So leben Studenten in Augsburg

Die Studenten (von links oben) Katja Nentwig, Dorothee Rahman, Marco Hermann, Michele Crociati, Anna Haibel und Simon Schönwiese. (Foto: Michèle Böswald/privat)

Wohnungsnot, Lernstress und Zeitvertreib: Junge Erwachsene berichten über ihren Karriereweg und über ihr Leben als Studierende.

In den 1970er Jahren wurden sowohl Fachhochschule als auch Universität eröffnet: Seither ist Augsburg eine Universitätsstadt. An der Campus-Universität studieren aktuell mehr als 25 000 Studenten. Sie erstreckt sich über sieben Fakultäten und bietet ungefähr 80 Bacherlor-, Master- und Staatsexamensstudiengänge an. Im Wintersemester 2003/04 waren im Vergleich dazu nur circa 14 000 Studenten eingeschrieben.

Was bewegt so viele junge Menschen, in Augsburg zu studieren? „Ich finde die Innenstadt total schön“, antwortet Katja Nentwig. Die 20-Jährige studiert Grundschullehramt im ersten Semester. Ursprünglich kommt sie aus der Nähe von Nürnberg, wohnt jetzt aber zusammen mit drei Freunden in einer Wohngemeinschaft in Augsburg. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr fiel ihr die Wohnungssuche jedoch recht schwer. „Ich habe das Zimmer erst eine Woche vor Studienbeginn gefunden“, erzählt sie nun erleichtert. Finanzieren kann sie ihr zehn Quadratmeter großes Zimmer, für einen Preis von 300 Euro, noch nicht alleine, sondern erhält Unterstützung von ihren Eltern.

Einen Umzug für ihr Studium hat auch Dorothee Rahman auf sich genommen. Als Studentin gehört sie zur Mehrheit, denn Frauen stellen 55,9 Prozent der Studierenden. „Ich hätte zwar pendeln können, aber das wäre mir dann zu viel Stress gewesen“, erzählt die 21-Jährige, die aus der Nähe von Kaufbeuren stammt. Ihre Schwester hatte bereits eine Wohnung in der Stadt und nahm die Studentin mit offenen Armen auf. Inzwischen studiert Dorothee im fünften Semester Grundschullehramt und fühlt sich in Augsburg sehr wohl. An den Wochenenden besucht sie regelmäßig ihre Eltern und arbeitet nebenzu als Barkeeperin. So wie viele andere junge Leute ist sie auf die finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen. „Nur mit einem Nebenjob auf 400-Euro-Basis könnte ich es mir wahrscheinlich nicht finanzieren“, meint die angehende Lehrerin. So fragt sie auch bei größeren Anschaffungen, wie einem neuem Wintermantel, die Eltern um Hilfe.
Marco Hermann, Jurastudent im zehnten Semester, wohnt dagegen noch selbst bei seinen Eltern. Zusammen sind sie, zwei Jahre bevor er sein Studium an der Universität begonnen hat, nach Augsburg gezogen. „Augsburg hat einfach alles“, freut sich der 24-Jährige über die gebotenen Freizeitmöglichkeiten.

Ein sogenanntes „Erasmus-Projekt“ bietet vielen Studenten die Möglichkeit, an einer anderen europäischen Universität zu studieren. Michele Crociati ist ein Teilnehmer dieses Projekts. Der Italiener kommt aus Bologna und hat seit Oktober die Gelegenheit, für sechs Monate die deutsche Kultur, Sprache und Lebensformen besser kennenzulernen. Um seine Unterkunft musste sich der Sprachexperte, der Deutsch, Englisch und Chinesisch studiert, allerdings selbst kümmern. Derzeit lebt der 20-Jährige in einem Studentenwohnheim in Haunstetten. Der strukturierte Nahverkehr sowie die allgemeine deutsche Genauigkeit und Organisation unterscheide sich sehr von Italien. „Leberkäse und das deutsche Essen“, erzählt Michele, wird ihm zurück in Italien am meisten fehlen. Augsburg bezeichnet er als „nice, little City“ – also eine nette kleine Stadt, in der er gerne zur Universität gehe.

Dass man sich hier in einer sogenannten Studentenstadt befindet, bestätigt auch Anna Haibel: „An der Uni gibt es über 20 000 Studenten, dass merkt man auch richtig.“ Statt in ihrem Heimatort, einem kleinen Dorf im Allgäu, findet sich die Studentin nun in einer Stadt mit einer Bevölkerung von mehr als 272 000 Menschen wieder. Über ein Internetportal, welches sich mit dem Vermitteln junger Menschen in Wohngemeinschaften beschäftigt, bekam sie relativ leicht eine Wohnung im nahgelegenen Univiertel. Die 19-Jährige verbrachte zunächst ein Jahr in Südamerika und studiert nun im ersten Semester Deutsch als Fremdsprache und interkulturelle Kommunikation mit dem Nebenfach Ibero-Germanistik. Mehr als ein Drittel aller Studenten, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in Augsburg erworben haben, sind allerdings in anderen bayrischen Einrichtungen eingeschrieben.

So auch Simon Schönwiese, der jetzt angewandte Informatik an der Technischen Hochschule Deggendorf studiert. Nach seinem Schulabschluss entschied sich der gebürtige Königsbrunner, dort in eine 18 Quadratmeter große 1-Zimmer-Wohnung, für 353 Euro, zu ziehen. „Ich habe mich zwar auch in Augsburg beworben und hier sogar eine Zulassung bekommen, aber meine Freundin ist bereits ein Jahr vor mir nach Deggendorf gezogen und deshalb hatte ich auch gute Erfahrungen mit dieser Hochschule“, erzählt der 19-Jährige. „Deggendorf ist zwar klein, aber studentenfreundlich ausgerichtet. Man merkt, dass es für uns attraktiv gemacht werden soll“, beschreibt er die Stadt in Niederbayern. Aus der Welt ist Augsburg für ihn jedoch nicht. So besucht er spätestens jedes zweite Wochenende seine Familie, Freunde und wenn möglich Spiele des AEV.

Michèle Böswald
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