Sucht ist ein Alltagsproblem

Auf Einladung des Bezirks Schwaben hatten sich Fachleute aus der Suchtberatung, der Bezirkskrankenhäuser sowie von Caritas, Drogenhilfe Schwaben und des Kreuzbundes wie auch der Augsburger Kripo bei der Fachtagung zum Thema Sucht zusammengesetzt, um über verstärkte Kooperationen und neue Arbeitsfelder zu sprechen. Foto: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Auf Einladung des Bezirks Schwaben hatten sich Fachleute aus der Suchtberatung, der Bezirkskrankenhäuser sowie von Caritas, Drogenhilfe Schwaben und des Kreuzbundes wie auch der Augsburger Kripo bei der Fachtagung zum Thema Sucht zusammengesetzt, um über verstärkte Kooperationen und neue Arbeitsfelder zu sprechen.

Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert rief dazu auf, sensibler zu werden für Abhängigkeitserkrankungen, auch was die Alltagsdroge Alkohol betrifft. Nach Aussage der Suchtkoordinatorin beim Bezirk, Friederike Rahlf-Martin, seien Zigaretten und Alkohol deutschlandweit die verbreitetsten Drogen. Es gibt im Land 14,7 Millionen Raucher und 1,8 Millionen Alkoholabhängige, hinzu kämen mindestens 9,5 Millionen Menschen mit einem bedenklichen Alkoholkonsum. 2,3 Millionen Deutsche sind medikamentenabhängig. Konsumenten illegaler Drogen und Glücksspielsüchtige werden jeweils auf etwa 500.000 geschätzt.

Deutlich wurde bei der Diskussion, dass sich die Szene beständig wandelt. Das gilt laut Kripoleiter Klaus Bayerl insbesondere für den Bereich illegaler Drogen, wo "neue psychoaktive Substanzen" (landläufig etwa "Badesalz" oder "Kräutermischungen" genannt) klassische Drogen wie Heroin, Cannabis oder Kokain zunehmend verdrängen. Sie sind besonders bei Jugendlichen beliebt, da sie billig sind und wegen ihrer Zusammensetzung nicht vom Betäubungsmittelgesetz erfasst werden und daher leicht zu erhalten sind.

"Die Behandlung", so Oberarzt Gerhard Stecker vom Bezirkskrankenhaus Augsburg, "hinkt häufig hinterher, weil diese neuen Substanzen so schwer nachweisbar sind." Am BKH Augsburg habe man ungefähr 600 vollstationäre Aufnahmen in der Drogenklinik jährlich. Auch dort zeige sich, dass die "klassischen" Drogen immer mehr von den neuen psychoaktiven Substanzen abgelöst werden. "Diese neuen Konsumtrends und Substanzen stellen das ganze Hilfesystem vor große Herausforderungen", betonte Stecker.

Auch die Drogenhilfe Schwaben stellt sich auf die veränderten Bedingungen ein. Darüber hinaus machte Jürgen König auf weitere Bedarfe im Versorgungssystem aufmerksam. So mangele es an Wohnraum, an Arbeitsmöglichkeiten für Substituierte und auch die Prävention bei Jugendlichen müsse noch weiter intensiviert werden. Torsten Neumann vom Kreuzbund, einer Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige, brachte das Stichwort der "authentischen Prävention" ins Gespräch. "Besser als ein Flyer oder ein Plakat ist es, wenn Jugendliche direkt von Betroffenen deren Biographie geschildert bekommen", so Neumann.

Aber auch bei Senioren werden neue Problemlagen sichtbar: Alkohol- und Tablettensucht seien inzwischen weit verbreitet. Die Pflegekräfte könnten damit oft nicht umgehen. Thema war auch, wie Jugendliche rechtzeitig vor den Drogengefahren gewarnt werden können. Prävention müsse schon in der Familie anfangen. Auch kleine Kinder bekämen genau mit, wie Eltern und Verwandte mit Suchtmitteln umgehen. Neben einer Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Institutionen war ein Fazit der Veranstaltung, zu einzelnen Themen wie Substitution und Prävention weitere Fachtage anzubieten.
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