Streit um Seniorenresidenz Albaretto

Momentan steht an Haus 5 der Bau still - die Stadt lässt beim Verwaltungsgerichtshof klären, ob Spielberger als Investor und Bauherr gegen den Bebauungsplan verstoßen hat. Foto: Florian Winkler-Ohm

Bauherr Bernhard Spielberger setzt mit der Seniorenresidenz Albaretto auf die geänderten Bedürfnisse von Senioren Deshalb liegt er im Dauerstreit mit der Bauverwaltung der Stadt Augsburg.

Deutschland wird alt. Lag vor 150 Jahren die Lebenserwartung eines Menschen noch bei 40 Jahren, werden heute geborene Mädchen durchschnittlich 83, Jungen 78 Jahre alt. Für Investor Bernhard Spielberger ist der demographische Wandel seit rund zehn Jahren ein gewinnbringendes Geschäftsmodell. Doch beim aktuellen Bau der Erweiterung der Seniorenresidenz Albaretto an der Bürgermeister-Ackermann-Straße schiebt die Stadt Augsburg einen Riegel vor und stellt den Bau ein.

Für Spielberger, der seit Jahren in zahllosen Streitigkeiten mit der Stadt die Gerichte bemühen muss, ist die Situation nicht neu. Aufgrund eines seit vielen Jahren angespannten Verhältnisses zwischen Investor und Bauverwaltung gehören die Kontrollbesuche des Bauordnungsamtes inzwischen zur Tagesordnung. Aktuell hat die Stadt den Bau am Haus 5 eingestellt, da Spielberger durch das Anbringen eines Vordaches nun dem Bebauungsplan zuwider handelt, lautet die Begründung der Stadt.

Peter Sterz, Leiter des Bauordnungsamtes, möchte die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes abwarten, der über die Sache entscheidet. Doch auch an den anderen Baustellen von Spielberger hatten die Kontrolleure Beanstandungen. Insbesondere über die tatsächliche Nutzung des im Bau befindlichen Haus 9 besteht derzeit Unklarheit. Laut Verkaufsprospekt errichtet der Investor hier insgesamt 44 Appartements mit je rund 35 Quadratmetern und weitere Appartements mit rund 56 Quadratmetern. Der Verkaufsprospekt weist eine "Tagespflege mit Servicebereich" aus, die Stadt sieht hier die Wohnnutzung im Vordergrund und hat deshalb vorübergehend auch hier den Bau eingestellt.

Spielberger hat für das Haus 9 einen Hotelbetrieb beantragt, der in dem Gewerbegebiet zulässig wäre. Wird, wie derzeit bei der Stadt vermutet, dem Objekt jedoch die dauerhafte Wohnnutzung vordergründig zugeschrieben, muss die Baugenehmigung widerrufen werden. Die Stadt möchte dies in den kommenden Wochen endgültig geklärt wissen.

Für Spielberger selbst sind die vielen Querschläge seitens der Stadt nur unangenehmes Beiwerk. Seit Jahren ist die Albaretto Hotelresidenz 50plus mit ihrem betreuten Wohnen und einem hotelähnlichem Service zu bezahlbaren Preisen auf Erfolgskurs. Fast 400 Menschen leben inzwischen in den barrierefreien Appartements mit einer Größe von 28 bis 110 Quadratmetern. Das hauseigene Restaurant mit bayrisch-internationaler Küche ist auch bei externen Gästen mittlerweile ein beliebter Treffpunkt. Mit beheiztem und überdachtem Swimmingpool sowie einem eigenen Sauna- und Wellnessbereich setzt der Investor im ehemaligen Kasernenareal in Kriegshaber voll auf die Bedürfnisse der immer älter werdenden und dabei aber rüstigen Rentner.

Neun Häuser sind aktuell in Planung und im Bau, die Häuser 1 bis 5 sind bereits vollständig verkauft. Nicht zuletzt, da viele der Käufer die Immobilie als Renditeobjekt sehen. 3,2 Prozent Rendite verspricht der aktuelle Verkaufsprospekt für das Haus 9. Kein Wunder also, dass die Appartements bei Kapitalanlegern große Nachfrage haben. Rund ein Drittel der Käufer nutzt die Immobilie selbst. Mehr als 600 Menschen möchte Spielberger in der Zukunft mit seinem Projekt ein attraktives Zuhause im Alter ermöglichen. Die aktuellen Streitereien mit dem Bauordnungsamt werden also die großen Ziele des Investors kaum bremsen. Für die Käufer jedoch ist der ständige Zwist ärgerlich, denn mit jedem Baustopp gehen wertvolle Zeit und auch Geld verloren.
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