Shoppen mit gutem Gewissen? Wo das in Augsburg möglich ist

Auf dem Rundgang wird deutlich, wie wichtig ein angemessener Lohn für die Näharbeiten ist. Nur 20 Cent mehr im kommerziellen Handel würden schon einen Unterschied für Arbeiter machen
 
Die Kampagne „Augsburg zieht an“ soll zu fairem shoppen locken. (Foto: Werkstatt Solidarische Welt e.V.)

Vier Jahre ist es mittlerweile her, dass bei einem Fabrikeinsturz in Rana Plaza in Bangladesch 1138 Menschen starben. Es war eine der größten Katastrophen in der Textilindustrie, doch leider keine Seltenheit. Anlässlich des Jahrestages am Montag, 24. April, organisierte die Werkstatt Solidarische Welt eine Kampagne „Augsburg zieht an“, um zum Kauf von fairer Kleidung zu motivieren.

„Zwischen Handwerk und Maschinen Zeit liegt der Weber Kampf und Leid“ ist an der Rückwand des Augsburger Weberhauses zu lesen. An diesem traditionsreichen Ort beginnt auch der Rundgang, mit dem die Werkstatt Solidarische Welt zeigen möchte, welche Möglichkeiten es in Augsburg gibt, einzukaufen, ohne die Ausbeutung in der Textilindustrie zu unterstützen – ein Anspruch der passt. Denn: nicht ohne Grund trägt Augsburg den Namen „Textilstadt“. Bis zu 2000 Werkstätten gab es einst in der Schwabenmetropole, mindestens die Hälfte davon bearbeiteten Textilien.

Billigpreise wichtiger als gute Arbeitsbedingungen

Im heutigen Massenkonsum sei der Handel mit Textilien eher fragwürdig, sagt Sylvia Hank. Die Bildungsreferentin der Werkstatt Solidarische Welt erzählt von Ausbeutung von Näherinnen in Asien und von Konzernen, die die Arbeitsbedingungen an ihren Produktionsstandorten nicht kontrollieren. In Letzterem sieht Hank, die den Rundgang leitet, eines der größten Probleme der Herstellung von Kleidung in Niedriglohnländern.

Die vielen Schritte, welche sich zwischen dem Pflücken der Baumwolle und dem fertigen T-Shirt befinden, würden von kommerziellen Herstellern vor allem auf Billigpreise anstatt auf faire Arbeitsbedingungen geprüft.


"Glore" und "Dear Goods": Qualität hat ihren Preis

Augsburg folge jedoch dem Trend in Richtung Nachhaltigkeit und fairer Produktion. Deutlich wird dies auf den Stationen des Rundgangs. Die beiden Geschäfte „Glore“ in der Ludwigstraße und „Dear Goods“ im Domviertel, die beide erst im vergangenen September eröffnet wurden, wollen auf Qualität statt Quantität Wert legen.

Entsprechend teuer sind die Produkte dort. Wichtig sei beim Kauf, sicher zu stellen, ob ein Kleidungsstück tatsächlich gebraucht und wirklich gewollt werde, erläutert Hank.

Second Hand in Augsburg bei "Onimos" und "Vinty's"

Dieses Problem stellt sich in den Secondhandläden freilich nicht, besonders für Studenten können diese eine Alternative sein. Ganz im Sinne der Wiederverwertung von Ressourcen seien Secondhandläden, wie etwa „Onimos“ und „Vintiy’s“, ebenfalls Stationen der Textil-Stadtführung, ein wichtiger Bestand von fairem und nachhaltigem Handel. Eine weitere Alternative ist der Weltladen, in dem unter anderem recycelte Textilien verkauft werden.

"Degree Clothing" Augsburg: Fair und doch kommerziell

Die Jungs von „Degree Clothing“, einem Augsburger Textilhersteller, der in Portugal produziert, haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Kollektionen auch in nicht-fair-trade-Läden zu verkaufen und damit fair gehandelte Textilien auch auf dem kommerziellen Markt zu etablieren. Auf diese Weise wünschen sich die Produzenten und Händler fairer Kleidung, deutlich mehr Menschen zu erreichen.

Weitere Informationen zur Kampagne und den Shops gibt es hier.

In einer früheren Version des Artikels stand die Aussage: "... Denn der Preis gäbe den meisten Käufern ohnehin keine Wahl, mehr als ein Teil zu shoppen." - diesen Fehler haben wir behoben.
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2 Kommentare
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Sylvia Hank aus Augsburg - City | 10.05.2017 | 17:43  
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Judith Alberth aus Augsburg - City | 11.05.2017 | 18:15  
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