So sieht das neue Sozialticket aus

Wohl bald für 18.000 Augsburger zum vergünstigten Tarif: Über die Neuauflage des Sozialtickets entscheidet am 21. Mai der Augsburger Stadtrat. Foto: Archiv Markus Hoeck

Das Sozialticket könnte am 1. Juli seine Rückkehr feiern. Nachdem ein Gericht die bisherige Version für ungerecht erklärt hatte, ist nun eine zweite Variante ausgearbeitet. Die muss nun Sozialausschuss und Stadtrat überzeugen. Die Fahrkarte kommt nicht bei allen gut an.



"Natürlich begrüßen das alle", sagt Christine Meier. Sie sitzt an der Anmeldung der Augsburger Tafel. Auf den zweiten Anlauf des Sozialtickets angesprochen, muss sie nicht lange überlegen. "Wir werden oft von unseren Kunden darauf angesprochen", erzählt sie und ist sich sicher: Das Ticket wird ankommen. Jetzt sei es "sehr gerecht", urteilt Meier. Denn die Vorgängerversion habe irgendwie überhaupt nicht gepasst.

Damals im Januar 2014 beschloss der Stadtrat Variante eins des Sozialtickets. Öffentlicher Nahverkehr für 25 Euro im Monat - allerdings nur für Wohngeldberechtigte, Asylbewerber und Sozialhilfeempfänger. Die Augsburger, die von Hartz IV leben, ließ man außen vor. Das schnellte wie ein Bumerang zurück. Vier Hartz IV-Empfänger klagten gegen die Ausgrenzung. Ungerecht sei das und verstoße vor allem gegen Artikel 3 des Grundgesetzes. Der besagt die Gleichheit vor dem Gesetz. Das sah dann auch das Gericht so und bremste das Sozialticket im Oktober in seiner damaligen Form aus.

Ein Ticket für 1,5 Millionen Euro und 18.000 Menschen
Nun startet Sozialbürgermeister Stefan Kiefer einen neuen Anlauf. Dieses Mal zählen Hartz IV-Empfänger freilich zu den Berechtigten. Wohngeldempfänger dafür nicht mehr. Das heißt, dass künftig 18.000 statt 6800 Augsburger Anspruch auf das Ticket haben. Ein Viertel von ihnen werde es nutzen, glaubt Kiefer.

31,50 Euro wird die Fahrkarte im Monat kosten; 6,50 Euro mehr als das Vorgängermodell aber immer noch etwa 28 Euro weniger als der Standardtarif des Augsburger Verkehrsverbands. Für die Stadt bedeutet das einen jährlichen Aufwand von fast 1,3 Millionen Euro, um die Differenz auszugleichen. Hinzu kommen Verwaltungs- und Personalkosten, die durch die höhere Anzahl Berechtigter ebenfalls steigen werden: auf 225.000 statt bisher 70.000 Euro. Angesichts dieser Zahlen waren Hartz IV-Empfänger aus dem ersten Entwurf ausgeklammert worden. Nun öffnet die Stadt die Schatulle eben doch etwas weiter.

Arnold: "... und dann verballern wir Geld für so einen Schmarrn."
Das ruft freilich Kritiker auf den Plan. Einer der ersten Stunde ist FDP-Stadtrat Markus Arnold. "Die Stadt kann sich's nicht leisten", sagt er und verweist auf eine Unterdeckung von 48 Millionen im Haushalt. "Und dann verballern wir Geld für so einen Schmarrn." Zumal ein solches Thema Bundesaufgabe sei, etwa indem die Fahrtkostenpauschale im Hartz IV-Regelsatz erhöht werde.

Ungerecht bleibe es so oder so, meint er. Schließlich ackerten manche in zwei Jobs, um über die Runden zu kommen, "die haben keine Chance, ein solches Ticket zu kaufen". Er würde das Geld lieber dafür nutzen, Arbeitsplätze zu schaffen, "für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben". Ohnehin sei ein solches Ticket auf dem Land sinnvoller. In der Stadt erreiche man schließlich fast alles zu Fuß.

Thematisches Steckenpferd der Augsburger SPD
In Kiefers SPD sieht man das selbstverständlich anders. Das Sozialticket ist das thematische Steckenpferd der Augsburger Sozialdemokraten. Nicht umsonst haben sie mit dem Koalitionspartner CSU hart um dessen Umsetzung gerungen. Kiefer wird seinen Entwurf am 6. Mai im Sozialausschuss vorstellen, zwei Wochen später steht die günstige Fahrkarte auf dem Fahrplan der Stadtratssitzung. Bereits am 22. Mai sollen dann die Antragsformulare für das Sozialticket erhältlich sein, ab 1. Juli das Ticket selbst.

Das wird wohl viele Kunden freuen, die sich täglich bei Christine Meier für den Lebensmitteleinkaufs anmelden. Wer nicht die Tafel in der Innenstadt nutzt, erreicht jene weiter draußen im Stadtteil Oberhausen nämlich bestens mit der Tramlinie 4.

So kommt man ans Sozialticket
Wenn das Sozialticket in seiner zweiten Version von Sozialausschuss und Stadtrat angenommen wird, ist es ab dem 1. Juli möglich, damit vergünstigt die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Das gilt für Menschen die Hartz IV, Grundsicherung oder Sozialhilfe beziehen. Zudem sind Asylbewerber berechtigt, das Ticket zu beantragen, genauso wie Menschen, die in Alten- oder Pflegeheimen leben. Senioren können zwischen dem Sozialticket für 31,50 Euro oder dem zeitlich eingeschränkten Seniorenticket für 27 Euro wählen.

Wichtig ist, dass künftige Nutzer zuvor eine kostenlose AVV-Kundenkarte erstellen lassen. Das ist in den Kundencentern am Königsplatz und am Hohen Weg möglich. Ab dem 22. Mai kann dann beim Amt für Soziale Leistungen (ASL), dem Jobcenter und in den Bürgerbüros ein Antragsformular abgeholt werden. Dieses bearbeitet das ASL, das anschließend sechs Monate gültige Berechtigungsscheine ausstellt. Mit diesem kann man an sämtlichen Verkaufsstellen der Stadtwerke die ermäßigte Monatskarte erwerben. Die kostet 31,50 Euro und gilt innerhalb der Zonen 10 und 20.
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