Sprache im Schnelldurchlauf

Bei der deutsch-türkischen Veranstaltung "Speed-Speaking-Atlasya" im Augsburger Zeughaus lernten die Teilnehmer Sprache und Kultur auf die lockere Art.

Schon auf dem Büffet-Tisch wurde das Motto des Abends im Zeughaus Augsburg sinnbildlich deutlich: Das türkische Gebäck Simit und die bayerische Breze waren ineinander verschränkt und zeigten "Hand in Hand" wie ähnlich sie sich - aus der Nähe betrachtet - eigentlich sind.

Deutsche und Türkischstämmige saßen sich an bei "Speed Speaking Atlasya" jeweils in Zweiergruppen an einem Tisch gegenüber, um in lockerer Atmosphäre die andere Sprache und Kultur kennenzulernen oder auch, um bereits vorhandene Sprachkenntnisse zu vertiefen. Vokabeln auswendig lernen kann man in jedem Sprachkurs, doch "Speed Speaking Atlasya" will mehr sein: eine lebendige Sprach- und Kulturbrücke.

Nach jeweils fünf Minuten wurden - wie beim "Speed Dating" - Plätze getauscht, so dass sich immer wieder neue Gesprächspartner gegenüber saßen. Dass das Sprachniveau in der jeweils anderen Sprache äußerst unterschiedlich ausfiel, machte sich nie unangenehm bemerkbar - denn wenn neugierige und offene Menschen aufeinander treffen, findet sich ein Weg der Verständigung. Management-Trainer Hans beispielsweise hatte bisher "null Türkischkenntnisse", war aber "begeistert von den türkischen Mitbewohnern, dem Essen und der Herzlichkeit, mit der ich aufgenommen wurde." Auch Toni, Lehrer am Bayernkolleg, wollte an diesem Abend zum ersten Mal in die türkische Sprache reinschnuppern. "Die Methode erwies sich als verblüffend effektiv", fasste er zusammen. "Sehr rasch kann man auf diese Weise auch ohne Unterrichtsvermittlung Wortschatz und Sprachstrukturen in der Praxis erwerben." Er gibt allerdings zu: "Man muss konzentriert sein."

Mit dem Event "Speed Speaking" wollte Organisatorin Özlem Degirmenci-Eichhammer eine Sprachbrücke zwischen den Kulturen bauen, aber auch "beweisen, dass man mit Spaß am besten lernt." Die Augsburgerin Veronika gab zu, dass sich ihre Türkischkenntnisse vor diesem Abend auf "Merhaba" ("Hallo") beschränkten, doch kann sie sich nun "vorstellen, einen Sprachkurs zu machen, denn ich fahre bestimmt noch öfter in die Türkei." Kerim, der in Istanbul aufgewachsen ist und an der Universität Augsburg Deutsch als Zweitsprache studiert, war "positiv überrascht, dass Deutsche auch Türkisch sprechen und Interesse haben an der Türkischen Sprache". Auch die türkischstämmige Lehrerin Lale war "verblüfft, dass so viele Menschen türkisch lernen." Die Veranstalterin Özlem Degirmenci-Eichhammer zeigte sich am Ende äußerst zufrieden mit dem Event: "Für mich war es wunderschön, zu sehen, dass mein Team und ich die Leute mit unserer Leidenschaft für Sprache und Kultur angesteckt haben und wir aufzeigen konnten, dass die Vielfalt viele Chancen mit sich bringt und wir voneinander lernen können."

Es gibt zwischen Türken und Deutschen eben noch viel mehr Ähnlichkeiten als die von Breze und Simit. Davon kann man sich bald wieder überzeugen, denn nach dem positiven Feedback steht in Sachen "Speed Speaking Atlasya" schon jetzt fest: Fortsetzung folgt.
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