So lief die erste Bürgerinformation zum Augsburger Theater

Hat der Umbau etwa schon begonnen? Der Kran hinter dem Augsburger Theater steht dort nicht wegen der Sanierung. Für die muss erst einmal die Finanzierung gestemmt werden. Dann sollen jedoch spätestens Mitte 2016 tatsächlich Baumaschinen, Bagger und Kräne anrücken. Foto: David Libossek

In der Brechtbühne stellen sich die Verantwortlichen der geplanten Neukonzeptionierung des Theaters erstmals den Augsburgern. Die Veranstaltung nimmt Ängste und Emotionen aus der Diskussion um den bis zu 235 Millionen Euro teuren Um- und Neubau. Kritische Stimmen werden übertönt.

Einmal musste Walter Achatz schwer schlucken. Der Architekt, der die Pläne für die Neugestaltung des Augsburger Theaters entworfen hat, bekam von einem Berufskollegen aus dem Publikum vorgetragen, wie er das Theater kompakter gestalten könne. "Ich werde das einfließen lassen", sagte er mit einem gezwungenen Lächeln und kritzelte etwas auf seinen Notizzettel.

Ansonsten verbrachten die Protagonisten auf der Augsburger Brechtbühne wohl einen recht angenehmen Montagabend - reibungsloser als vielleicht erwartet. Schließlich ging hier gerade der erste Bürgerdialog zur im schlimmsten Falle 235 Millionen Euro teuren Sanierung des Theaters über die Bühne.

Vorne an einem Tisch saßen - wie bei einer Lesung von Scheinwerfern ausgeleuchtet - Theaterintendantin Julianne Votteler, Kulturreferent Thomas Weitzel, Norbert Reinfuß vom Hochbauamt und Architekt Walter Achatz.

Das Theater blieb an diesem Abend aus. Das bewirkte zweierlei. Zum einen konnten die bestens vorbereiteten Hauptdarsteller des Abends sachlich über das zuletzt emotional aufgeladen und teils polemisch diskutierte Thema informieren. Andererseits warteten kritische Fragen - etwa zu den Kosten - vergeblich darauf, konkret beantwortet zu werden.

Dazu trug ein reinigender Prozess im Publikum selbst bei: Sobald doch einmal einer wagte, kontra zu geben, wurde er umgehend übertönt. So wie ein junger, modisch bebrillter Mann, der fragte, ob es denn ein so großes Theater überhaupt brauche. Er wurde mit beinahe wütenden "Ja"-Rufen von der mit roten Polstersitzen bestückten Tribüne zurechtgewiesen.

Kulturreferent Weitzel hatte Fakten parat. Mehr als 230 000 Menschen besuchen pro Jahr 244 Schauspielvorführungen und 133 weitere Veranstaltungen, führte er aus. Zahlreiche Schulklassen nutzen das Haus, um Unterrichtsstoff zu vertiefen. Die Option, nach München zu fahren, wäre bei 95 Prozent Auslastung der dortigen Theater undenkbar. Zudem sei die Spielstätte ein Ort kommunaler Gestaltung, ein Kleinod frei von Diktat, Konsum und Marktwirtschaft, das man zwingend erhalten müsse.

Daher scheiterte auch der Einwurf eines Gasts, der ein Staatstheater oder gar einen Investor vorschlug. Wieder maßregelte zunächst das Publikum ("Ein SGL-Theater, oder wie?"), ehe Weitzel hinterfragte, ob das "wirklich die richtige Lösung ist". Schüttet der Freistaat die maximale Förderung aus, erklärte Weitzel, könne sich die Stadt die Sanierung auf die acht bis zehn Jahre Bauzeit verteilt leisten. Weitzel ließ sich entlocken, alleine in dieser Woche zwei Mal für Verhandlungen in München zu sein. Er registriere dort "großes Wohlwollen, weil wir ein Konzept haben".

Das Fördermaximum mal angenommen, hieße das für die bereits verschuldete Stadt jedoch immer noch, Kosten von bis zu 20 Millionen Euro pro Jahr schultern zu müssen. Davon müsse man den Bezirk Schwaben als Aufsichtsbehörde noch überzeugen, sagte Weitzel. Hier wird wohl das stärkste Argument sein, dass "es im Umland keine vergleichbare Spielstätte gibt".

Weiter stückeln könne man den Bau nicht, betonte Norbert Reinfuß vom Hochbauamt. Funktional sei das Theater zu komplex, alles müsse in einem Aufwasch geschehen. Sonst dauere es länger und werde teurer. Zur gefragten Steigerung der Energieeffizienz wollte er noch nichts konkretisieren. Das Theater sei jedoch der gefräßigste Energieschlucker aller städtischen Gebäude. "Wir stecken jedes Jahr viel Geld rein, um den status quo zu sichern." Das gelte es zu ändern.

Intendantin Votteler betonte, dass sich die wirtschaftliche Effizienz auch auf den Betrieb niederschlagen werde. Weil sich auf allen Ebenen Arbeiten vereinfachen, seien gar mehr Vorstellungen drin, kündigte sie an.

Und auch die beiden Architekten vom Beginn kamen noch einmal zusammen, als die öffentliche Diskussion beendet war und tauschten angeregt, aber kollegial, Ideen aus. Das erwartete Theater blieb an diesem Abend eben aus.
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