Stadtstrand für die Wertach

Etwas verwirrt wirkt Helmut Weiße, als er von einem Bauarbeiter gebeten wird, die Baustelle zu verlassen. „Hier ist doch nichts ausgeschildert und abgesperrt war da auch nicht“, erklärt der Rentner aus Pfersee, der mit seinem Enkel auf dem Weg zur Kulperhütte an der Wertach ist. So wie ihm ging es in den vergangenen Wochen zahlreichen Besuchern, die von den Sperrungen an der Wertach überrascht wurden.

Die Hauptwege, zwischen Wertachkanal und Wertach, bleiben auch noch bis Ende 2014 für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Dafür sind inzwischen große Bagger und Baumaschinen angerückt um dem Fluss wieder zu einem breiteren Bett zu verhelfen, die inzwischen 150 Jahre alten Betonplatten, in welche die Wertach einst gezwängt wurde, herauszureißen und das Ufer entlang des beliebten Naherholungsgebiets in einen schönen Stadtstrand zu verwandeln.
„Den ursprünglichen Termin bis Ende September 2014 können wir nicht halten“, heißt es inzwischen vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth, das verantwortlich ist. Man geht derzeit davon aus, dass die Arbeiten und somit die Sperrungen an den Wegen bis Ende 2014 abgeschlossen werden können. Zu der Verzögerung kommt es vor allem, da immer wieder Metalldetektoren die Baustelle lahmlegten. Bis auf eine Munitionskiste fanden die Kampfmittelräumer jedoch lediglich Schrott. Dennoch kosteten diese Einsätze enorm viel Zeit.

Mit Beginn der Schönwetterperiode nehmen jetzt jedoch die Arbeiten wieder an Fahrt auf. Nachdem an der neuen Kulperhütte nun auch der Baumbestand erhalten bleibt, entsteht dort zukünftig der Abgang zum neuen „Stadtstrand“. 25 000 Tonnen Steine werden dazu genutzt, eine flachere, natürliche Uferböschung zu gestalten. Für Naherholungssuchende entstehen Sitzstufen und aufgeschüttete Kiesinseln sollen zukünftig zum Sonnenbaden einladen.
Der ohnehin beliebten Kulperhütte wird das sicher zugute kommen. Ein Trost für den Betreiber Oliver Hüttenmüller, der in den vergangenen Jahren viel Arbeit aufgrund der geplanten Änderungen hatte und in diesem Jahr Einschränkungen durch die gesperrten Wege einkalkulieren muss. Dennoch finden die meisten Spaziergänger dank der neuen Hinweistafeln, die das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth aufgestellt hat, inzwischen die Ausweichrouten.
Auch Helmut Weiße ist mit seinem Enkel wenig später beim Eisessen in der Kulperhütte angekommen. „Ich bin einfach gelaufen wie immer. Der Bauarbeiter hatte vergessen das Zugangstor zuzusperren.“ Dass er kein Einzelfall ist zeigen die vielen Beschwerden, die zuletzt über die Baustelle eingegangen waren. Mit der neuen Beschilderung hofft das Wasserwirtschaftsamt zumindest auf einen Rückgang der Sachbeschädigungen an den Absperrungen.

Die ursprüngliche Idee, zumindest am Wochenende den Zugang zur Baustelle zu öffnen, kann doch nicht realisiert werden. Das Bauunternehmen könne nicht für die Sicherheit gewähren. Fußgänger und Radfahrer finden jedoch einen Ersatzweg, der zur Kulperhütte führt. Und am Wochenende gibt es zudem einen kleinen Trost: Keine Bagger und Baumaschinen stören die Ruhe im Biergarten.
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