So soll das Theater nach der Sanierung aussehen

So stellt sich Architekt Walter Achatz das Theater vor. Markant ist das "Bügeleisen" neben dem Großen Haus. Dahinter erstrecken sich Werkstätten inklusive "Neues Haus" und Restaurant. Foto: David Libossek

Orchesterprobe im "Bügeleisen", Riesen-Wassertank in der Tiefe und ein Restaurant, in dem Künstler mit Besuchern speisen: Der Entwurf des Theaters von Architekt Walter Achatz begeistert bei seiner Präsentation. Damit am Ende nicht nur der schöne Schein bleibt, muss die Stadt jetzt das Geld auftreiben.

Sie mutete schon seltsam an, die Situation in der gemeinsamen Bau- und Kulturausschusssitzung am Dienstagabend. Selbst auf dem Parkett sitzend verfolgten Zuhörer das Geschehen, weil die Publikumsplätze bis auf den letzten Stuhl belegt waren. Und dann applaudierte die Menge. Gerade hatte Architekt Walter Achatz seine Pläne für die Theatersanierung präsentiert. Der Applaus war mehr als eine höfliche Geste. Was Achatz gezeigt hatte, fand großen Anklang. Doch so glanzvoll die Präsentation, so herrlich die Pläne, so breit die Zustimmung - die Finanzierung des Projekts ist weiterhin nicht geklärt. Nicht einmal Lösungsansätze gebe es laut Baureferent Gerd Merkle.

Freilich muss irgendwann mit der Planung begonnen werden. Das Theater könnte schließlich mangels erfüllter Brandschutzvorschriften jederzeit dicht gemacht werden. Das Projekt ist außerdem auf mindestens acht Jahre angelegt. Vorausgesetzt die Pläne des Architekten werden so umgesetzt, startet der Bau Mitte 2016 - das Projekt würde dann erst 2024 abgeschlossen sein.

Zumindest das Konzept steht also. Angesichts der eineinhalbstündigen Präsentation ist davon auszugehen, dass dies auch der wahrscheinlichste Weg sein wird, den die Stadt mit ihrem Theater beschreiten will - der im schlimmsten Fall 235-Millionen-Weg also.

Und eben den beschrieb der Architekt. Im Großen Haus wird vor allem der Bühnenturm teuer. Der marode Aufbau von 1956 soll mit Fachwerkträgern, die wie ein Tisch auf zwei Stahlbetonscheiben stehen, stabilisiert werden. Die Konstruktion wird durchs Dach passgenau eingehoben.

Zahlreiche Fluchttreppen machen das Gebäude sicherer, Aufzüge und Hebe-Podeste barrierefrei. Riesige Lüftungsanlagen müssen im gesamten Komplex installiert werden, für sie werden extra auch zwei Penthäuser geschaffen. Überhaupt vergrößert sich die Fläche des Hauses um mehr als 4000 Quadratmeter.

Von alle dem wird der Theatergast wenig merken. Die offensichtlichste Neuerung soll das sogenannte "Bügeleisen" werden, ein etwa 18 Meter hohes dreieckiges Gebäude direkt neben dem Großen Haus, in dem der Kartenvorverkauf untergebracht werden soll und in dessen gläsernen Obergeschoss Orchester und Chor proben sollen. Hier lohnt der Blick in den geplanten Keller: Er soll ein Kältezentrum für die Lüftung von 100 Quadratmetern Größe und einen Wassertank für die Sprinkleranlage mit einem Fassungsvermögen von 350 000 Litern enthalten.

Auch unter dem Neubau des Werkstätten- und Verwaltungsgebäudes inklusive der zweiten Spielstätte "Neues Haus" wird Einiges passieren: Neun Meter unter der Erde entstehen zwei Proberäume, noch ein Stockwerk tiefer Stauraum für Kulissen. Im sichtbaren Teil des Hauses erstreckt sich auf zwei Etagen die Schreinerei, über 650 Quadratmeter misst der neue Malsaal. Eine neue Kantine soll abends zum Restaurant für Besucher werden.

Die schöne neue Theaterwelt, die laut allen Beteiligten "keine Luxuslösung" sei, ließ bei allen Ovationen aber nur kurz ihren Preis vergessen. Denn, wenn sich der Stadtrat ab März mit dem Thema auseinandersetzt, sollte es mindestens Ideen für eine Finanzierung geben. Sonst bedeutet es für das Konzept, mehr Schein als Sein.
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