Stumm geboren: Würdiger Abschied von Schmetterlingskindern

Das Deckblatt der Karte , in die Hand- und Fußabdrücke eines sogenannten Schmetterlingskindes gedruckt werden. Foto: KJF

Augsburg (kjf) Kleine, herzförmige Blätter fallen von einem noch jungen, zarten, von einem Sturm gebeutelten Baum zu Boden. Das Motiv auf der Erinnerungskarte ist zwar in dunklen Farben gestaltet, aber es hat etwas Zartes, Liebevolles. Pastoralreferentin Doris Kellner hält die Karte in Händen und erklärt: In diese Karte werden Hand- und Fußabdrücke eines sogenannten Schmetterlingskindes gedruckt, sein Name und seine Daten eingetragen. Schmetterlingskind, Sternenkind oder stumm geborene Babys werden sie genannt - Kinder, bei deren Geburt Begrüßung und Abschied zusammenfallen. Kinder, deren Leben endet, bevor es richtig begonnen hat. Kinder, die tot geboren werden.

In der Frauenklinik des Josefinum, die zur Katholischen Jugendfürsorge Augsburg gehört, betreuen die beiden Klinikseelsorger Doris Kellner und Bruno Ott auf behutsame und sehr individuelle Weise Eltern, die von ihrem Kind Abschied nehmen müssen. "Jedes Mal aufs Neue fragen wir uns erst: Was braucht das jeweilige Paar, um gut Abschied nehmen zu können?", erklärt Bruno Ott, Theologe und Psychologe.

"Zu begreifen, dass das Kind tot ist, ist schwer", erklärt Doris Kellner. "Im Kreißsaal nach der Geburt sind die winzigen Kinder noch rosig und warm. Man hat das Gefühl, es müsste doch jeden Moment aufwachen. Doch schon am nächsten Tag sieht das Kind verändert aus, das hilft, zu begreifen, was passiert ist." Darum sei ein würdiges Abschiednehmen laut der beiden Klinikseelsorger gerade bei den Schmetterlingskindern sehr wichtig - nach der Geburt das Kind zu halten, zu sehen, Zeit mit ihm zu verbringen, solange die Eltern es möchten.

"Wir haben den großen Vorteil, dass wir uns ganz, ganz viel Zeit für die Eltern nehmen können und ihnen gleichzeitig die Zeit lassen können, die sie brauchen", so Doris Kellner. "Das Kind soll liebevoll und mit Würde behandelt werden."

Und dazu gehört gerade auch das Optische, damit die Eltern ihr Kind als schön empfinden können. Die Sternenkinder werden zum Abschiednehmen in marmorierte Seidentücher gewickelt und in ein kleines weich ausgelegtes Körbchen gelegt. Hebammen machen von den Kindern Fotos, die die Eltern zu Erinnerung geschenkt bekommen. Auch extra gestaltete Kerzen und Kreuze stellen die Klinikseelsorger zur Verfügung. "Diese nehmen die Eltern zusammen mit der Erinnerungskarte, die eine Mitarbeiterin des Josefinum gestaltet hat, auch gerne mit zur Beisetzung des Kindes oder mit nach Hause."

Im Abschiedsraum des Josefinum feiern die beiden Klinikseelsorger mit den Eltern auf Wunsch auch eine sogenannte Namensgebungsfeier, denn getauft können sie nicht werden. In dem Raum steht muslimischen Eltern übrigens auch eine mobile Anlage für rituelle Waschungen zur Verfügung. Auch bei der Planung und Durchführung einer Zur-Ruhe-Bettung oder einer Bestattung sowie für die Zeit danach stehen die beiden Klinikseelsorger auf Wunsch den Eltern bei.
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