischer Dachterrasse für gemeinschaftliche Grillabende, die es neben der Arbeit auch geben soll. Nicht nur die Gemeinschaft wird großgeschrieben, sondern auch die kritische Haltung gegenüber der Wegwerfgesellschaft, die nicht ausreichend verantwortlich mit ihren Ressourcen umzugehen weiß.

Die Industrie, berichtet Fürmann, würde bei der Produktion einen Verschleiß in Kauf nehmen, die sogenannte geplante Obsoleszenz, weshalb die technischen Geräte gerade mal die Garantiezeit überstehen würden und danach neu gekauft werden müssten.

Ganz anders lauten hingegen die Ziele des Vereins: Er will dafür sorgen, dass verstaubte und vermeintlich defekte Elektrogeräte aus dem Kellerregal mit wenigen Griffen wieder funktionstüchtig gemacht werden können. Unter den Mitgliedern gibt es einige, die wissen, wie beispielsweise kaputt geglaubte Fernsehgeräte mit dem Austausch bestimmter Einzelteile einfach wieder flott zu machen sind.

Für die Zukunft erhofft sich der Verein, den Standort etablieren zu können und weitere Mitglieder dazu zu gewinnen. Als Vorbild vor Ort gilt die „Bikekitchen“, deren Mitglieder gemeinsam und kostenlos alte Fahrräder wieder aufpeppen. Außerdem liebäugeln die Vorstandsmitglieder mit der Idee, Repair Cafés in ganz Augsburg zu eröffnen. Für den Anfang hätten sie schon einen zweiten Standort: Sie könnten auch im Computer-Club-Augsburg unterkommen.
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