Sporthandelskette Decathlon will nach Lechhausen

Wenn es nach den Politikern geht, sollte sich die Sporthandelskette Decathlon im Fuggerstadt-Center ansiedeln. Doch das Unternehmen möchte lieber in Lechhausen, mit guter Anbindung an die Autobahn, bauen. Foto: Leon Ritschel
Augsburg: Fuggerstadtcenter |

Es ist eine verzwickte Situation: Vor gut einem Jahr hat OB Kurt Gribl in einer knappen Entscheidung des Stadtrats den Weg frei gemacht für die Ansiedlung der französischen Sporthandelskette Decathlon in Lechhausen. Doch mittlerweile sitzt die SPD mit im Regierungsboot und eine Mehrheit im Stadtrat für den Sportfachmarkt auf der grünen Wiese gibt es wohl nicht mehr. Decathlon will trotzdem bauen.

Für den Sporthandelsriesen, der weltweit mehr als 700 Filialen betreibt, rund 20 davon allein in Deutschland, ist es eine klare Sache: Er benötigt eine gute Anbindung, auch für Lastwagen. In Lechhausen ist die A 8 gleich um die Ecke, in der Innenstadt ist es schwieriger. Daher scheiterte auch der Versuch, Decathlon ins Fuggerstadt-Center zu locken. So sah der Kompromiss aus zwischen CSU und dem neuen Partner in der Regierungskoalition SPD. Es sollte versucht werden, den Sportfachmarkt in die Innenstadt zu locken. Das waren auch die Empfehlungen der Industrie- und Handelskammer sowie des Einzelhandelsverbands. Auch das Einzelhandelskonzept der Stadt legt eindeutig dar, dass Sportartikel in die Innenstadt müssen.

Doch alle Überlegungen blieben reine Theorie, Decathlon wollte nicht in die City. Nachdem es zunächst so aussah, als würde sich das Unternehmen von Augsburg ab und den umliegenden Städten zuwenden, signalisiert Decathlon, weiter um den Standort in Lechhausen kämpfen zu wollen. Schlimmstenfalls droht Augsburg eine Schadensersatzklage.

Das kommt bei der SPD gar nicht gut an. "Wir werden an unserer bisherigen Meinung festhalten und keinen Millimeter abweichen, dafür gibt es sachliche Gründe", erklärt SPD-Fraktionsvorsitzende Margarete Heinrich. Seit Beginn des Ansiedlungsverfahrens habe die SPD sachliche Argumentationen vorgelegt, die Rahmenbedingungen hätten sich nicht geändert. "Durch die geplante Ansiedlung des Sportfachmarktes in Lechhausen sehen wir den Standort ,Innenstadt' nach wie vor stark gefährdet", so Heinrich weiter. Die Stadt habe massiv mit Leerständen zu kämpfen "und es werden noch weitere hinzukommen", prophezeit die SPD-Fraktionsvorsitzende. Deshalb müsse aus Sicht Heinrichs alles Erdenkliche dafür getan werden, dass die Innenstadt wieder mehr Akzeptanz finde.

Für eine Ansiedlung Decathlons - auch auf der grünen Wiese - macht sich FDP-Stadtrat Markus Arnold stark. Der Mini-Partner der CSU, er ist als Hospitant in die Fraktion aufgenommen worden, teilt die Bedenken nicht, dass durch die Ansiedlung der Einzelhandel geschwächt würde. "Decathlon hat eine andere Zielgruppe als die hiesigen Fachgeschäfte", argumentiert Arnold. Augsburg könne sogar von Decathlon profitieren, "weil der Discounter überregional Kunden anziehen wird, welche sonst nicht oder selten nach Augsburg kommen würden", so die Hoffnung der FDP. Max Funke-Kaiser, Vorsitzender der JULIS Schwaben, sieht die Haltung des Stadtrats zur Ansiedlung sehr kritisch: "Man sollte dankbar für das zusätzliche Warenangebot sein, schließlich sind wir nicht in der DDR."

Doch Heinrich hält dagegen: "Die SPD-Fraktion verschließt sich keinem Investor, im Gegenteil." Aber die Ansiedlung müsse in das Gefüge der Stadt passen. Nun muss der Stadtrat entscheiden, wie es weiter geht.
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