Semesterstart: So teuer wohnen Augsburger Studenten

So viele Studenten wie nie besuchen im Wintersemester Uni und Hochschule. Aber irgendwo müssen sie wohnen. Platz ist zwar noch genug. Doch das Wohnen wird immer teurer.

"Ich finde, es ist zu schwierig, eine günstige Wohnung zu finden", klagt Julia. Die 20-Jährige sitzt an der Straßenbahn-Haltestelle an der Universität Augsburg. Julia ist eine von rund 20.000 Studierenden an der Uni. Weitere 6000 junge Menschen besuchen die Hochschule in der Fuggerstadt. Sie alle brauchen eine Bleibe. Möglichst in Augsburg und freilich für so wenig Asche wie möglich.

Julia hatte da eben weniger Glück: "Ich zahle 18,60 Euro pro Quadratmeter", sagt die Rosenheimerin die auf elf Quadratmetern in einer Wohngemeinschaft haust. Und gerade die seien immer verzwickter zu finden: "Die meisten Vermieter wollen keine WG", erzählt Julia von ihren Erfahrungen. Immerhin: Die Durchschnittspreise für ein WG-Zimmer sind um zehn Euro gesunken. Musste man voriges Jahr noch 325 Euro im Monat lassen, sind es heuer nur mehr 315.

Das geht aus einem Ranking des Berliner Immobilienentwicklers GBI AG hervor, das in sogenannten Anspannungspunkten, die Wohnsituation für Studenten in deutschen Städten bewertet. Augsburg schoss im Vergleich zum Vorjahr um 16 Plätze hoch auf Rang 22. Die Punkte errechnen sich etwa daraus, wie viele junge Menschen die Stadt verlassen und wie viele hinzukommen, aus dem Mietniveau (in Augsburg derzeit bei 7,80 Euro) oder aus der Zahl der theoretischen Wohneinheiten pro Student (3,09). Die Tabelle führt - wie sollte es anders sein - München an.

Kein Wunder also, dass gerade Studenten, die aus München kommen, in Augsburg ein kleines Miet-Märchenland entdeckt haben. "Ich finde die Mietpreise sehr günstig in Augsburg", wertet etwa Max, der für sein Jura-Studium von der Isar an den Lech gezogen ist. Er zahlt im Monat 810 Euro für 78 Quadratmeter. Seine Kommilitonin Jenni, Münchnerin, bemerkt aber, dass man auch in Augsburg tiefer in die Tasche greifen muss. "Die Mietpreise sind teurer geworden. In meiner WG gab es diesen Monat eine Mieterhöhung. Ich zahle jetzt 15 Euro pro Quadratmeter", erzählt die Erziehungswissenschaften-Studentin.

Auch beim Studentenwerk der Universität Augsburg weiß man von den steigenden Mieten, aber "wir haben momentan keine akute Wohnungsnot unter Studierenden in Augsburg", sagt Pressesprecher Michael Noghero. Der günstige Wohnraum werde jedoch immer knapper, eine neue, staatlich geförderte Wohnanlage eines privaten Investors habe jedoch ein wenig entlastet.

Das Studentenwerk bietet selbst 1695 Plätze in seinen sechs Augsburger Wohnanlagen an. Und die sind begehrt: 600 Namen prangen derzeit auf der Warteliste für die Apartments, für die Bewohner im Monat 155 Euro Miete plus 87 Euro Betriebskosten zahlen. Möbel inklusive. Bedingung für eine Bleibe im Wohnheim: ein Monatseinkommen von derzeit maximal 670 Euro und die Immatrikulation an der Uni oder Hochschule in Augsburg. "Allerdings melden sich die meisten nicht, wenn sie eine andere Unterkunft gefunden haben", schränkt Noghero die Warteliste ein.

Vielleicht kommen sie in einem der rund 960 Betten weiterer sozialer Träger unter. Oder wie der 21-jährige Arturo in einer Privatvermietung. "Ich hatte Glück; ich wohne bei einer älteren Dame, zahle 250 Euro und darf das ganze Haus benutzen", erzählt der Jurastudent. Doch im Mietmarkt-Becken tummeln sich eben weniger rührige Rentnerinnen als vielmehr ausgebuffte Geschäftsleute, die Euro-Symbole statt Studenten über den Campus laufen sehen.

Sie bauen, um abzukassieren. "Private Investoren legen Kleinanlegern höchst optimistische Finanzierungspläne vor", erklärt Noghero. Man könne für ein kleines Einzimmer-Apartment 450 Euro kalt verlangen, wird da versprochen. Zum Vergleich: 2012 gaben Studierende in Deutschland für Miete inklusive Nebenkosten im Durchschnitt 298 Euro aus. Ähnliche Kosten wird es aber auch in Augsburg weiter geben, verspricht das Studentenwerk. "Derzeit sind weitere öffentlich geförderte Wohnanlagen für Studierende im Bau oder in Planung", sagt Noghero.

Vorerst wird also kein Student auf der Straße sitzen müssen. Richtig spannend wird es wohl ab 2018. Ab da wird in Augsburg das Medizinstudium möglich sein - und auch künftige Ärzte müssen irgendwo wohnen.
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